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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: "Woran erkenne ich, dass mein Mann heimlich ins Bordell geht?"

Monicas Mann hat neue, osteuropäische Geschäftsfreunde - und hat sich sehr verändert. Sie fürchtet, dass die Männer gemeinsam ins Bordell gehen. Wie soll sie das Thema ansprechen - und wie erkennt sie, wenn ihr Lügen aufgetischt werden?

Bordell: Geht mein Mann in den Puff?

heimliche Bordellbesuche? Wie kann man das herausfinden?

Sehr geehrte Frau Dr. Peirano,

mein Mann und ich sind seit 20 Jahren verheiratet und haben drei Kinder. In den letzten zwei Jahren hat er sich sehr zu seinen Ungunsten verändert. Er hat eine Im-und Exportfirma, und seit 2015 ist seine Firma in den osteuropäischen Markt (Ukraine, Weißrussland, Bulgarien, Polen) expandiert. Seine Geschäftspartner in diesen Ländern sind furchtbare Proleten und Chauvinisten. Es geht um schnelle Autos, dicke Uhren, Sprüche-Klopfen, Essen und viel Alkohol. Insbesondere sein "neues" Frauenbild stößt mich ab. Es erinnert mich stark an Donald Trump und seine Frau Melania. Während mein Mann früher gebildete Frauen mochte (ich habe Kunstgeschichte studiert, auch unsere früheren Freunde waren überwiegend Akademiker), so sind mittlerweile 25-jährige Bikini-Modells sein Ideal.

Vor einiger Zeit habe ich die Frau seines deutschen Geschäftspartners gesprochen (sie teilt meine Ansichten über den schlechten Einfluss der Osteuropäer), und sie meinte, dass bei den Geschäftsreisen Bordellbesuche bestimmt an der Tagesordnung seien. Seitdem lässt mich der Gedanke nicht mehr los, dass mein Mann sich im Rotlichtmilieu vergnügen könnte. Ich habe ihn bisher nicht darauf angesprochen, er würde mir bestimmt nicht die Wahrheit sagen. Dennoch möchte ich es gerne herausfinden, denn es wäre ein klarer Trennungsgrund. Ich bin Feministin und immer gegen Prostitution gewesen, weil es Frauen diskriminiert. Und ich möchte mit keinem Mann zusammen sein, der mich mit Prostituierten betrügt. Die Vorstellung ekelt mich an. Ich würde auch meinen Töchtern zuliebe gehen, damit die nicht bei einem Vater aufwachsen, der sich mit Bikini-Models und Escort-Girls herumtreibt.

Ich habe keinerlei Handhabe, um etwas herauszufinden. Die Geschäftsfreunde schweigen natürlich alle eisern. Und natürlich gibt es keine dementsprechenden Emails, oder Filme in seinem Computer, schließlich hat er keine Affäre, sondern geht (vermutlich) zu Prostituierten. Wie kann ich erkennen, ob mein Mann mich anlügt und hintergeht?

Vielleicht haben Sie eine Anleitung für mich?

Viele Grüße, Monica F.

Liebe Monica F.,

ich kann verstehen, dass Ihnen die Veränderung Ihres Mannes große Sorgen bereitet. Er scheint Ihnen seit einigen Jahren sehr fremd geworden zu sein, und zwar in dem Maße, dass Sie nicht die Basis haben, um ihn direkt auf seine Erlebnisse bei seinen Reisen ansprechen zu können.

Es klingt für mich so, als wenn es für Sie sehr wichtig ist, dass Sie wissen, woran Sie sind, und dass niemand Ihnen etwas vormacht, vor allem Ihr Mann nicht. Sie möchten Ihrer Wahrnehmung trauen, und es stört und verletzt Sie immens, dass Ihr Mann anscheinend wichtige Bereiche seines Lebens unter Verschluss hält. Sie wissen nicht mehr, was in ihm vorgeht. Dazu kommt, dass er möglicherweise etwas macht, das mit Ihren moralischen Werten nicht zu vereinen ist und Ihren menschlichen und feministischen Ansichten aufs Äußerste widerspricht. Ich frage mich zwar, auf welcher Grundlage Sie mit Ihrem Mann weiterleben möchten, wenn er nicht in war. Aber auf jeden Fall liegt Ihnen viel daran, überhaupt herauszufinden, was er macht, damit Sie Ihrerseits Konsequenzen daraus ziehen können.

Ich habe für Ihre Fragestellung das Expertenwissen von Michael Kirchhoff hinzugezogen (www.persoenlichkeitsscout.de), der sich intensiv mit Lügenerkennung beschäftigt hat. Die folgende Anleitung stammt von ihm. Er sagte, dass man Lügen grob unterteilt auf zwei Arten erkennen könne: Durch das Lesen der Signal, die ein Mensch aussendet, und durch gezielte Fragen und Interaktion. In Ihrem Fall wäre das Fragen schwierig, weil Sie einer Anklage gleichkommen. Ihr Mann könnte einen Gegenangriff wagen, wenn Sie ihn auf Ihren Verdacht ansprechen. Geschickter wäre folgendes: Erzählen Sie ihm beiläufig, dass Sie vor einer Weile im Fernsehen einen spannenden Bericht über Bordelle in Russland und Polen gesehen haben.

