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Drohnenexpertin Bewaffnete Drohnen haben den Luftkrieg revolutioniert und das ist erst der Anfang

Lange Zeit führten die USA bei der Drohnentechnik, aber inzwischen haben Länder wie China und die Türkei nachgezogen. Das Foto zeigt eine chinesische  Drohne AVIC's Chengdu Aerospace Corporation (CAC).
Lange Zeit führten die USA bei der Drohnentechnik, aber inzwischen haben Länder wie China und die Türkei nachgezogen. Das Foto zeigt eine chinesische  Drohne AVIC's Chengdu Aerospace Corporation (CAC).
© Zheng Shuai / Picture Alliance
Vor 20 Jahren kamen sie erstmals zum Einsatz, heute entscheiden Drohnen ganze Kriege. Drohnenexpertin Ulrike Franke sprach mit dem stern über die unbemannten Waffensysteme, die nächsten Schritte ihrer Entwicklung und warum die deutsche Gesellschaft beim Thema Militär-Drohnen auf Abwehr schaltet.

Frau Franke, trotz früherer Versuche sind die Militär-Drohnen ein neues Phänomen. Vor dem Jahr 2000 waren sie unbedeutend, heute sollen sie Kriege entscheiden können.

Etwa um 2000 hat die moderne Drohnenentwicklung ihren Anfang genommen. 2001 haben die Amerikaner zum ersten Mal eine ihrer Drohnen bewaffnet. In den folgenden Jahren kam technologisch viel zusammen, was diese Entwicklung gefördert hat. All die Dinge, die Ihr Handy zum Smartphone und zum iPhone gemacht haben, haben auch der Drohnen-Entwicklung geholfen. Kleinere Sensorik, bessere Datenverarbeitung, bessere Datenübermittlung – solche Dinge haben eine Weiterentwicklung angestoßen, die bis heute andauert.

Wir erlebten einige Jahre, in denen nur wenige Militärs auf der Welt militärische Drohnen besaßen, bewaffnet oder unbewaffnet. Ab etwa 2009 begann die Hochzeit der amerikanischen Drohnen im sogenannten Krieg gegen den Terror. Diese gezielten Tötungen durch bewaffnete Drohnen in Ländern wie Pakistan, Jemen, Somalia, insbesondere durch die CIA, also noch nicht einmal unbedingt durch das US-Militär, wurden international sehr kritisiert. Diese Einsätze haben die Wahrnehmung auf bewaffnete Drohnen stark beeinflusst.

Dass Gegner oder Ziele aus der Luft bekämpft werden, ist nicht neu. Insbesondere dann, wenn der Gegner über keine Luftwaffe oder nennenswerte Luftabwehr verfügt. Warum haben sich die Drohnen im Vergleich zu Flugzeugen so enorm durchgesetzt?

Ulrike Franke ist Policy Fellow beim European Council on Foreign Relations (ECFR). Sie arbeitet zu Fragen der deutschen und europäischen Sicherheitspolitik, insbesondere zum Thema Drohnen und ist Teil des Teams des Podcast "Sicherheitshalber".
Ulrike Franke ist Policy Fellow beim European Council on Foreign Relations (ECFR). Sie arbeitet zu Fragen der deutschen und europäischen Sicherheitspolitik, insbesondere zum Thema Drohnen und ist Teil des Teams des Podcast "Sicherheitshalber".

Mehrere Faktoren kommen zusammen. Sehen Sie sich die Einsatzgebiete an. Pakistan, Jemen und Somalia sind Länder, mit denen die USA sich nicht offiziell im Krieg befinden. Teilweise wurden diese Angriffe von den Regierungen gebilligt, teilweise auch nicht. Da ist es besser, keinen Piloten über dem Gebiet zu haben. Und dann können Drohnen sehr lange in der Luft bleiben. Man schickt sie über ein Einsatzgebiet und diese Systeme können teilweise 24 Stunden lang dort kreisen. Also kann man Personen oder einzelne Autos sehr lange Zeit verfolgen. Das können Kampfflugzeuge nicht, sie bleiben nur ein bis zwei Stunden in der Luft. Damit kann man diese Abdeckung nicht erreichen.

