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Studiengebühren: Die längste Zeit umsonst gelernt

Mit dem kostenlosen Studium könnte es bald vorbei sein. Viele Bundesländer planen Studiengebühren von 500 Euro pro Semester.

Jeden Samstag arbeitet die Studentin Anne Mulder als Postbotin, für sechs Euro die Stunde. Das Geld gibt sie nicht für Jeans oder Kinokarten aus, sondern überweist es ihrer Uni. Mit dem Nebenjob finanziert die Tochter einer Bauernfamilie ihr Sprachen- und Wirtschaftsstudium an der niederländischen Fachhochschule Drenthe. 1476 Euro kostet das pro Jahr - ein Einheitssatz, der an allen staatlichen Hochschulen der Niederlande gilt. Für Anne ganz normal: "Was, ihr in Deutschland habt gar keine Studiengebühren?"

Noch nicht. Zwar hat Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn vor zwei Jahren Gebühren für das Erststudium bundesweit verboten. Doch die sechs unionsregierten Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen-Anhalt, Hamburg, das Saarland und Sachsen erhoben dagegen Klage vor dem Bundesverfassungsgericht, am Dienstag voriger Woche hat der Prozess begonnen. Kaum ein Experte rechnet mit einem Erfolg für Bulmahn.

Den Hochschulen geht es schlecht

Kippen die Verfassungsrichter das Verbot, wollen einige Bundesländer möglichst schnell Studiengebühren einführen; in Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg liegen die Pläne dafür in der Schublade. Rund 1000 Euro pro Studienjahr, also 500 Euro pro Semester, sollen deutsche Studenten demnach zahlen. Auch einige SPD- und Grünen-Politiker sind gegen das deutsche Gratisstudium. Denn den Hochschulen geht es schlecht: überfüllte Seminare, bröckelnde Gebäude, mangelnde Betreuung - rund ein Viertel aller Studenten verlässt die Chaos-Uni ohne Abschluss.

Was Studiengebühren bringen würden, hat das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) für die Uni Hannover ausgerechnet. Die Hochschule würde mit Gebühren von rund 1000 Euro pro Student und Studienjahr etwa 17 Millionen Euro einnehmen, rund 13 Prozent ihres jetzigen Gesamtbudgets. Dafür könnte sie zum Beispiel neue Dozenten einstellen, ein Mitarbeiter könnte sich dann um 22 Studenten kümmern statt wie derzeit um 35.

Das häufigste Arguement: Studiengebühren sind sozial ungerecht

Die Studenten zahlen und bekommen dafür eine bessere Ausbildung, so die Theorie. Allerdings funktioniert das nur, wenn die Gebühren direkt an die Universitäten fließen und nicht irgendwelche Haushaltslöcher in den Landesetats stopfen. Außerdem: In fast allen Staaten, in denen Beiträge erhoben werden, schoss der Staat bald immer weniger Geld zu, am Ende waren die Universitäten genauso finanzschwach wie vorher.

Das häufigste Argument der Gegner lautet aber: Studiengebühren sind sozial ungerecht, sie schrecken Kinder aus ärmeren Familien ab. Wenn das stimmte, müssten in Deutschland lauter Arbeiterkinder in den Hörsälen sitzen. In Wirklichkeit nimmt der Anteil von Studenten aus unteren sozialen Schichten ab; in den vergangenen 20 Jahren hat er sich fast halbiert auf jetzt zwölf Prozent. Die soziale Auslese passiert viel früher - durch mangelnde frühkindliche Förderung, kostenpflichtige Kindergärten und ein Schulsystem, in dem die Kinder wohlhabender Eltern bessere Chancen haben als die aus einkommensschwachen Familien.

"Gebühren allein schrecken ärmere Studenten nicht vom Studium ab"

Australien hat Studiengebühren eingeführt, dennoch ist der Anteil von Arbeiterkindern an den Universitäten dort höher als in Deutschland. Irland schaffte Studiengebühren Anfang der 90er Jahre ab, um mehr sozial Schwache an die Unis zu locken - vergebens. Hans Vossensteyn, Forscher an der niederländischen Universität Twente, hat die Hochschulsysteme von 24 europäischen Staaten untersucht und festgestellt: "Gebühren allein schrecken ärmere Studenten nicht vom Studium ab - wenn es ein gutes Stipendien- und Darlehenssystem gibt."

In den Niederlanden sind die Studiengebühren in den letzten Jahren gestiegen - doch zugleich hat die Regierung die Hilfen für Studenten erhöht: Bis zu 465 Euro im Monat beträgt der Ausbildungszuschuss. Anne Mulder wohnt nicht mehr zu Hause, und ihre Eltern haben wenig Geld, deshalb bekommt sie fast den Höchstsatz. Ein soziales System, aber mit Daumenschrauben: Die Förderung gibt es nur während der Regelstudienzeit, und wer das Studium nicht abschließt, muss einen Teil der Summe zurückzahlen. Anne hetzt deshalb durch ihr Studium: "Wenn ich nicht innerhalb von vier Jahren fertig werde, bekomme ich finanzielle Probleme." Ins Kino geht sie "vielleicht einmal im Jahr", Reisen sind nicht drin. Obwohl sie auf jeden Cent achten muss, hat sie nie an ihrer Studienentscheidung gezweifelt: "Meine Eltern hatten nie diese Chance, ich wäre doch blöd, sie nicht zu ergreifen."

Nikola Sellmair Mitarbeit: Annette Goebel / print

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