Achten Sie dabei genau auf seine Körperhaltung und Gestik. Ihr Satz an sich ist unverfänglich (Sie haben ja nur ferngesehen und bieten ein Thema an), aber er enthält Schlüsselinformationen, die für Ihren Mann bedrohlich wirken können (wenn er nämlich tatsächlich in einem Bordell war). In diesem Fall würde er sich ertappt fühlen, und sein Körper würde unbewusst auf Stress und die subjektiv empfundene Gefahr mit Angriff, Starre oder Flucht reagieren. Im ersten Moment frieren für einen kurzen Moment die Bewegungen ein, und das Gesicht zeigt häufig einen flüchtigen Ausdruck von Angst. Die Augen werden größer, die Mundwinkel angespannt. In der Folge können Sie auf die Füße achten, die in den seltensten Fällen bewusst kontrolliert werden. Oft zeigt ein Fuß in Richtung Ausgang, was für Fluchtverhalten steht.


Möglich ist aber auch, dass Ihr Mann im aggressiv reagiert (Stimme wird lauter, höher und schneller, er macht ein "Zorngesicht"). Auch dieses kann als Indiz gedeutet werden, denn Sie haben ihm ja keinen Vorwurf gemacht. Nur sein Unbewusstes ergänzt automatisch den Vorwurf.

Oft nimmt beim Erzählen einer Lüge die untermalende Gestik ab. Ein weiteres Indiz kann sein, dass er viele oder lange Pausen beim Sprechen macht oder auf ein anderes Thema ablenkt. Wenn alle diese Zeichen auftauchen, können Sie sicher sein, dass Ihr Partner bei dem Gespräch über das Thema "Bordelle" massiven Stress empfindet. Es ist natürlich kein Beweis, dass er lügt und wirklich in einem Bordell war, aber vieles spricht dafür.


Nach der ersten Reaktion Ihres Partners können Sie dann eine unverfängliche Geschichte erzählen und sagen, dass Sie beim Sehen des Filmes solches Mitgefühl mit den Frauen haben. Sollte Ihr Partner Erleichterung zeigen, dass Sie nicht weiter nachfragen, ist dies ein weiteres Indiz dafür, dass die Situation ihm extrem unangenehm war.

So sähe das Vorgehen bei der Lügenerkennung aus. Es kann Ihnen bestimmt helfen, Ihrer eigenen Wahrnehmung wieder zu trauen. Dennoch scheint es um Ihre Ehe wirklich kritisch zu stehen, wenn das Vertrauen bereits so gebrochen ist. Vielleicht wäre es doch angebracht, dass Sie mit Ihrem Mann darüber sprechen, wie entfernt Sie sich von ihm fühlen und ob die Ehe so noch Bestand hat.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Klarheit finden

Herzliche Grüße, Julia Peirano 

Kommentare (6)

  • Bootney Farnsworth
    Bootney Farnsworth
    Die Überschrift sagt doch schon alles. "Woran erkenne ich dass mein Mann heimlich ins Bordell geht?" Ob er ins Bordell scheint nicht in Frage zu stehen, obwohl sie seine E-Mails, SMS etc. ohne Befund durchstöbert haben. Sie sind es, die den Partner hintergeht. Ein Gespräch lehnen sie ab, weil er ja sowieso lügen würde. Toll; so kann natürlich niemand ihre Unterstellung widerlegen.
  • Corwin
    Corwin
    "Ich frage mich zwar, auf welcher Grundlage Sie mit Ihrem Mann weiterleben möchten, wenn er nicht in Bordellen war."
    Dieser Satz von Frau Peirano beschreibt in meinen Augen das eigentliche Problem treffend. Vordergründig geht es um das Verhalten des Mannes, wenn er abwesend ist. Die Situation, wenn er anwesend ist, ist in meinen Augen wesentlich kritischer: Kommunikationsprobleme, Verhaltensänderungen (Midlifecrisis?), Misstrauen und Kontrolle, möglicherweise unterschiedliche, nicht aufgearbeitete Lebensanschauungen und nicht zuletzt die Bereitschaft, dem Vater die Töchter zu entziehen, wenn er sich nicht der Mutter gegenüber genehm verhält......
    Ich sehe, dass in Monicas Ehe massive Schwierigkeiten bestehen, fürchte aber, dass ein (mögliches) Symptom zur Ursache erklärt wird. Da gibt es eine ganze Menge mehr zu klären als die Fragen, die ein Detektiv beantworten könnte. Und es könnte weh tun, das anzugehen, denn eingefahrene Reflexe zu ändern ist Schwerarbeit. Aber je früher man damit beginnt, umso grösser sind die Chancen für eine gemeinsame Lösung. wenn sie denn überhaupt gewünscht ist.
  • Holunder
    Holunder
    Ich bin ziemlich befremdet über die Empfehlungen von Frau Peirano, die sich nur darum drehen, wie man den Ehemann der Lüge überführen kann, nachdem die Ehefrau bereits erfolglos PC und Smartphone durchschnüffelt hat. Ich lese gelegentlich diesen Blog und bin meisten weitgehend einverstanden mit den Ratschlägen, aber das hier finde ich einfach unmöglich.
    Was die Faktenlage angeht ist es die Ehefrau, die hier betrügt (wenn auch nicht in Sachen Sex) und nicht ihr Mann. Wenn ein Paar, das seit 20 Jahren verheiratet ist, in die oben beschriebene Ausgangslage gerät - Frau fühlt sich nicht mehr mit Respekt behandelt und kann das nicht in einem Gespräch klären - dann haben die beiden ein ganz anderes Problem. Die Ratschläge von Frau Peirano fachen dann höchstens den Konflikt noch richtig an.

