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Arktis: Moskaus Traum wird wahr: Russischer Tanker absolviert Rekordfahrt durchs Eis

Die kürzeste Route von Europa nach Asien liegt oberhalb von Sibirien. Bislang konnte man durchs arktische Eis nur mit einem Eisbrecher fahren. Der Klimawandel macht die Route nun für andere Schiffe frei.

Mit Schiffen wie der Christophe de Margerie soll die menschenleere Arktis zu einer wichtigen Welthandelsroute werden.

Die Nordrouten oberhalb von Alaska oder oberhalb von Russland sind alte Träume der Seefahrt – wären sie schiffbar, würden sich die Strecken im weltweiten Handel dramatisch verkürzen. Meist liegen Sender und Empfänger auf der Nordhalbkugel und doch müssen die Schiffe derzeit den beschwerlichen Weg rund um Afrika nehmen. 

Der russische Gastanker Christophe de Margerie zeigte nun, dass die Route nördlich von Russland auch allein ohne Begleitung eines Eisbrechers schiffbar ist. In nur 22 Tagen brachte die Christophe de Margerie eine Ladung Flüssiggas vom norwegischen Hammerfest nach Südkorea. Das sind etwa sieben Tage weniger als man für die klassische Route benötigt hätte – für den Abschnitt durch die Arktis hat das Schiff sechs Tage gebraucht.

Spezialschiff für die Arktis

Für jedes Schiff ist die Route aber nicht befahrbar, die Christophe de Margerie ist ein speziell designter Tanker mit Eigenschaften eines Eisbrechers. Das 300 Meter lange Schiff soll Eis von mehr als zwei Metern Dicke  durchbrechen können, auf der Jungfernfahrt erreichte das arktische Eis jedoch nur eine Stärke von 1,2 Metern.

Der Sprecher von Sovcomflot war dann auch mit der Reise sehr zufrieden: "Das war ziemlich schnell, vor allem weil keine Eskorte durch Eisbrecher nötige war. Es ist für uns sehr spannend, dass dieses Schiff diese Route das ganze Jahr befahren kann." 

Bei einem Schiff wird es nicht bleiben, die Christophe de Margerie ist der erste Tanker von 15. Diese Flotte wird gebaut, um Flüssiggas von einer Anlage auf der sibirische Jamal-Halbinsel aufzunehmen. Moskau kann Gas so weltweit an Länder liefern, auch wenn diese nicht an eine Pipeline angeschlossen sind.

Der Export wird dem Kreml dringend benötigte Devisen bringen. Die Flotte der Flüssiggastanker ist aber nur ein Punkt in einem umfassenden Programm den Norden Russlands und die Arktis besser zu erschließen. Über die Wiedereröffnung alter Militärbasen in der Region wird gelegentlich berichtet – aber die Militärpräsenz ist nur ein Aspekt. Viel wichtiger ist der Aufbau einer weltweit einzigartigen Flotte von Eisbrechern und einer Reihe von eigens für das Nordmeer konzipierter Schifftypen, die ohne fremde Unterstützung in der Arktis operieren können. Nur wenn es gelingt, die Nordroute ganzjährig offen zu halten, wird die Region für die Besiedelung interessant. Heute müssen gute Jobs und weit überdurchschnittliche Bezahlung Menschen in den Norden locken. Zu den Zeiten Stalins gab es die letzten großen Versuche den äußersten Norden zu besiedeln, der Gewaltherrscher siedelte die Betroffenen damals ohne deren Einwilligung um. 

Simon Boxall, ein Ozeanograf der Universität von Southampton, sagte dem "Guardian", dass es heute schon eine sichere Sache sei, spezielle Schiffe für diese Route zu bauen. "Selbst wenn wir ab sofort keine Klimagase mehr freisetzen würden, wird sich der Eisverlust in der Arktis nicht umkehren lassen. Wir werden es erleben, dass diese Route über Russland ab etwa 2020 immer mehr benutzt werden wird."

Handelsroute ohne US-Einfluss

Auch Russlands politische Bedeutung wird mit der Nutzung der Route durch Dritt-Staaten zunehmen. Nicht nur, weil eine regelmäßiger Schiffsverkehr auf der Nordpassage zu Jobs und Einnahmen führt. Weltpolitisch basiert die Macht der USA nicht zuletzt darauf, dass die starke US-Flotte die Handels- und Schifffahrtsrouten der ganzen Welt kontrollieren kann. Diesen Anspruch fordert China derzeit ganz offen im Südchinesischen Meer heraus. Putin muss keine Konfrontation suchen, ihm hilft der Klimawandel, die schnellere und billigere Passage durch die Arktis verläuft im russischen Hoheits- und Einflussgebiet – ganz außerhalb der Kontrolle der USA. 

Ein bitterer Witz der Geschichte bleibt : Der vom Menschen durch fossile Brennstoffe verursachte Klimawandel führt nun dazu, das noch mehr fossile Energieträger noch schneller verbraucht werden können.

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