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Rekordfahrzeuge: Schneller, weiter, länger

Vor wenigen Tagen stellte ein Solarflugzeug mit 54 Stunden Dauerflug über der Wüste von New Mexico einen Weltrekord auf. Aber auch zu Wasser und zu Land gibt es verrückte Konstruktionen, die in neue Dimensionen vorstoßen. Ein Streifzug durch die Geschichte der Höchstleistungen.

Von Thomas Soltau

Die Jagd nach Rekorden fasziniert die Menschheit seit Beginn der technischen Revolution. Wer Bestmarken aufstellt, sonnt sich im Scheinwerferlicht der Medien. Deshalb begeben sich immer mehr Abenteurer auf einen ebenen Trockensee, in die Luft und aufs Wasser, um traumhafte Geschwindigkeiten oder neue Langstreckenrekorde aufzustellen. Vor über 100 Jahren wurde mit 63 km/h der erste Weltrekord für Landfahrzeuge durch eine Elektrokutsche erzielt. In den 1930er Jahren lag die Bestmarke schon bei 700 km/h, ehe es 1997 dem britischen Tornado-Piloten Andy Green im Thrust SSC gelang, als bislang einziger Mensch in einem Landfahrzeug die Schallmauer zu durchbrechen. Seine Geschwindigkeit betrug 1224 km/h.

Auf dem Wasser geht es nicht weniger rasant zu: Schnellster Motorbootfahrer ist Ken Warby aus Australien. Er fuhr im Oktober 1978 mit seiner düsengetriebenen "Spirit of Australia" 511 km/h. Die Fahrt gilt auch nach fast drei Jahrzehnten als kaum wiederholbare Leistung. Schnellster Fahrer eines propellergetriebenen Bootes ist übrigens der US-Amerikaner Dave Villwock. Er erreichte mit seiner "Miss Budweiser" im März 2004 auf dem Lake Oroville 354 km/h.

Teure Abenteuer

Doch es geht nicht nur um Geschwindigkeit: Ein solarbetriebenes Flugzeug des britischen Rüstungs- und Forschungsunternehmens QinetiQ hat vor ein paar Tagen einen Weltrekord für den längsten unbemannten Flug aufgestellt. Das Modell "Zephyr" flog dabei 54 Stunden lang in einer Höhe von etwa 15.000 Metern über der Wüste im US-Staat New Mexico. Der bisherige Rekord von 30 Stunden und 24 Minuten vom 23. Juli dieses Jahres wurde nahezu verdoppelt. Das Flugzeug aus Kohlefasern ist 18 Meter lang und wiegt etwa 30 Kilogramm - leicht genug, um von Hand von einem Dreierteam gestartet zu werden. Die Energie bezieht es aus hauchdünnen Solarzellen aus, überschüssige Energie wird in Batterien gespeichert. So kann das Flugzeug auch nachts fliegen. Wie teuer die Gier nach Rekorden ist, zeigen die Ausgaben: Das Britische Verteidigungsministerium soll mehrere Millionen Pfund beigesteuert haben.

In 65 Tagen um die Welt

Mit seinem Biodiesel-Rennboot "Earthrace" will der Neuseeländer Pete Bethune die Welt umrunden. Die Aktion soll für umweltverträglicheren Treibstoff werben. Und es geht um einen neuen Weltrekord. Für den Marathontrip liegt die derzeitige Bestleistung bei 75 Tagen. Bethune will sie um mindestens zehn Tage unterbieten. Neben Sponsoren hat der Familienvater für seinen Trip das Eigenheim mit Hypotheken in Höhe von 650.000 Dollar belastet. Deutlich preiswerter gestaltete sich da der Rekordversuch von Kenny McLean, der mit seinem skurrilen Monowheel 2001 in Kalifornien mit 91 Km/h über den Highway brauste.