    Übrigens sind die Osteuropäer, mit denen ich gelegentlich zu tun habe, ausnahmslos sehr gebildete, freundliche, kultivierte und humorvolle Menschen. Das nur, um das Vorurteil mal ein wenig in Frage zu stellen.
  • Snoopy01
    Snoopy01
    Auch ich bin vollkommen irritiert über diesen Artikel. Ich habe nirgendwo einen Hinweis gefunden, dass die Fragestellerin es mal mit einem Gespräch versucht hätte. Sie müsste ihm ja nicht gleich ihren Verdacht um die Ohren hauen. Sie könnte ihm z.B. sagen, dass er sich ihrer Meinung nach zu seinem Nachteil verändert hat und sie sich deswegen um ihn und um die Beziehung sorgt. Einen solchen Rat hätte ich von Frau Peirano erwartet, aber nicht diese halbseidenen Tipps zum Thema "Wie mutiere ich zum Lügendetektor?".

    Die Fragestellerin hat alle Register gezogen (SMS, Computer, Ehefrau des Kollegen usw.) und bastelt sich ein Bild ihres Mannes zurecht, dass aufgrund ihrer Verhaltensweise zwangsläufig so schlecht ausfallen MUSS. Ein Gespräch, in dem sie ihrem Mann ihre Ängste schildert, ohne ihm gleich Vorwürfe zu machen, wäre meiner Meinung nach viel hilfreicher und hätte der erste Schritt VOR allen anderen Maßnahmen der Fragestellerin sein sollen.

    Ich habe den Eindruck, dass nicht nur das eventuelle Fremdgehen an sich ein Problem für die Fragestellerin ist, sondern auch der plötzliche Kontrollverlust.
  • dcmal
    dcmal
    Dieser Artikel hat mich dermaßen entsetzt, dass ich mich tatsächlich gleich mal registriert habe, um einen Kommentar abzugeben.

    Erstens hätte die Einsendung wenigstens dahingehend redigiert werden sollen, dass die unterschwelligen Andeutungen über osteuropäisches Geschäftsgebaren (dicke Uhren, teure Autos, Bordellbesuche) entfielen.

    Zweitens wäre es sicher hilfreich gewesen, der Einsenderin einmal zu spiegeln, worawuf sie eigentlich den doch recht starken Vorwurf des Fremdgehens und der Bordellbesuche stützt. Dicke Uhren, schnelle Autos oder das "Ideal" eines 25-jährigen Bikinimodels hört sich eher nach Midlife Crisis an. und hat jedenfalls mit Bordellen nichts zu tun. Dass das hier von Frau Peirano so stehengelassen wird, finde ich überraschend.
    Geht denn der Fremdgeh-/Bordellbesuchsverdacht nur auf dicke Uhren, teure Autos und den Kommentar einer Kollegengattin zurück? Wie sieht es denn bei der Fragestellerin bzgl. Zärtlichkeit, gemeinsamen Unternehmungen und im Bett aus? Die Fragestellerin sagt, sie erwartet in dieser Sache keine Ehrlichkeit von ihrem Mann. Die Einsendung suggeriert, dass die Fragestellerin bereits eisern schweigende Geschäftsfreunde ausgehorcht und das Handy und den Computer nach etwaigen Nachrichten durchsucht hat, aber aus deren Abwesenheit keine Beruhigung schöpft.

    Wie Frau Peirano ja auch schreibt, sind das doch eher Indizien dafür, dass hier etwas unterschwellig in der Partnerschaft nicht mehr stimmt (nicht ungewöhnlich nach drei Kindern und 20 Jahren) und Klärungsbedarf besteht. Leider beschäftigt sich der Hauptteil von Frau Peiranos Kommentar mit einer lächerlichen "Lügenerkennungstechnik", mit der sich letztendlich gar nichts erkennen ließe. (Was, wenn der Bordellbesuch oder ähnliches eine heimliche Fantasie des Mannes wäre, die er aber verständlicherweise vor seiner Frau geheimhalten will?)

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