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China Scheidungsverfahren: Mann muss Ehefrau 6400 Euro Entschädigung für Hausarbeit zahlen

Ein Mann putzt in Gummihandschuhen Fliesenboden in einer Wohnung
Die Entschädigung entspricht einem "Monatsgehalt" von 106 Euro
© Monika Skolimowska / DPA
Hausarbeit ist vor allem eines: Arbeit. Und die will bezahlt werden. Laut dem Urteil eines Pekinger Scheidungsgerichts, muss ein Mann seiner baldigen Ex-Frau für fünf Jahre Hausarbeit und Kinderbetreuung rund 6400 Euro Entschädigung zahlen.

Laut dem Urteil eines Scheidungsgericht in Peking muss ein Mann seiner Noch-Ehefrau umgerechnet 6386 Euro zahlen, um sie für fünf Jahre Hausarbeit zu entschädigen. Medienberichten zufolge löste das Grundsatzurteil eine Online-Debatte über den Wert von Hausarbeit aus – einige seien der Meinung gewesen, dass die Entschädigung zu gering ausgefallen sei. Grundlage für den Gerichtsentscheid ist ein neues Zivilgesetzbuch in China.

Hausarbeit sei "immaterieller Vermögenswert"

Dem "Guardian" nach hatte das Paar 2015 geheiratet, sich jedoch drei Jahre später wieder getrennt. Der gemeinsame Sohn soll bei der Frau gelebt haben. Im vergangenen Jahr habe der Mann schließlich die Scheidung eingereicht. Zunächst habe seine Frau gezögert, später jedoch einen finanziellen Ausgleich für ihre Hausarbeit gefordert – ihr Mann habe sie weder beim Führen des Haushalts noch bei der Kinderbetreuung unterstützt. Das sah das Gericht offenbar genauso: Zusätzlich zu der einmaligen Zahlung von 50.000 Yuan soll der Mann umgerechnet rund 255 Euro Unterhalt im Monat zahlen.

Laut "BBC" sagte der vorsitzende Richter Reportern am Montag, dass im Fall einer Scheidung für gewöhnlich der materielle Besitz des Paares aufgeteilt werde. Hausarbeit stelle jedoch einen immateriellen Vermögenswert dar. Dem dieses Jahr in Kraft getretenen neuen Zivilgesetz nach, hat ein Ehepartner das Recht auf finanziellen Ausgleich, wenn er mehr Verantwortung bei der Kindererziehung, der Pflege älterer Angehöriger und der Unterstützung des Partners bei der Arbeit getragen hat. Zuvor habe ein solcher Anspruch nur durch einen Ehevertrag geregelt werden können. Wenn sich die Eheleute nicht über eine Summe einigen können, werde das Gericht die Entschädigung festlegen.

Diskussion in sozialen Medien

In den sozialen Medien habe das Urteil eine hitzige Debatte ausgelöst. Laut "BBC" wurde ein entsprechender Hashtag auf der Mikroblogging-Plattform Weibo mehr als 570 Millionen Mal aufgerufen. Diskutiert worden sei über die angeblich geringe Entschädigung und die Rolle des Mannes im Haushalt. Nach Informationen des "Guardian" zeigen offizielle Daten, dass verheiratete Frauen in China 2016 doppelt so viel Zeit mit der Hausarbeit verbrachten als Männer. Außerdem hätten 94 Prozent der mehr als 427.000 Teilnehmer einer Online-Umfrage die Entschädigung befürwortet, jedoch als zu gering eingestuft.

Quellen: "BBC"; "The Guardian"; "CNBC"

yks

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