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Lider-Klasse: Hyperschallwaffen und Atomantrieb – Putin lässt zwei riesige Zerstörer bauen

Oft angekündigt und schon totgesagt wurden die gewaltigen Raketenzerstörer der Lider-Klasse. Aber offenbar will der Kreml die Schiffe bauen, um so weltweit die US-Navy blockieren zu können.

Modell der neuen Schiffsklasse.

Modell der neuen Schiffsklasse.

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Modelle der gewaltigen Zerstörer der Lider-Klasse - Projekt 23560 - wurden bereits im Jahr 2016 gezeigt. Zunächst war von einer ganzen Flotte mit zwölf Schiffen die Rede. Dann wurde es so ruhig um das Projekt, dass Beobachter meinten, der Kreml habe die Lider-Klasse aus Geldmangel beerdigt.

Doch nun berichtet die Tass, dass mit dem Bau der Schiffe begonnen wird. Und das offenbar in der ursprünglichen Zeitplanung. Im Jahr 2022 sollen zunächst zwei Zerstörer auf Kiel gelegt werden. In der Zwischenzeit wurden die Pläne von Grund auf überarbeitet. Die Lider-Klasse ist weiter gewachsen. Die Verdrängung beträgt jetzt 19.000 bis 20.000 Tonnen. Genau genommen sind das keine Zerstörer mehr, sondern schwere Kreuzer. Hinzu kommt eine wichtige Änderung beim Antrieb: Das Projekt 23560 wird mit einem Nuklearantrieb ausgerüstet. Es soll der gleiche Reaktortyp verwendet werden, der auch auf dem russischen Eisbrecher Arktika, Projekt 22220, zum Einsatz kommt.

Lange Einsätze erwünscht

Die Erfahrungen aus dem Syrienkrieg dürften zu der Entscheidung für den Atomantrieb geführt haben. Der Kreml ließ während des Krieges stets Schiffe im östlichen Mittelmeer kreuzen. Sie blockierten die überlegene US-Navy und machten größere Einsätze gegen den Verbündeten Assad unmöglich. Das Kraftwerk verleiht den Schiffen eine unbegrenzte Reichweite und macht es möglich, längere Einsätze zu absolvieren.

Laut dem staatlichen Rüstungsprogramm für 2018-2027 muss die Forschung und Entwicklung im Jahr 2021 beginnen, und der Bau soll folgen. Es wird sieben Jahre dauern, bis ein Zerstörer fertiggestellt ist. Die Indienststellung der beiden ersten Schiffe dürfte dann Ende der 2020er-Jahre sein. Die Zerstörer werden eine Länge von 230 Metern haben.

Das Konzept wurde vom Krylov Center erarbeitet und das vorläufige Design stammt vom Northern Design Bureau. Der Zerstörer kann Geschwindigkeiten von bis zu 30 Knoten erreichen. Die Bewaffnung soll aus etwa 200 Raketen verschiedener Typen bestehen. Die Schiffe werden auch mit den neuesten Flugzeugträger-Killerraketen vom Typ 3M22 Zirkon bewaffnet. Die extrem schnellen Hyperschallwaffen sind für die Verbände der US-Navy eine ernsthafte Bedrohung.

Größer und mächtiger

Mit der Lider-Klasse baut der Kreml erstmals seit den 70er Jahren wieder Zerstörer. Langfristig werden sie die alten Typen Project 956 und Project 1155 ersetzen. In Größe und Kampfkraft spielen sie allerdings in einer ganz anderen Liga. Mit 19 oder 20.000 Tonnen sind die Schiffe weit größer als die der amerikanischen Arleigh-Burke-Klasse mit etwa 9000 Tonnen. Auch die chinesischen Lenkwaffenzerstörer vom Typ 055, die derzeit als modernste und kampfstärkste Schiffe dieser Klasse gelten, verdrängen nur 13.000 Tonnen. Die Zerstörer 1936 der deutschen Kriegsmarine waren nur 2400 Tonnen groß.

Nachdem sich die Zumwalt-Klasse als teurer Fehlschlag erwiesen hat, wird erwartet, dass auch die USA in den kommenden Jahren einen neuen Schiffstyp vorstellen werden, um alternde Schiffe zu ersetzen. Vermutlich werden auch die USA den Weg beschreiten, weit größere Zerstörer als zuvor zu bauen.