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EU-Kommission: Steaks und Hähnchen werden teurer

Erst Brot und Milch, nun Fleisch: Für die Verbraucher zeichnet sich ein neuer Preisschub ab. Fleisch in Europa wird nach Einschätzung der EU-Kommission wesentlich teurer - Schwein bis zu 30 Prozent.

"Wir haben die Konsequenzen für Fleisch aus den gestiegenen Getreidepreisen noch nicht gesehen", sagte EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel der "Financial Times Deutschland" (FTD). "Aber es ist offensichtlich, dass man bei Geflügel die Preise steigen sehen sollte. Auch bei Schweinefleisch." Bei Lebensmitteln zeichnet sich damit ein neuer Preisschock für die Verbraucher ab, von dem allerdings Erzeuger und Handel profitieren dürften. Schon im August hatten teurere Milch und Milchprodukte die Konsumenten aufgeschreckt. Derzeit stehen die steigenden Preise für Weizen, Gerste und Mais im Mittelpunkt. Das könnte unter anderem Auswirkungen auf Brot und Bier haben.

Teures Federvieh

Fischer Boel sagte, besonders der Preis von Hühnerfleisch wäre betroffen, weil die Produktion "sehr getreideintensiv" sei. Sollten die Getreidepreise auf dem derzeitigen Niveau verharren, droht nach internen Berechnungen der EU-Kommission 2008 ein Plus bei Geflügel von zehn Prozent. Bei dem auch von anderen Faktoren getriebenen Schweinepreis wären es sogar 30 Prozent. Am wenigsten betroffen wäre Rindfleisch, das nur sieben Prozent teurer würde. "Viele der Produzenten arbeiten mit Langfristverträgen, deswegen sind die Folgen (des teureren Getreides) noch nicht zutage getreten", sagte Fischer Boel.

Die Kommissarin bestand darauf, dass die Lebensmittelpreise in Europa 2003 ein Rekordtief erreicht hätten. "Zuvor sind die Lebensmittelpreise viele, viele Jahre gar nicht gestiegen. In einigen Kategorien sind die Preise sogar zurückgegangen", sagte sie.

Politiker zeigen erste Reaktionen

In Deutschland haben die steigenden Preise die Politik erreicht. Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) lässt bis Ende November prüfen, ob die Berechnung für Hartz-IV-Leistungen geändert werden soll und die Sätze angehoben werden. Führende Politiker von CDU und SPD hatten zuvor gefordert, den Hartz-IV-Regelsatz mit der Inflationsrate zu erhöhen.

Die steigenden Preise gehen auf schlechte Ernten und teilweise auf die höhere Nachfrage vor allem aus Asien zurück. Allerdings hat die EU auch angekündigt, ein Auge auf möglicherweise ungerechtfertigte Erhöhungen zu haben.

Notlager für Getreide?

Fischer Boel sagte, steigende Preise und leere Lager in Europa seien eine Situation, für die die EU vorbauen sollte. "Wir müssen eine komplett neue Situation in unsere Überlegungen einbeziehen", sagte sie. Sie will in den kommenden Wochen eine Diskussion darüber führen, ob Europa Notlager für einige Getreidesorten braucht. Ähnlich den Ölreserven, die jeder EU-Mitgliedsstaat vorhalten muss, könne so etwas auch für Getreide nötig sein. "Ich glaube, wir alle müssen uns auf Situationen vorbereiten, in denen wir wissen, welche Werkzeuge zur Verfügung stehen", sagte sie. Auch die Diskussion über Energiesicherheit sei erst durch den Gaslieferstopp Russlands an die Ukraine entstanden.

Fischer Boel appellierte an Russland und die Ukraine, Getreideausfuhren nach Europa nicht weiter zu behindern. Russland erhebt derzeit einen Exportzoll, die Ukraine hat quasi ein Exportverbot erlassen. Sie habe die zuständigen Minister der beiden Staaten getroffen, sagte sie. "Ich habe ihnen klargemacht, dass das nicht mit den Regeln eines offenen und freien Marktes konform ist. Und schon gar nicht mit der Welthandelsorganisation", sagte sie.

Von Fidelius Schmid (Porto) und Monika Dunkel (Berlin) / FTD

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