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Luftfahrt: Erstes Verkehrsflugzeug wird 70

Sie ist das Vorbild für alle Passagierflugzeuge: die Focke-Wulf 200A "Condor" hob vor 70 Jahren zum ersten Mal ab. In einem aufwändigen Rekonstruktions-projekt soll die Maschine nun wieder hergestellt werden.

Ohne die eine würde es den anderen nicht geben: Zwischen der Focke-Wulf 200A "Condor" und dem supermodernen Airbus A380 liegen Welten - und 70 Jahre. Am 27. Juli 1937 hob die erste vom deutschen Flugzeugbauer Kurt Tank konstruierte Verkehrsmaschine zum gefeierten Erstflug ab. Damals ahnte noch niemand, dass die "Condor" ein Vorbild für alle späteren Flugzeuge werden würde.

Vier je 720 PS starke BMW 132-G-Motoren, 23,90 Meter Länge, 32,80 Meter Spannweite, Platz für 26 Passagiere und 365 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit - das sind die wichtigsten technischen Daten der Focke-Wulf 200A. Immerhin war die Flügelfläche von 118 Quadratmetern in etwa schon so groß wie bei einem zweistrahligen Airbus A320 von heute (122 Quadratmeter).

Im Juni 1936 hatte die Produktion des Flugzeugs begonnen. Anlass war ein Bauauftrag der Deutschen Lufthansa. Wenig später schon kam die Weiterentwicklung. Die Focke-Wulf 200B "Condor" erreichte schon eine Spitzengeschwindigkeit von 420 Stundenkilometern und konnte für damalige Verhältnisse imponierende 2000 Kilometer weit fliegen. Im Sommer 1938 startete der erste Prototyp zum Direktflug von Berlin nach New York. Flugzeit: 24 Stunden und 55 Minuten.

20 Stunden für transatlantischen Flug

Es war der erste transatlantische Versuchsflug eines Landflugzeuges auf dieser Strecke - sogar mit einem eigenen neunsitzigen Raucherabteil. Für den Rückflug benötigte die Focke-Wulf 200B "Condor" sogar nur 20 Stunden. Heute wird die Strecke in durchschnittlich knapp acht Stunden bewältigt - oft mit mehreren hundert Passagieren.

Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden einschließlich der Prototypen und der beiden Regierungsmaschinen, von denen eine für den persönlichen Gebrauch von Adolf Hitler bestimmt war, 18 Exemplare gebaut. Die meisten landeten bei der Lufthansa. Eine Focke-Wulf 200 "Condor" flog sogar noch 1950 für die brasilianische Syndikato Condor. Von der späteren Bomberversion Focke-Wulf 200C "Condor" wurden mehr als 260 fertiggestellt. Die zivile Focke-Wulf 200B hätte das erste Langstrecken-Landflugzeug werden können. Die Bomben des Zweiten Weltkriegs ließen jedoch der viermotorigen Maschine keine Chance. Dennoch: Die "Condor" blieb der Standardtyp aller später entwickelten großen Verkehrsflugzeuge. Bis heute.

Im Bremer Airbus-Werk, bei der Lufthansa Technik in Hamburg und bei Rolls-Royce in Oberursel bemühen sich seit 2003 rund 75 ehrenamtliche Flugzeugbauer und Luftfahrttechniker, die weltweit einzige, noch vorhandene Focke-Wulf 200 "Condor" zu restaurieren. Ihre Trümmer wurden 1999 im Auftrag des Deutschen Museums für Technik Berlin im Trondheimfjord gehoben und dann auf einem Schlepp-Ponton nach Hamburg gebracht. Zusätzliche Probleme hatte es gegeben, weil der Rumpf des Flugzeuges bei der Bergung aus dem norwegischen Fjord zerbrochen war.

Restauration mit betagtem Flugzeugbauer

Die Trümmer wurden dem Berliner Technik-Museum vom norwegischen Staat übereignet. Bei der Maschine handelte es sich um die militärische Version Focke-Wulf 200C3. Sie war am 22. Februar 1942 in den Trondheimfjord gestürzt. Alle sechs Mann Besatzung überlebten den Absturz, der bewusst herbeigeführt worden war. Die Landeklappen konnten nur noch einseitig ausgefahren werden.

Das größte Problem der 75 Enthusiasten sind fehlende Zeichnungen und Baupläne. So gut wie alles ist im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges untergegangen. Einzige Hilfen sind alte Fotos und die Erfahrungen einiger betagter Flugzeugbauer. Zu ihnen gehört der längst pensionierte 82-jährige Wilhelm Brinkmann.

Etliche der engagierten Bremer und Hamburger Luftfahrtechniker werden das Ende der aufwendigen Restauration vermutlich nicht mehr erleben. Wenigstens 15 Jahre sind für die aufwendige Restauration veranschlagt.

Karl Morgenstern/DPA / DPA