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Bodeneffektflugzeug Russlands letzter Ekranoplan wird Museumsstück

Die "Ente" wurde nach Derbent in Dagestan geschleppt.
Die "Ente" wurde nach Derbent in Dagestan geschleppt.
© PR
Russlands letzter großer Ekranoplan wird gerettet. Nachdem das riesige Bodeneffekt-Flugzeug MD-160 jahrzehntelang vor sich hin gammelte, trat es nun seine letzte Reise an, um in einem Museum ausgestellt zu werden.

Ekranoplane sind Exoten unter den Flugzeugen. Sie nutzen den sogenannten Bodeneffekt aus, zwischen ihren Flügeln und dem Boden bildet sich eine rotierende Luftwalze, auf der sie reiten. Dieser Effekt kann nur in geringer Flughöhe genutzt werden, der Ekranoplan der Lun-Klasse erhebt sich etwa zehn Meter über das Meer. Dafür verbraucht ein Ekranoplan sehr viel weniger Sprit als ein echtes Flugzeug und kann dabei gewaltige Lasten bewegen.

Einsatz als Flottenzerstörer

Kleinere Ekranoplane wurden in der UdSSR genutzt, um sich schnell entlang der Flüsse zu bewegen. Sie wurden in den 1960ern von den vielseitigeren Hubschraubern verdrängt. Die Lun-Klasse ist eine Geburt des Kalten Krieges: Das erhaltene Flugzeug, die MD-160, war ein Raketenträger, der sich sehr viel schneller als ein Schiff bewegen konnte. Vom Einsatzspektrum sollte die Lun-Klasse Ähnliches leisten, wie die Hovercraft aus der Ära. Der Natospitzname der Lun-Klasse lautet "Ente".

Verfall der UdSSR stoppte das Projekt

MD-160 wurde ab 1986 gebaut. Die Lun-Klasse ist die kleine Schwester eines älteren Modells, des "Kaspischen Seeungeheuers", das allerdings 1980 bei einem Unfall verloren ging. Der Antrieb erfolgte durch acht Turbofan-Triebwerke, die auf den Stummelflügeln montiert sind. Zusammen mit den Startern der Raketen geben sie der Lun-Klasse das charakteristische Aussehen.

Bewaffnet war MD-160 mit sechs P-270 Moskit-Schiffsabwehrraketen. Als sie in Dienst gestellt wurden, gab es keine Möglichkeit diese Flugkörper abzufangen. Mit konventionellem Sprengkopf sollte ein Treffer einen Zerstörer oder Kreuzer vernichten. Die nukleare Variante hätte eine ganze Flugzeugträgergruppe zerstört.

Mit Ausrüstung wiegt das Flugzeug 380 Tonnen, die Länge beträgt 73,3 Meter. Die "Ente" konnte 550 Km/h erreichen, die Reichweite liegt bei 2000 Kilometern.

Doch kurz nachdem MD-160 1991 fertiggestellt wurde, ging die Sowjetunion unter. Damit endete auch die Entwicklung der Lun-Klasse. Ein zweites in Bau befindliches Modell sollte ohne Bewaffnung fertiggestellt werden. Es gab Ideen, die beiden Exemplare als Rettungsflugzeug oder als mobiles Hospital umzubauen.

Letzte Reise mit Schlepper

Regelmäßig tauchen in Russland Pläne für neue große Ekranoplane auf. Modelle, die zusätzlich auch in großer Höhe fliegen können. Den Bodeneffekt kann man wegen der zerstörerischen Wirkung der Luftwalze nur über Wasser nutzen. Für Russland wäre ein Einsatz in der Arktis interessant, doch eigentlich wäre es ein Exportprojekt für pazifische Inselstaaten.

Unklar ist, ob diese Ekranoplane je gebaut werden, doch wenigstens wird das einzige bewaffnete Boot der Lun-Klasse nun in einem Museum in Dagestan erhalten. Flugfähig ist es schon lange nicht mehr, auf der letzten Reise wurde es von einem Schlepper gezogen.

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