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Tierrechte in der Schweiz Zu schockierend, zu sexistisch: Peta-Plakat darf nicht aufgehängt werden

Eine Frau sitzt in einem Stall, nur mit Stroh bedeckt, eine Melkmaschine an der Brust. Ihr wird ihr Baby entrissen.
"Durch die Hölle für dein Glas Kuhmilch" lautet der Slogan der Plakat-Aktion
© Screenshot Instagram: anjazeidler
Das Peta-Plakat sollte den Alltag für Kühe in der Milchindustrie präsentieren und darüber aufklären. Das Prüfungsgremium der Schweizer Werbefirma sieht das jedoch anders und verbietet die Aktion kurzerhand – es sei schockierend und sexistisch.

"Ist die Realität der Tierwirtschaft zu schockierend für die Schweizer?" Das schreibt die Tierrechtsorganisation Peta (People for the Ethical Treatment of Animals) auf Instagram. Sie beziehen sich dabei auf eine Plakataktion der Fitness-Influencerin Anja Zeidler, mit der sie sich für Kühe in der Milchindustrie einsetzen wollte.

Doch das Plakat, welches laut Peta der realen Situation von Kühen in Milchbetrieben nachempfunden sei, wurde von der Werbefirma abgelehnt. Clear Channel ist einer der größten Anbieter von digitalen Werbeflächen und Plakatstellen in der Schweiz und sollte die Plakate aufmerksamkeitsstark platzieren. Das Unternehmen entschied jedoch, aus verschiedenen Gründen nicht mit dem Plakat konform zu gehen. Die Aktivist:innen kritisieren diese Entscheidung scharf. 

Schockierendes Plakat

"Durch die Hölle für dein Glas Kuhmilch" lautet der Slogan des Plakats von Anja Zeidler und Peta in der Schweiz. Zu sehen ist auf dem düsteren Bild, wie die vegan lebende Influencerin in einem Stall sitzt – eine Melkmaschine an den Brüsten und mit nichts weiter als Stroh bedeckt. Sie scheint verzweifelt nach ihrem Neugeborenen zu schreien, welches ihr gerade entrissen wird. Sie weint.

Neben dem Stall stehen Milch-Konsument:innen, die mit verbundenen Augen ein Glas Milch trinken. Verbundene Augen, da sie das Leid von Mutter und Kind, das damit verbunden ist, nicht sehen möchten – oder können. 

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Das Leben von Milchkühen in der Industrie

Kühe produzieren nur dann Muttermilch, wenn sie ein Baby bekommen und ernähren müssen – genauso wie menschliche Frauen. Für möglichst viel Profit werden die Kühe dafür jedes Jahr aufs Neue befruchtet. Die neugeborenen Kälber werden den Tieren dann kurz nach der Geburt entrissen. Die Babys sollen die Milch nicht wegtrinken und es soll möglichst viel für die Industrie und den Menschen übrigbleiben.

Nach der Trennung schreien Mutter und Kind oft noch tagelang nacheinander. Ist das Baby eine weibliche Kuh, wird es per Flasche und künstlicher Aufbaumilch ohne Kontakt zur Mutter großgezogen – nur um das gleiche Leben wie die Mutter zu führen. Ein männliches Kalb ist für die Milchindustrie unbrauchbar und wird schon als Kalb oder nach der Mast geschlachtet.

Mutterkühe werden durch seelischen Schmerz und Ausbeutung krank. Irgendwann werden sie nicht mehr schwanger. Dann werden auch sie im Schlachthaus getötet. 

Aufklärung in den Medien

Die Ablehnung ihres Plakats lassen die 27-Jährige und Peta nicht auf sich sitzen und berichten auf Instagram und anderen Plattformen darüber. Auch andere Medien greifen die Plakataktion auf. Peta beschreibt die Situation auf Instagram wie folgt: "Laut dem Gremium sei das Motiv mit Anja Zeidler zu #schockierend, #sexistisch und #entwürdigend – was genau beschreibt, wie Kühe jeden Tag behandelt werden."

Peta wertet das Verbot ihres Plakats als Verbrauchertäuschung. Wie die Tierrechtsorganisation auf ihrer Website schreibt, werbe die Milchlobby häufig mit Bildern von vermeintlich glücklichen Kühen auf grünen Wiesen. Das entspreche jedoch nicht der Wahrheit. Wie die Tierrechtler:innen finden, sollten alle Menschen, die Tierprodukte kaufen, über das Leid der Kühe aufgeklärt werden. 

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Zensur in der Milchindustrie

Hinter dieser Äußerung steht auch Anja Zeidler. Laut Peta und dem Portal "Blick", welches als erstes darüber berichtete, sagt sie: "Das einzig wirklich Schockierende ist, dass die Wahrheit über die Grausamkeiten in der Milchindustrie zensiert werden soll. Verbraucher müssen erfahren, was wirklich hinter den Produkten steckt.”

Gegenüber "Blick" erklärte eine Sprecherin der Werbefirma Clear Channel, dass sie das Plakat aus verschiedenen Gründen nicht als konform für ihre Werbestellen ansehen würden, "insbesondere was die Darstellung der Frau betrifft." Peta und die Influencerin wollen die Aktion nun nicht mehr als Plakat über Clear Channel verbreiten lassen. Sie suchen nun nach anderen Wegen der Verbreitung, abseits der Außenwerbung – wie Social Media, wo sie auch schon ein Video der Aktion teilten. 

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Wie Sie Kühen helfen können

Die wohl einfachste Möglichkeit dem Leid von Kühen und Kälbern ein Ende zu setzen, ist der Verzicht auf Milchprodukte. Inzwischen gibt es unzählige vegane Alternativen für Milch, Butter, Sahne, Käse, Quark und andere Milchprodukte. Tierfreundlich zu Leben bedeutet heutzutage nicht unbedingt Verzicht.

In Deutschland gibt es viele Lebenshöfe, die Milchkühe aus der Milchindustrie retten und ihnen ein Leben auf grünen Wiesen schenken. Kleine Patenschaften sind hier teilweise schon ab fünf Euro im Monat möglich und schenken einer Kuh ein leidfreies Leben.

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Quellen:PETA / Instagram / RND / "Blick"


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