Dazu kam eine technologische Entwicklung. Die USA und die CIA hatten, wie Sie sagten, einen Gegner ohne funktionierende Luftabwehr. Das ist bei den Einsätzen heute auch noch der Fall, denn viele Drohnen sind eigentlich sehr verwundbare Systeme, sie fliegen langsam und wären von einer regulären Luftabwehr vergleichbar einfach zu erfassen und abzuschießen.

Fast 20 Jahre lang wurden bewaffnete Drohnen nur von sehr wenigen Mächten eingesetzt.

In den 2010er-Jahren gab es eine Art von Monopol bei bewaffneten Drohnen. Die USA und Israel besaßen eigene, die Briten hatten in den USA gebaute Drohnen. Dieses Triumvirat hielt sehr lang, weil weder die USA noch Israel ihre bewaffneten Drohnen exportieren wollten.

Diese Alleinstellung hielt lang, aber nicht ewig. Es traten neue Player auf.

Insbesondere China und die Türkei haben angefangen, ihre eigenen bewaffneten und unbewaffneten Systeme zu entwickeln. Und beide Länder haben in den letzten Jahren begonnen, diese Systeme zu exportieren. Nun haben wir die Situation, dass ein gutes Dutzend, wenn nicht 20 Länder weltweit bewaffnete Drohnen haben. Und da sind Länder dabei, die auf der Liste von militärischen Mächten nicht oben stehen. Pakistan, Aserbaidschan und Nigeria etwa. Die große Proliferation von bewaffneten Drohnen der letzten fünf Jahren liegt vor allem an China und der Türkei.

Das war zu erwarten. Für das Einsatzspektrum von Drohnen gibt es einen weiten Bedarf. Und die "Zurückhaltung" der USA und Israels beim Export, bedeutet eben auch, das neue Anbieter auf eine schon bestehende Nachfrage stoßen.

Es ist kein Wunder, dass gerade die Türkei sich so engagiert. Die Türkei hat in den Kurdengebieten eine entsprechende Herausforderung. Dort ist die Fähigkeit – langes Überwachen und Eingreifen, wenn man will – militärisch von Interesse. Dazu kommt, dass es sich auch um Prestige-Projekte handelt. Diese Systeme sind nicht so schwer zu entwickeln. Jedes mittelgroße Land, das bereit ist, gewisse Ressourcen aufzuwenden, kann eine eigene Drohnenindustrie aufbauen, wie eben die Türkei.

Wir sehen Drohnen verstärkt auch im zivilen Sektor.

Einige Jahrzehnte waren Drohnen eine exklusiv militärische Technologie und das hat sich in den letzten fünf Jahren massiv geändert. Heute werden Drohnen für Hochzeitsfotografie und Inspektionen von Pipelines benutzt. Zum Pestizidsprühen in der Landwirtschaft. In Dubai hat man Drohnen in die Wolken geschickt, um Regen auszulösen. Dieses explosive Wachstum im zivilen Bereich hat direkte Auswirkungen auf die militärischen Drohnen. Die deutsche Marine und die American Marines nutzen zum Beispiel Systeme, die von zivilen Herstellern kommen. Wirklich kompliziert wird es, wenn nicht-staatliche Gruppen – Milzen oder terroristische Organisationen – sich diese zivilen Drohnen beschaffen und umbauen. Also die zivilen Drohnen militarisieren.

Tatsächlich kann jeder Zivilist eine Drohne bestellen. Ich habe mal geschaut: Für nur 3000 Euro könnte ich eine Landwirtschaftsdrohne mit guter Reichweite und 25 Kilogramm Nutzlast kaufen. 

Die im Vergleich geringen Kosten und die einfache Zugänglichkeit geben diesen Gruppen eine komplett neue Fähigkeit. Denn welcher nicht staatliche Akteur hatte bisher eine Luftwaffe?

Also die Luftwaffe des kleinen Mannes, diese Gruppen hatten vorher häufig nicht einmal eine weitreichende Artillerie und improvisierte Raketen sind nicht zielgenau.

Genau damit wird ein neues Terrain betreten. Für das westliche Militär ist diese Entwicklung eine große Herausforderung, weil man sich plötzlich vor Angriffen aus der Luft schützen muss, was jahrzehntelang in diesen Kriegsgebieten nicht notwendig war.

Drohnen wurden von den USA eingesetzt, im Konflikt in der Ost-Ukraine, in Syrien, in Libyen. Doch beim Konflikt um Bergkarabach sollen sie von entscheidender Bedeutung gewesen sein. Was war da so besonders?

