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Bußgelder in Europa: Kein Pardon für Verkehrssünder

Die Bußgelder für Verkehrssünden sind im Ausland fast immer deutlich höher als in Deutschland: So kann Alkohol am Steuer schon mal mit 7200 Euro bestraft werden. Was man wo besser nicht tun sollte - stern.de bietet den Überblick.

Von Karin Spitra

Vorbei die Zeiten, wo man im Urlaub bei kleineren Verkehrsdelikten beruhigt sündigen durfte: Spätestens im kommenden Jahr werden diese Bußgelder aus dem Ausland - wenn sie höher als 70 Euro sind - auch von deutschen Behörden vollstreckt. Bis März 2007 muss ein diesbezüglicher Rahmenbeschluss der EU von den Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt worden sein. Selbstverständlich sind Verkehrsvorschriften im Ausland zu beachten, und Verkehrssünder sollen zur Verantwortung gezogen werden. Nach Ansicht des Automobilclubs ADAC ist das europäische Verkehrs- und Verfahrensrecht jedoch so uneinheitlich, dass diese EU-Maßnahme häufig ein "Freibrief zum Abkassieren deutscher Autofahrer" bleiben wird. Das mit dem Inkasso betraute Heimatland, das die Geldbuße auch behalten darf, prüft nämlich den Fall rechtlich nicht mehr, es wird nur vollstreckt.

Hohe Bußgelder trüben Urlaubsstimmung

Dabei sind im Ausland die Bußgelder für Verkehrssünden fast immer deutlich höher als daheim. Bis zu 7200 Euro für Alkohol am Steuer, 300 Euro für nur 20 Stundenkilometer zu schnell oder 200 Euro für das übersehene Rotlicht - solche Strafen sind keineswegs ungewöhnlich. Wichtig ist deshalb die Kenntnis der zum Teil höchst individuellen Verkehrsregeln des Gastlandes. Diese findet man beispielsweise auf den Web-Seiten der Autoclubs.

Besondere Spielregeln gelten auch bei Unfällen: In vielen Ländern kommt die Polizei nicht immer zum Unfallort. In jedem Fall empfiehlt es sich, die Notrufnummer ins Handy zu tippen, wenn es Verletzte gibt, bei hohem Sachschaden, wenn Streit mit dem Kontrahenten über die Schuld ausbricht, wenn der Unfallgegner sich unerlaubt von der Unfallstelle entfernt hat oder wenn ein Fahrzeug mit ausländischem Kennzeichen ohne Versicherungsnachweis beteiligt ist. Auf jeden Fall sollte der Autofahrer versuchen, den Unfall polizeilich aufnehmen zu lassen, denn ohne diesen Schritt geht es bei bei ausländischen Versicherungen gar nicht weiter. Soll ein Unfallformular ausgefüllt werden, obwohl es Sprachprobleme gibt, sollte außerdem unbedingt vermerkt werden, dass nicht alles verstanden wurde - das erleichtert spätere Verfahren.

Dänemark

Alkohol am Steuer

Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Die Berechnung der Strafe erfolgt nach einer strengen Formel: Promille mal Monatseinkommen ist gleich Höhe des Bußgeldes - mindestens aber 540 Euro.

Zu schnell unterwegs

Das Tempolimit auf Landstraßen lautet 80 km/H, auf Autobahnen 130 km/H. Wer dies um 20 Stundenkilometer übertritt latzt zwischen 70 und 270 Euro.

Rote Ampel

In Dänemark sollte spätestens bei Geld jeder auf der Bremse stehen. Wer bei Rot über die Ampel rollt, riskiert 135 bis 200 Euro Strafe.

Überholen

Wer sich nicht ans Überholverbot hält, sollte 140 Euro für die Strafe übrig haben.

Knöllchen

Meist sind beim Parken Parkscheiben vorgeschrieben. Wer glaubt, ohne auszukommen, riskiert 70 Euro.

Landestypische Eigenheit

Auch am Tag muss mit Licht gefahren werden, ein Verstoß kostet 70 Euro. Wer mit einem Handy am Ohr erwischt wird, muss 67 Euro zahlen. Und Radarwarngeräte in Autos sind generell verboten

Frankreich

Alkohol am Steuer

Die Promillegrenze liegt bei 0,5 - wie in Deutschland auch. Wer betrunken am Steuer erwischt wird, muss mindestens 750 Euro zahlen.

Zu schnell unterwegs

In einigen Ländern muss der Verkehrssünder zusätzlich zur drastischen Geldstrafe auch noch seinen Führerschein abgeben, und zwar an Ort und Stelle. Unsere französischen Nachbarn behalten die Fahrerlaubnis beispielsweise ein, wenn man 30 Stundenkilometer zu schnell fährt. Bei einer Übertretung von "nur" 20 km/h beträgt die Strafe 90 Euro.

Rote Ampel

Wer bei Rot unterwegs war, muss mit 90 Euro rechnen.

Überholen

Wer es trotz Verbot wagt, muss 90 Euro zahlen.

