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Inklusion in der Schule: Die Mischung macht's

Behinderte Kinder besuchen mit nicht behinderten zusammen eine Klasse - funktioniert das? Ja, zeigt eine Schule in Flensburg. Ein Beispiel, wie gemeinschaftliches Lernen gelingen kann.

Von Lea Wolz

Es ist extrem ruhig in der Klasse 1 und 2 d der Waldschule Flensburg. Konzentriert blicken die Schulkinder nach vorne an die Tafel. Dort steht nicht der Lehrer, sondern ein Mitschüler: Jan-Ole, acht Jahre, schaut seine Schulkameraden der Reihe nach an. Wer angeblinzelt wird, darf nach vorne kommen - zur Morgenrunde, mit der jeder Schultag eröffnet wird. Irgendwann ist auch Mads an der Reihe. Zielstrebig bahnt er sich seinen Weg durch die Tischgruppen und stellt sich neben Jan-Ole. Der Neunjährige ist angekommen.

Was so selbstverständlich aussieht, ist es nicht: Mads ist geistig behindert. Seine Eltern, Lone und Fabian Sösemann, hatten sich bereits dafür eingesetzt, dass ihr Sohn gemeinsam mit seiner nicht behinderten Zwillingsschwester Stine den Regelkindergarten besuchen kann. "Warum sollten wir ihn nun plötzlich in der Schule von ihr und seinen Freunden trennen?", sagt sein Vater. Für die Eltern war daher klar: Mads sollte es auf der Regelschule versuchen.

Das Konzept der Waldschule gefiel den Sösemanns. Und so wurde Mads 2009 dort eingeschult. Möglich war dies, da der Schulleiter der Waldschule vor sechs Jahren einen radikalen Schnitt wagte. "Wir galten als Ausländerschule, viele Kinder hatten einen sozial schwachen Hintergrund", erinnert sich Volker Masuhr. Vor allem bildungsnahe Familien hätten der Schule den Rücken gekehrt.

Um das Ruder herumzureißen, entschied er sich, das Problem zum Prinzip zu machen. Masuhr änderte das pädagogische Konzept der Schule, fasste die ersten und zweiten Klassen jahrgangsübergreifend zusammen und öffnete die Schule für behinderte Kinder. "Es ist normal, verschieden zu sein, ist seitdem das Motto unserer Schule", sagt der Schulleiter. Für ihr innovatives Konzept und die gute pädagogische Umsetzung hat die Waldschule mittlerweile einige Preise eingeheimst.

Denn hier wird bereits seit einigen Jahren erfolgreich praktiziert, was momentan vielerorts ein großes Thema ist: Inklusion, das gemeinsame Unterrichten von behinderten und nicht behinderten Schülern (s. Kasten). Knapp eine halbe Million Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf gibt es hierzulande. Doch noch nicht einmal jeder Vierte davon besucht bundesweit eine Regelschule, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ergab.

"Dabei belegen Studien, dass vor allem Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen in inklusiven Schulen bessere Leistungen bringen", sagt Bildungsforscher Klaus Klemm, der die Studie erstellt hat. "Ist die Klasse richtig durchmischt, profitieren beide Seiten: Die Schwächeren werden mitgezogen und die Stärkeren in ihrem Lernfortschritt nicht gebremst."

Für eine gelungene Inklusion ist es Klemm zufolge nötig, alle mitzunehmen: die Kinder, die Eltern und nicht zuletzt die Lehrer. "Die Pädagogen, die eine gemeinsame Beschulung von behinderten und nicht behinderten Kindern umsetzen sollen, müssen darauf anständig vorbereitet werden", sagt er. "Daran hapert es in vielen Bundesländern noch."

An der Waldschule in Flensburg ist es offensichtlich gelungen, alle Beteiligten von dem Konzept zu überzeugen. "Wir haben mittlerweile sogar Anfragen von Eltern aus dem Umland, die ihre Kinder hier einschulen wollen", sagt Masuhr. Die Schüleranzahl sei in den vergangenen Jahren gestiegen, auch Akademiker-Eltern, die früher einen weiten Bogen um die Schule gemacht hätten, habe das Schulkonzept überzeugt.

Momentan werden in der Waldschule 300 Kinder unterrichtet, 38 davon haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf - von der Sprache, über die geistige Entwicklung, bis hin zu Lernen, Hören, Sehen oder Motorik. Zusätzlich zu den Grundschullehrern sind fünf Sonderpädagogen an der Schule, dazu kommen sogenannte Integrationshelfer, die von der Stadt Flensburg bezahlt werden.