Der Verlauf des Krieges um Bergkarabach war nicht so überraschend, wenn man die Materie beobachtet hat. Aserbaidschan hat in den letzten Jahren massiv Geld ausgegeben und das Militär entsprechend modernisiert. Meines Erachtens gibt es in diesem Konflikt mehrere relevante Punkte. Da wäre die Tatsache, wie präsent Drohnen verschiedenster Art auf diesem Schlachtfeld waren. Das ist eine Folge der Proliferation der letzten Jahre und nun hat man das Ergebnis im Einsatz gesehen. Dadurch wurde vielen Staaten bewusst, dass sie stärker in Drohnen-Abwehr investieren müssen.

Dieser Krieg ist nicht der erste Konflikt, bei dem Drohnen eingesetzt werden, doch erstmals haben zwei Staaten Drohnen gegeneinander eingesetzt. Und das ist neu. Bislang wurden Drohnen vor allen Dingen von stark überlegenen Staaten in asymmetrischen Konflikten gegen Milizen oder sogenannte Terroristen eingesetzt und nicht gegen andere Staaten. Man dachte, dass Drohnen letztendlich militärisch nicht stark genug sind, um wirklichen Einfluss in Kriegen zwischen Staaten zu haben.

Den Krieg um Bergkarabach sollen sie entschieden haben.

Bei Aserbaidschan und Armenien handelt sich aber auch um zwei relativ kleine militärische Mächte. Ich würde weiterhin sagen, dass die aktuellen Drohnen-Generationen in einem hypothetischen Krieg zwischen Großmächten, wie den USA und China nicht die zentrale Rolle spielen würden. Da wird es dann um andere Systeme gehen. Wenn aber kleinere Staaten miteinander Krieg führen, sind Drohnen zusätzliche luftgestützte Systeme. Sehen Sie sich die Zahlen an: Aserbaidschan und Armenien haben zusammen keine 50 Kampfflugzeuge. Aber wenn eine Seite dann 100 Drohnen draufsetzt, vergrößert sich die Bedeutung der Luftwaffe enorm.

Der dritte Faktor war der Einsatz von "Loitering Ammunition", also "herumhängende Drohnen" die über einem Einsatzgebiet kreisen und die sich, wenn sie einschlagen, selbst zerstören – daher auch das Wort "Kamikaze-Drohnen". Das ist technologisch eine Neuentwicklung. Hier reden wir über kleine, bewaffnete Systeme, die in die Luft gebracht werden, da eine längere Zeit einfach kreisen und sich, wenn sie ein Ziel entdecken, auf dieses Ziel stürzen. Diese Systeme nehmen zu. Ich persönlich meine, an dem Konflikt um Bergkarabach war diese Entwicklung die Interessanteste, weil zukunftsweisendste.

"Ein Ziel entdecken" – im Zusammenhang mit Drohnen fällt stets das Wort "autonom" – die Vision einer fliegenden Killermaschine, die selbstständig Ziele erkennt und angreift.

Autonomie in der Kriegsführung wird gerade in Deutschland immer mit Drohnen in Zusammenhang gebracht, dabei hängt beides nur zu einem gewissen Grad zusammen. Wir erleben aktuell eine Entwicklung hin zu mehr Autonomie und Automatisierung in allen Bereichen der Kriegsführung. Auch in den bodengestützten Systemen. Die Verbindung zu Drohnen gibt es, weil Drohnen sich als ohnehin unbemannte Systeme dafür angeboten haben, noch einen Schritt weiterzugehen – von der Fernsteuerung zur Autonomie.

Sind solche autonomen Systeme bereits eingesetzt worden?

Ein UN-Report sagt, in Libyen seien autonome Waffen eingesetzt worden. Eine Drohne, die ihre Ziele selbst findet und Menschen getötet hat. Aber meines Erachtens wissen wir das nicht und auch die Autoren des Reports wissen es nicht. Was wir wissen, ist, dass ein System eines türkischen Herstellers eingesetzt wurde, welches laut Hersteller autonome Fähigkeiten haben soll. Aber ob die so eingesetzt wurde, wissen wir nicht. Doch in der Tat erleben wir eine schleichende Entwicklung,

Wir erleben Automatisierung in vielen militärischen Bereichen. Warum stehen Drohnen so im Fokus?

