VG-Wort Pixel

Besitzer enttarnt, Jacht beschlagnahmt Oligarch verlor 300-Millionen-Jacht "Amadea" wegen eines Pizzaofens: Die USA verkaufen sein Schiff

Jacht "Amadea"
Die "Amadea" liegt nach langer Reise nun in San Diego vor Anker. Nächster Halt: neuer Eigner.
© Zuma Wire / Imago Images
Nach ewigem Hin und Her hat Fidschi die "Amadea" an die USA ausgehändigt. Das Schiff liegt nun nach einer langen Reise in San Diego, und die Behörden kündigten einen baldigen Verkauf an. Der ehemalige Eigner verriet sich am Ende selbst.

Via Twitter meldet das amerikanische Justizministerium den Erfolg: Die "Amadea" liegt nach langer Reise an der amerikanischen Küste. Es heißt: "Nach einer Reise über den Pazifik von mehr als 5000 Meilen hat die "Amadea" sicher in einem Hafen der Vereinigten Staaten angelegt und verbleibt bis zu ihrer voraussichtlichen Einziehung und ihrem Verkauf in der Obhut der US-Regierung." Ihr ehemaliger Eigner, Suleiman Kerimow, hat offenbar keine Chance, sein Schiff noch zu retten.

Die "Amadea" hat bisher die spannendste Geschichte seit Einführung der Sanktionen gegen die russische Finanzelite vorzuweisen. Als die internationale Jagd auf die Schiffe der Oligarchen allmählich Fahrt aufnahm, schaltete der Kapitän der "Amadea" den Positionsgeber ab. Offenbar wollte Eigner Kerimow sein Schiff vor der Welt verstecken.

Flucht über Fidschi missglückt

Der Multimilliardär, dem tiefe Verbindungen in der russischen Politik nachgesagt werden, landete schon vor Jahren wegen mutmaßlicher Geldwäsche auf Sanktionslisten der USA. Die EU setzte ihn im Zuge der russischen Invasion in der Ukraine auf die Strafbank, da man ihn auch hierzulande zum engsten Kreis Putins zählt und sein Vermögen aus Geschäften mit der Regierung stamme.

Der Russe hatte die Rechnung allerdings ohne Fidschi gemacht, die sein Schiff kurz nach der Ankunft im Containerhafen von Lautoka in Zusammenarbeit mit den USA festhielten. Es entbrannte ein Streit vor Gericht, der Anwalt hinter der "Amadea" gab an, dass Kerimov nicht der Eigner sei und schickte den nicht sanktionierten Oligarchen Eduard Jurjewitsch Chudainatow vor.

Tatsächlich hatte er zunächst gute Karten, denn den Eigner einer solchen Luxusjacht zweifelsfrei zu identifizieren ist je nach Menge der vorgeschalteten Briefkastenfirmen ein Mammutprojekt. Wie "CBS" berichtet, verriet Kerimow sich jedoch durch Aufträge für die Crew.

E-Mails mit Bestellungen entdeckt – vom Eigner

In den E-Mails der Crew und den Computern der Jacht habe das FBI Anweisungen von Kerimow gefunden, einen neuen Pizzaofen, ein neues Bett und besonders schnelle Jet-Skis zu besorgen. Das reichte dem Gericht, um den USA Recht zu geben und die Beschlagnahmung zu gestatten – auch weil die "Amadea" ohne Erlaubnis in die Gewässer des Inselstaats gefahren war und man nicht als Versteck für sanktionierte Oligarchen dastehen wolle, hieß es. Derzeit machen sich die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate einen Namen als sichere Häfen für diesen Zweck.

Schlepper ziehen riesige Luxus-Jacht durch winzige Kanäle in den Niederlanden

Sehen Sie im Video: Schlepper ziehen riesige Luxus-Jacht durch winzige Kanäle in den Niederlanden.

Vor dem Urteil in Fidschi gab es bereits Versuche der Vereinigten Staaten, das Schiff in die USA zu bringen. Einmal scheiterte die Ausfahrt an einer Meuterei der Crew, die den Behörden aus Angst vor Repressalien der Jacht-Branche nicht dabei helfen wollte, abzulegen.

+++ Lesen Sie auch: Meuterei auf der "Amadea": Crew der Jacht weigert sich, bei der Beschlagnahmung zu helfen +++

Es sollte am Ende rund zwei Monate dauern, bis die Jacht die USA erreichte und nun über deren Zukunft entschieden wird. Aktuell sieht es danach aus, als komme das Schiff unter den Hammer und werde an den Meistbietenden verkauft. Damit ist die "Amadea" die zweite Jacht, die ihrem ehemaligen Eigentümer aus den Händen gerissen wird – wenige Tage nach der "Axioma".

25 Millionen Dollar Unterhaltskosten pro Jahr

Die "Amadea" wurde 2017 bei Lürssen gebaut und misst 106 Meter Länge. Das Schiff bietet Platz für 18 Gäste und eine 36-köpfige Crew. Die Kosten sollen bei rund als 300 Millionen US-Dollar liegen. Annehmlichkeiten gibt es genug: Das Schiff bietet einen großen Pool, einen Helikopter-Landeplatz, einen Whirlpool, einen Wintergarten, Marmorböden und Samtteppiche. Die jährlichen Betriebskosten beziffern die Behörden mit rund 25 Millionen US-Dollar. Ob der neue Pizzaofen und die flotten Wellen-Mopeds beim Kauf bereits dabei sind oder nie geliefert wurden, wurde nicht verraten.

Quellen: Business Insider, Washington Post, Justice.gov, Treasury.gov, EU-Parlament


Mehr zum Thema



Newsticker