Knöllchen

In der "blauen Zone" darf nur mit Parkscheibe geparkt werden. Ein gelb unterbrochener Streifen am Fahrbahnrand bedeutet Parkverbot, ein gelb durchgezogener Streifen steht für Halteverbot. Wer sich nicht daran hält, riskiert mindestens zehn Euro. Doch Vorsicht: es kann auch deutlich teurer werden. Zur Durchsetzung der Parkstrafen greift man in Touristenorten bei Autos mit ausländischem Kennzeichen gerne gleich zur Parkkralle.

Landestypische Eigenheit

Wer seinen Führerschein seit weniger als zwei Jahren hat, muss langsam fahren: Das bedeutet eine Geschwindigkeit von außerorts 80 km/h - auf Autobahnen von nur 100 km/h. Im Tunnel oder bei Regen- und Schneefall muss mit Licht gefahren werden. Wer am Steuer telefoniert bezahlt mindestens 22 Euro.

Italien

Alkohol am Steuer

Auch hier liegt die Promillegrenze bei vertrauten 0,5. Wer mehr getankt hat, zahlt ab 260 Euro.

Zu schnell unterwegs

Zu schnell ist nicht gut: Wer 20 km/h zu schnell fährt, bekommt eine Strafe von 140 Euro aufgebrummt. Wer die Geschwindigkeitsbegrenzung um 40 Kilometer überschreitet, dessen Fahrerlaubnis ist futsch.

Rote Ampel

Wer diese überfährt zahlt 140 Euro.

Überholen

Wer es trotz Verbotes tut, wird mit mindestens 70 Euro bestraft.

Knöllchen

Grüne Linien an Straßenrand signalisieren ein zeitlich begrenztes Parkverbot an Werktagen zwischen 8.00 und 9.30 sowie 14.30 udn 16.00 Uhr. Ein blauer Bordsteinstreifen weist auf gebührenpflichtiges Parken hin, schwarz-gelbe Bordsteinstreifen bedeutet Parkverbot. Das billigste Knöllchen kostet 35 Euro.

Landestypische Eigenheit

Ohne Warnweste - pro Autoinsassen - sollte sie nicht einreisen, sonst kostet es gleich 33 Euro Bußgeld. Genau soviel kostet auch das Fahren ohne Licht außerhalb geschlossener Ortschaften und auf Autobahnen. Wer ohne Freisprecheinrichtung am Steuer telefoniert, riskiert 71 Euro.

Niederlande

Alkohol am Steuer

Die Promillegrenze liegt bei vertrauten 0,5. Wer mehr im Blut hat, zahlt ab 190 Euro.

Zu schnell unterwegs

Auch die Niederländer mögen's langsamer. Auf Autobahnen gilt 120 km/h, auf Landstraßen nur 80 km/h. Wer 20 Stundenkilometer zu schnell unterwegs ist, muss 70 Euro zahlen. Da Deutsche als "rasante" Faher gelten, werden sie auch gerne kontrolliert. Je schneller gefahren wird, desto höher die Strafe.

Rote Ampel

Wer über eine rote Ampel rollt, muss mit 95 Euro Strafe rechnen.

Überholen

Wer sich nicht ans Überholverbot hält, wird mit 95 Euro Bußgeld belegt.

Knöllchen

Hier ist man ab 45 Euro dabei.

Landestypische Eigenheit

Anders als in Deutschland, sind Fahrräder in Holland völlig akzeptierte Fortbewegungsmittel. Radfahrer dürfen nebeneinander fahren und sollte mehr beachtet werden, da sie auch ein wenig sorglos unterwegs sind. Ärger mit einem niederländischen Radfahrer bedeutet immer auch Ärger für den betroffenen Autofahrer.

Österreich

Alkohol am Steuer

Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Wer betrunken erwischt wird, zahlt mindestens 220 Euro, bei mehr als 0,8 Promille wird auch der Führerschein temporär eingezogen.

Zu schnell unterwegs

In Österreich geht alles ein bisschen langsamer, das gilt auch fürs Tempolimit. Auf Landstraßen liegt dies bei 100 km/h, auf Autobahnen bei 130 km/h. Schon wer nur 20 Stundenkilometer zu schnell ist, riskiert bis zu 55 Euro. Ab einer Übertretung von 40 km/h ist der Führerschein futsch.

Rote Ampel

Diese Ampeln sind ein Sonderfall: Bevor eine Ampel auf Gelb schaltet, blinkt sie erst vier Mal Grün. Die Ausrede, "war doch noch Gelb" lassen österreichische Polizisten deshalb auch nicht gelten. Außerdem ist die Gelbphase viel kürzer als in Deutschland, bei Rot sollte also jeder stehen - oder bis zu 145 Euro zahlen.

Überholen

Wie in den USA und Kanada dürfen Schulbusse mit eingeschalteter Warnblinkanlage und gelb-roter Warnleuchte nicht überholt werden. Bis 80 Metern vor und nach Bahnübergängen herrscht absolutes Überholverbot, wer es trotzdem tut, kann eine Strafe bis zu 145 Euro ausfassen.