Die Schwierigkeitsgrade sind unterschiedlich. Wir haben nur eine begrenzte Anzahl ferngesteuerter landgestützter Systeme, weil das am Boden in der Tat extrem schwierig wird. Am Boden sind nicht nur Terrain und Bebauung komplizierter, ihnen können auch unerwartete Akteure – Zivilisten – begegnen. In Luft und Wasser ist die Umgebung einfacher.

In Deutschland reagiert die Öffentlichkeit mit einem Abwehrreflex, wenn nur das Wort Drohne fällt.

In der deutschen Gesellschaft sind Drohnen mit diesen gezielten und potenziell illegalen Tötungen verbunden. So, als wäre da ein Automatismus: Wenn wir bewaffnete Drohnen kaufen, dann werden die auch für gezielte Tötungen verwandt. Man kann mit vielen Waffen viele schlimme Sachen machen, aber diese Verbindung ist immer präsent. Ebenso ist die Idee verankert, dass Drohnen autonome Waffensysteme sind – also allein über Leben und Tod entscheiden können.

Sie führen diese Diskussionen seit Jahren und wirken manchmal etwas erschöpft.

Die Diskussion in Deutschland kocht stets über. Wenn über Drohnen gesprochen wird, beginnt sofort eine fundamentale Debatte: Wofür brauchen wir eigentlich die Bundeswehr, was machen wir in Afghanistan und was soll das alles? Wenn solche Grundsatzfragen dominieren, wird es sehr schwierig, die Frage der Beschaffung von einzelnen Systemen zu diskutieren. Zur Überwachung nutzen wir Drohnen schon sehr lange und auch durchaus sehr erfolgreich. Es geht also um diese bewaffneten Drohnen.

Es ist nicht so, als könnte man kein funktionierendes Militär aufbauen, ohne bewaffnete Drohnen zu besitzen. Sie haben gewisse militärische Vorteile und wenn man sagt: "Wir wollen diese Systeme nicht", dann muss man sie substituieren. Das wäre sicher teurer und schwieriger, aber nicht unmöglich. Nur muss man das dann auch machen.

Also Deutschland kann auch "Nein" sagen, aber was dann …

Die Entwicklung zieht schon weiter, also während wir eben über das Leasen von fünf bewaffneten Heron-Drohnen diskutieren, hat die Türkei 200 bewaffnete Drohnen gebaut und setzt sie ein. Wir sehen zudem zunehmend eine Automatisierung. Wir haben in der Zwischenzeit auch Panzer und Flugzeuge und alles Mögliche für die Bundeswehr angeschafft. Potenziell sind diese Systeme viel tödlicher. Das interessiert kaum jemanden und man hält sich an die Drohnen. Das ist etwas irrational in dieser Debatte.

Auch wenn man selbst keine Drohnen einsetzen will, bleiben sie doch eine wachsende Bedrohung für das eigene Militär.

Aus verschiedenen Gründen tun sich die Deutschen schwer damit. Die eigentliche Herausforderung wird jetzt sein, dass wir in irgendeiner realistischen Weise eine Abwehr-Struktur aufbauen. Man kann eine Counter-Drohnen-Macht sein, ohne selbst Drohnen zu haben. Es gibt überhaupt keinen Grund, nicht in die Drohnen-Abwehr zu investieren. Und aktuell sind wir jetzt nicht so gut aufgestellt, dass wir uns morgen gegen sämtliche Drohnen Angriffe verteidigen könnten. Das ist sicher richtig.

Drohne ist nicht gleich Drohne, da gibt es heute eine weite Spannweite.

Wenn man von militärischen Drohnen redet, dann haben die meisten so etwas wie den Predator oder den Reaper im Kopf. Ein Gerät in der Segelfliegergröße. Das Kleinste ist die Black Hornet Nano. Das ist so ein kleiner Hubschrauber. Der sieht aus was wie die Dinger, die unter dem Weihnachtsbaum liegen. Sie hat eine Spannweite von 10 cm und dann geht es bis zur Global Hawk mit einer Spannweite von einem Ferienflieger. Die unterschiedlichen Drohnen sind die große Herausforderung der Drohnenbekämpfung.

Auf welche Probleme stößt man heute bei der Abwehr von Drohnen?

