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Bodeneffektflugzeug Seaglider – US-Unternehmen baut emissionsfreien Ekranoplan

Die Reisehöhe ist wenige Meter über den Wellen.
Die Reisehöhe ist wenige Meter über den Wellen.
© Regent / PR
Mit 290 km/h knapp über den Wellen fliegen: So soll der Seaglider Inseln und Küstenstädte verbinden und das Ganze ohne fossile Brennstoffe.

Wirklich CO2-frei zu fliegen ist eine große Herausforderung. Schon bei Lkws und Pkws führt die Mitnahme der Batterien zu einem merklichen Zuwachs an Gewicht, bei einem Flugzeug gilt das noch viel mehr. Eine Lösung sind Ekranoplane, sogenannte Bodeneffekt-Flugzeuge. So ein Modell, den Seaglider, hat das US-Unternehmen Regent vorgestellt. Es gibt an, bereits Vorbestellungen für 465 Millionen US-Dollar erhalten zu haben.

Kurz über den Wellen

Ein Bodeneffekt-Flugzeug erhebt sich nur knapp über dem Boden und "reitet" auf einer Art von rotierender Luftwelle, die es mit seinen Stummelflügeln erzeugt. Dieses Kissen zwischen Boden und Flugzeug führt dazu, dass ein Ekranoplan sehr viel weniger Energie aufwenden muss als ein richtiges Flugzeug. In der UdSSR wurden die meisten Ekranoplane gebaut. Zuerst für den Medizin- und Kurierdienst entlang der großen Ströme, später wurden sehr große militärischen Ekranoplane gebaut. Bei ihnen wurde der Bodeneffekt dafür genutzt, eine sehr hohe Nutzlast an Raketen zu transportieren.

Heutige Pläne zielen vor allem darauf eine hohe Geschwindigkeit auf dem Wasser zu erreichen, ohne den Beschränkungen des Luftverkehrs unterworfen zu sein. Der Nachteil des Ekranoplan ist es, dass es nur über flachen unbebauten Gelände benutzt werden kann, in der Praxis sind das Wasser- oder Eisflächen. Ein Ekranoplan macht daher eher Booten und Fähren Konkurrenz als Flugzeugen.

Schneller Eintritt ins E-Zeitalter

Der Seaglider kann von einem normalen Pier aus starten, dann schippert er wie ein Schiff auf das offene Wasser und beschleunigt dort. Er soll eine Spitzengeschwindigkeit von 290 km/h erreichen. Die Reichweite beträgt mit heutiger Batterietechnik 290 Kilometer, dürfte sich bei den Fortschritten der Batterietechnik aber vergrößern.

Das Unternehmen möchte speziell zwischen großen Drehkreuzen wie Boston und New York, Los Angeles und San Francisco operieren und auch kürzere und lukrative Strecken wie von New York City zu den Hamptons oder zwischen den Inseln von Hawaii bedienen. Im Vergleich zu einer Fähre wäre der Seaglider deutlich schneller und er benötigt keinen Flugplatz und keine Luftrechte. Die Lärmbelästigung ist ebenfalls gering, nahe am Ziel kann der Seagilder in den Bootmodus übergehen.

Ekranoplane

In Russland werden regelmäßig Entwürfe größerer Ekranoplane vorgestellt, die große Lasten schnell über das Meer bringen können. Ein erwünschter Kunde wäre das russische Militär, doch bislang ist es zu keiner Bestellung gekommen. Der wirklich große Markt für Ekranoplane wäre allerdings die Inselwelt des Pazifiks, dort wird bereits ein kleines Wassertaxi gebaut. Der Airfish 8 ("Dieses Luft-Wasser-Taxi basiert auf dem Entwurf von Hitlers Raketenbauer") basiert auf Forschungen von Dr. Alexander Lippisch.

Lippisch ist heute weitgehend unbekannt, gehört aber zu den großen Flugzeugkonstrukteuren des 20. Jahrhunderts. Er gilt als "Vater" des Deltaflügels. Im Zweiten Weltkrieg basierte der Raketen-Abfangjäger Messerschmitt Me 163 "Komet" auf seinem "Projekt X". Nach dem Zweiten Weltkrieg stammten die Rekordflugzeuge Convair XF-92, der Jäger Convair F-106 und der überschallschnelle strategische Bomber Convair B-58 von seinen Entwürfen ab.

Der Seaglider ist insofern einzig, als dass er als erstes Modell rein elektrisch angetrieben wird.

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