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Wut-Posting einer Mutter: Bevorzugung von Migrantenkindern bei Kitaplatz-Vergabe? Das sagt die Stadt Essen dazu

Mit ihrem Wut-Posting sorgte Leen Kroetsch für Aufsehen: Werden Migranten bei der Vergabe von Kitaplätzen bevorzugt? Das Jugendamt Essen nimmt Stellung zu dem Vorwurf.

Auch mehr als eine Woche nach Veröffentlichung sorgt die Wutrede der Essener Leen Kroetsch weiter für Diskussionen. Das auf Facebook hochgeladene Video wurde inzwischen fast zwei Millionen mal angeklickt, zehntausendfach geteilt und kommentiert.

In dem gut vier Minuten langen Clip beschwert sich die Mutter über die Zustände in der Kitagruppe ihres Sohnes. Von 25 Kindern seien nur zwei "deutsch, ohne Migrationshintergrund". Die übrigen 23 seien der deutschen Sprache nicht mächtig. Ihr "deutscher Sohn" verstehe die anderen Kinder nicht und bekomme daher keinen Anschluss in der Gruppe. "Ist das Integration? Ist das Integration?", empört sich Kroetsch. "Das ist nicht Integration, liebe Politiker (...) Wann wacht ihr da oben endlich auf?"

Kitaplatz eingeklagt

Sie habe Angst vor der Zukunft ihres Sohnes, der sich "hier wie ein Ausländer" fühle. "Deutsche Kinder werden islamisiert." Sie sei bald gezwungen, auszuwandern, weil sie sich ebenfalls "wie 'n Ausländer, wie ein Mensch zweiter Klasse" fühle. Überdies habe sie den für ihren Sohn erst nach einer Klage zugesprochen bekommen; die Eltern "von Kenan, von Mohammed, von Ali, wie sie alle heißen" haben Kroetsch zufolge den Platz bekommen, ohne den Rechtsweg bestreiten zu müssen.

Es sind harte Worte der jungen Mutter, für die sie in den Facebook-Kommentaren neben Zuspruch auch jede Menge Kritik erntet. Zu dem schweren Vorwurf, Kinder ohne deutschen Pass würden bei der Kitaplatz-Vergabe gegenüber jenen mit deutschem Pass bevorzugt, nahm der Leiter des Essener Jugendamtes, Ulrich Engelen, jetzt in mehreren Interviews Stellung.

Jugendamt Essen äußert sich

Bei betreffenden Gruppen handele es sich um eine sogenannte Notgruppe. Diese sei eingerichtet worden, um den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für möglichst viele Eltern zu erfüllen. Zu "Focus Online" sagte Engelen: "Von einer Bevorzugung ausländischer Kinder deutschen Kindern gegenüber kann keine Rede sein." "In der Regel" richte sich die Vergabe der Plätze in den Notgruppen "nach dem Eingangsdatum der Antragstellung". Auch eine Bevorzugung deutscher Kinder verbiete sich, teilte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" mit und versprach, bei Problemen ansprechbar zu sein: "Wenn es in einer Kita hakt, versuchen wir immer, den Eltern zu helfen – egal, welche Nationalität sie haben und ob sie sich auf Facebook zu Wort melden."

Zuvor hatte sich bereits der Kitaträger, das Bistum , über eine Sprecherin zu Wort gemeldet: Zwar seien Notgruppen weniger durchmischt als reguläre Kitagruppen und es sei richtig, dass von den 25 Kindern nur zwei einen deutschen Pass haben, aber: "Ihre einzige gemeinsame Sprache ist Deutsch." Zudem befinden sich die Kinder noch in der Eingewöhnungsphase. "Denen muss man Zeit geben."

Mangel an Kitaplätzen

Die Befürchtung einer Islamisierung teilt die Sprecherin nicht. Es seien Muslime, Buddhisten oder auch Konfessionslose in der Notgruppe. Jugendamtsleiter Engelen pflichtet bei: "Gerade in einer katholischen Kita ist die Wahrscheinlichkeit (einer Islamisierung, d. Red.) , die ich eh für marginal halte, besonders klein."

Dennoch: Auch wenn sie mit dem Vergleich "Deutsche Kinder / Ausländerkinder" vielleicht über das Ziel hinausgeschossen ist, hat Mutter Kroetsch mit ihrem Facebook-Post die Aufmerksamkeit auf ein Problem gelenkt, das bei Weitem nicht nur Essen betrifft: den eklatanten Mangel an Kitaplätzen in Deutschland. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln fehlen bundesweit rund 300.000 Betreuungsplätze – allein für ein- bis dreijährige Kinder, mit und ohne deutschen Pass.

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