Die erste Schwierigkeit bei der Drohnen-Abwehr: Die Drohne muss erst mal entdeckt werden. Was nicht so einfach ist, weil die Radargeräte auf Flugzeuge eingestellt sind, die wir kennen. Die eine gewisse Signatur haben, eine bestimmte Geschwindigkeit und Größe. Nun gibt es Drohnen, die vor allen Dingen aus Plastik sind, die haben eine andere Signatur, sie fliegen meist viel langsamer und können sogar mit Vögeln verwechselt werden.

Die zweite Herausforderung beginnt dann, wenn man eine Drohne entdeckt hat. Wie bekämpft man sie? Das erste wäre abschießen – also mit irgendwie einem Projektil wie von der Schrotflinte oder mit einer Rakete. Das kann man über Kriegsgebieten machen, das könnte man aber nicht bei einem Anschlag in Central London machen. Dann gibt es elektronische Counter-Maßnahmen, die sind aktuell mit am populärsten. Da geht es zum Beispiel darum, das Signal zwischen Drohne und Operateur zu unterbrechen oder die Drohne selbst zu hacken und zu übernehmen. Aber was, wenn die Drohne so autonom ist, dass sie gar nicht mit einem Operateur kommuniziert? Dazu gibt es Lowtech-Möglichkeiten, also zum Beispiel Netze. Es gibt schultergestützte Netz-Werfer, die man gegen kleinere Drohnen einsetzt.

Die klassische Luftabwehr geht von der Situation aus, dass man Objekte abwehrt, die sehr teuer sind und entsprechend nur in geringer Stückzahl zur Verfügung stehen. Zumindest bei den kleineren Drohnen dreht sich das Verhältnis um, sie sind vergleichsweise billig und können in großen Mengen, in ganzen Schwärmen, auftauchen.

Richtig, die nächste Herausforderung ist in der Tat die Frage: Wie teuer ist das? Das haben wir in der Debatte über Iron Dome in Israel gesehen. Natürlich kann man sich Abwehr etwas kosten lassen, aber wenn man angegriffen wird von Drohnen, die potenziell vielleicht nur ein paar 1000 Euro kosten, dann darf nicht jeder Abfangschuss 20.000 oder 50.000 Euro kosten. Das ist auch ein Grund, warum elektronische Maßnahmen oder auch Laser sehr populär sind unter Militärs. Und dann ist die Frage, wie mobil das System sein muss. Größere Systeme sind stationär oder können nur von einer Gruppe schwerer Lkw bewegt werden.

Eine einzelne Lösung wird es kaum geben.

Man hat immer die Herausforderung, dass man beispielsweise ein System nutzt, das Drohnen von der Art der Predator abfangen kann und der Gegner dann mit einem ganz kleinen System kommt, mit dem man gar nicht gerechnet hatte. Das wird sich weiterhin sehr stürmisch entwickeln. Ich sehe eine gewisse Spirale, wo wir eine Drohnenentwicklung erleben, auf das ein Drohnenabwehrsystem folgt, welches sich darauf einstellt. Und dann kommt wieder eine neue Entwicklung.

Was wird die Zukunft bringen?

Über die zunehmende Autonomie haben wir bereits gesprochen. Dazu wird es Drohnen geben, die Kampfjets begleiten.

Also so etwas wie den "Loyal Wingman". Auch für das europäische Projekt FCAS sind Begleitdrohen geplant. Das würde aber bedeuten, dass die fliegerischen Eigenschaften der Drohnen sich stark verbessern müssen. Dazu kommt die Ankündigung, dass "echte" Kampfjets entweder als Drohne oder autonom operieren sollen.

Wir werden Systemen erleben, die in der Lage sind, sich selbst zu verteidigen. Die nächste Generation von Drohnen sind dann echte Kampfdrohnen. Dazu kommen die Schwarm-Fähigkeiten, weil das der Bereich ist, in dem momentan sehr viel investiert wird. Drohnen-Schwärme brauchen einen gewissen Grad an Künstlicher Intelligenz und einen gewissen Grad an Autonomie, um echte Schwärme zu sein. Nur viele Drohnen auf einem Haufen sind kein Schwarm. Schwarm bedeutet, dass diese Systeme zusammenarbeiten, miteinander kooperieren, sich austauschen, ein gemeinsames Ziel verfolgen. Ich denke, für die militärische Entwicklung ist das der nächste große Schritt.


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