Knöllchen

Die meisten Kurzparkzonen sind kostenpflichtig. Gelbe Zick-Zack-Linien auf der Fahrbahn bedeuten ein Parkverbot. Knöllichen der österreichischen Nachbarn werden übrigens in Deutschland vollstreckt - bereits ab einer Summe von zehn Euro.

Landestypische Eigenheit

Alle Autobahnen des Landes sind Maut-pflichtig, wer ohne gültige Vignette erwischt wird, muss sofort 120 Euro zahlen - plus den Kosten fürs "Maut-Pickerl". Tagsüber ohne Licht? Das macht 38 Euro. Und das Telefonat am Steuer kostet ab 25 Euro.

Polen

Alkohol am Steuer

Achtung: In Polen liegt die Promillegrenze bei 0,2. Wer mit mehr Alkohol im Blut erwischt wird, muss bis zu 1200 Euro zahlen.

Zu schnell unterwegs

Zwischen 23.00 und 5.00 Uhr darf mit 60, statt der üblichen 50 km/h gefahren werden. Wer dann immer noch 20 Stundenkilometer zu schnell ist wird mit mindestens 20 Euro bestraft.

Rote Ampel

Vergleichsweise billig ist diese Übertreung: Die Polizei kassiert für einen Rotlichtverstoß ab 20 Euro.

Überholen

Auch hier sind mindestens 20 Euro fällig.

Knöllchen

Wer in einem absoluten Halteverbot steht, wird sofort abgeschleppt. Sonst kosten Knöllchen ab 25 Euro.

Landestypische Eigenheit

Bei Unfällen ist grundsätzlich die Polizei zu holen, im Bereich von Kreuzungen darf nicht überholt werden und über die kalte Jahreszeit (1. Oktober bis 28. Februar) gilt eine 24-stündige Lichtpflicht. Telefonieren am Steuer schlägt mit 45 Euro zu Buche.

Spanien

Alkohol am Steuer

Die Promillegrenze liegt bei 0,5 - wer mehr im Blut hat zahlt mindestens 300 Euro. Je mehr man "getankt" hat, desto teurer wird es.

Zu schnell unterwegs

Auf spanischen Schnellstraßen gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 km/h. Wer diese um 20 Stundenkilometer überschreitet, wird um bis zu 300 Euro erleichtert. Auch hier gilt: je schnellter, desto teurer.

Rote Ampel

Das Überfahren einer roten Ampel kostet 90 bis 300 Euro.

Überholen

Ein Überholverbot in Spanien zu missachten ist in Spanien teuer und kann von 90 bis zu 300 Euro kosten.

Knöllchen

Wer sein Auto im Parkverbot abstellt, muss mit Strafen bis zu 90 Euro rechnen.

Landestypische Eigenheit

Auch in Spanien ist bei einem Unfall das Tragen der Warnweste Pflicht - ein Verstß wird mit 91 Euro bestraft. Genau so viel kostet übrigens auch das Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung.

Tschechien

Alkohol am Steuer

In Tschechien gilt die 0,00 Promillgrenze - es wird überhaupt kein Alkohol am Steuer toleriert. Wer also angetrunken erwischt wird, dem droht eine Strafe ab 450 Euro. Und wer die Untersuchung auf Alkohol in der Atemluft oder im Blut verweigert, riskiert eine Strafe von 500 Euro.

Zu schnell unterwegs

Ab 20 km/h Geschindigkeitsübertretung wird gestraft, der niedrigste Satz beginnt bei 60 Euro - und kann schnell bei der Höchststrafe von 17.500 Euro enden.

Rote Ampel

Über eine rote Ampel zu fahren kostet 60 Euro.

Überholen

Unmittelbar vor und nach einem Fußgängerübergang gilt ein absolutes Überholverbot. Wer sich nicht daran hält, muss mindestens 15 Euro zahlen.

Knöllchen

Ein gelb unterbrochener Streifen am Fahrbahnrand oder eine blaue Markierung auf der Fahrbahn signalisieren ein Parkverbot. Ein Knöllchen kostet mindestens 15 Euro.

Landestypische Eigenheit

Bei Pkws ohne Xenon-Scheinwerfer müssen Ersatz-Glühbirnen mitgeführt werden. Vom 1. Oktober bis zum 31. März gilt eine 24-stündige Lichtpflicht, dafür kostet ein Telefonat am Steuer "nur" 34 Euro. Auch in Tschechien herrscht Vignettenpflicht - seit dem 1.7.2006 wurde die Strafe dafür drastisch erhöht: Wer ohne auf der Autobahn erwischt wird, muss umgerechnet rund 17.500 Euro Strafe zahlen.

Handy am Steuer? Die "Europa-Preisliste"

In manchen Ländern ohne ausdrückliches Handy-Verbot (z.B. Schweden) drohen erhebliche Bußen, wenn der telefonierende Autofahrer in einen Unfall verwickelt wird, den Verkehr gefährdet oder unsicher fährt.

Auf einen Blick: Verkehrssünden im Ausland

Ähnliche Strafen wie für Alkohol werden in vielen Ländern auch bei Drogen am Steuer verhängt. In schweren Fällen sind auch Führerscheinentzug und sogar Haftstrafen möglich

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