Damit das gemeinsame Unterrichten funktioniert, wird darauf geachtet, dass die Schulklassen gut gemischt sind - und dass jedes Kind individuell gefördert wird. Viel Wert wird auf selbstorganisiertes Lernen gelegt, Teamarbeit wird groß geschrieben. Auch unter den Lehrkräften. "Hier ist keiner Einzelkämpfer, sobald Probleme auftreten, besprechen wir sie im Team", sagt Angela Sallaba, Klassenlehrerin von Mads. Unterstützt wird die 58-Jährige von der Integrationshelferin Anje Bratumyl, der Sonderpädagogin Ive von Aspern und Catrina Jepsen, die ebenfalls Grundschullehrerin ist und stundenweise in der Klasse unterrichtet.

Gemeinsam gestalten sie den Unterricht so, dass jedes Kind Aufgaben bekommt, die seinem Wissensstand entsprechen. Zum Beispiel in der Deutschstunde: Nachdem alle gemeinsam im Kreis Silben geübt haben, ist Gruppenarbeit angesagt. Während einige Zweitklässer Schreiben trainieren, spielt ein anderes Kind ein Silbenspiel und Mads übt die Buchstaben mit Kärtchen, auf denen Gegenstände abgebildet sind. Diese muss er zu den richtigen Buchstaben kleben. "G" wie "Gabel" oder "K" wie "Kerze". Doch Mads fasziniert in diesem Moment der Kleber mehr. Versunken betrachtet er den Stift.

"Jedes Kind bekommt die Zeit, die es braucht", sagt von Aspern. Für sie ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Kinder mit Behinderung mit anderen Kindern zusammen unterrichtet werden. "Hier gewinnen beide Seiten", sagt sie. Die Leistungen der anderen sporne Mads an, zugleich lernen die anderen Schüler, völlig normal mit behinderten Menschen umzugehen. "Dann entstehen erst gar keine Barrieren."

Möglichst barrierefrei soll auch Serhat am Unterricht teilnehmen können. Der Zehnjährige, der die dritte Klasse der Waldschule besucht, ist sehbehindert. An seinem Platz steht ein Apparat mit Kamera und Bildschirm, mit dessen Hilfe er vergrößert darstellen kann, was auf der Tafel geschrieben steht. Wenn Serhat Unterstützung braucht, ist Integrationshelferin Melanie Godbersen für ihn da. "Wenn ich alleine nicht weiterkomme, frage ich sie", sagt Serhat. Dass passiere häufig, berichtet die gelernte Erzieherin. "Doch ich versuche nur die Hilfe zu geben, die er auch wirklich braucht, damit er sich nicht ausruht." Die gemeinsame Beschulung ist aus ihrer Sicht der richtige Weg. "So lernen die anderen Kinder auch gleich, Rücksicht zu nehmen."

Auch Masuhr ist überzeugt: "Es ist die Aufgabe von Schule, das Leben in seiner ganzen Vielfalt abzubilden." Inklusion funktioniere dann, wenn sich jedes Kind nach seinen Möglichkeiten entwickele. "Inklusion ist machbar und notwendig", betont auch Mads Grundschullehrerin Sallaba. "Allerdings nur dann, wenn sie nicht als Sparmodell betrachtet wird." Alle Kinder mitzunehmen, sei nur mit ausreichend Personal möglich.

Die Eltern von Mads sind jedenfalls sicher, sich für den richtigen Weg entschieden zu haben: "Die anderen Kinder haben ihn voll akzeptiert, er kann sich nach seinen Fähigkeiten weiter entwickeln", sagt sein Vater. So habe er gelernt, einzelne Wörter zu lesen und Zahlen zu erkennen. "Zudem kann er fast alle Buchstaben schreiben. Die anderen Kinder waren wichtige Vorbilder, sie haben ihn mitgezogen."

Bestenfalls, so wünschen es sich die Sösemanns, soll Mads nach der Grundschule eine Gemeinschaftsschule besuchen. Allerdings nur, wenn ihn dies nicht überfordere. Die Fortschritte, die ihr Sohn seit der Einschulung gemacht hat, stimmen sie hoffnungsvoll. Den Morgenkreis kann der behinderte Junge mittlerweile auch schon leiten. "Sprachlich ist er natürlich nicht so gewandt wie die anderen Kinder", sagt Fabian Sösemann. "Aber er kommt mit seinen Mitteln weiter."

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(