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US-Beschaffungsskandal: US-Militär soll 240.000 Dollar für Spielzeug-Drohnen ausgegeben haben

Die Maveric Microdrone ist nur so groß wie ein Vogel und soll für das US-Militär den Gegner ausspähen. Für eine Viertelmillion leistet sie aber nicht mehr als eine Hobby-Drohne, die man für 5000 Dollar bei Amazon kaufen kann.


Die Drone sieht aus wie ein Vogel und der Soldat startet sie wie ein Falkner.

Die Drone sieht aus wie ein Vogel und der Soldat startet sie wie ein Falkner.

Es ist bekannt, dass das Militär gern etwas mehr Geld für Dinge ausgibt, die weniger leisten, als man eigentlich gedacht hat. In Deutschland wäre ein Marine-Hubschrauber zu nennen, der nicht über offener See fliegen darf, oder eine Überwachungs-Drohne, die bei kühlem Wetter auf dem Boden bleiben muss.

Nun hat es das US-Militär erwischt: Das Technik-Magazin von Vice Motherboard berichtet von einem skurrilen Rechtsstreit zwischen zwei Drohnen-Herstellern. Condor Aerial wirft dem Militärzulieferer Prioria Robotics vor, die technischen Daten seiner Überwachungsdrohne frisiert zu haben und dem Militär obendrein gebrauchte Drohnen als Neuware untergejubelt zu haben.

Der Streit geht um das Prioria Flaggschiff Maveric Microdrone. Dabei handelt es sich nicht um eine der bewaffneten Riesendrohnen, sondern um eine kleine Beobachtungsdrohne zur taktischen Überwachung des Gefechtsfeldes. Mit nur 1,5 Kilogramm Gewicht und einer Spannweite von etwa 75 Zentimetern kann die Microdrone leicht transportiert werden. Größe und Form sind so ausgelegt, dass sie vom Boden aus kaum von einem großen Vogel zu unterscheiden ist. Neuere Modelle schlagen sogar mit den Flügeln, um sich besser zu tarnen. Gestartet wird der fliegende Spion von Hand oder aus einem Startrohr mit eingeklappten Flügeln.

 Das Modell kostet 240.000 Dollar pro Stück. Ein stolzer Preis, denn schon ein Blick auf die Videos der Drohne zeigen, dass sie nur mit einer recht gewöhnlichen Kamera ausgerüstet ist. Teure Stör- oder Überwachungselektronik ist bei diesen Mini-Drohnen ohnehin nicht an Bord.

 Der Streit zwischen Condor Aerial und Prioria Robotics entstand, weil Condor zivile Versionen der Militärdrohnen vertreiben sollte, aber feststellen musste, dass die Modelle die versprochenen Leistungen nicht erbrachten und nicht konkurrenzfähig waren. So heißt es zumindest in der Klage.

Dort führt Condor auf: Die Maveric-Drohne würde "in vielerlei Hinsicht Techniken nutzen und Eigenschaften besitzen, die vergleichbar sind mit (Drohnen) wie man sie bei Amazon oder bei Angeboten der Hobby-Industrie finden könne. Tatsächlich bieten einige Hobbymodelle … eine längere Flugdauer und eine besser auflösende Kamera für unter 5000 Dollar an als das (Maveric) System."

 Prioria Robotics hat bislang nicht Stellung zu der Klage genommen. Es ist also nicht entschieden, ob hier ein Konkurrent nur rufschädigende Gerüchte verbreitet, oder ob das Militär einfach das Fünfzigfache im Vergleich zu einer Drohne aus dem Elektronikmarkt ausgegeben hat, weil das Spielzeug in Camouflage lackiert wurde.