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Netflix-Doku "Verdorben": So reißt sich das Knoblauch-Kartell den amerikanischen Markt unter den Nagel

So unschuldig die Knoblauchknolle daherkommt, so schmutzig ist das Geschäft um sie. Es herrschen Kartell-ähnliche Zustände, das Geld fließt vor allem zwischen zwei Unternehmen. Darunter leiden die kleinen Produzenten.

"Verdorben": Knoblauch

Knoblauch ist ein Milliardengeschäft. Umso wichtiger ist es zu wissen, woher die Wunderknolle kommt.

Jedes Jahr werden rund 23 Millionen Tonnen verzehrt. Auch in Deutschland gehört die Knolle mit dem intensiven Geruch zum alltäglichen Lebensmittel. Die gesundheitliche Wirkung von Knoblauch ist unumstritten, auch wenn sich bei seinem Duft die Geister scheiden. Knoblauch ist in der Küche nicht mehr wegzudenken, er ist hip. Und ein Milliardengeschäft: Jährlich generiert die Knolle einen Umsatz von 40 Milliarden US-Dollar. Aber woher stammt der Knoblauch eigentlich?

Die neue Netflix-Dokuserie "Verdorben" geht dieser Frage in der Folge "Knoblauchfahne" auf den Grund. Vor allem Kochshows haben dazu beigetragen, dass sich die Knoblauchzehe in ein Multimilliardendollar-Gut verwandelt hat. Guckt man sich die Herkunft seines Knoblauchs in der Küche an, ist vor allem ein Land immer an der Spitze: China, der größte Produzent der Wunderknolle. 

Nachfrage nach Knoblauch steigt

Zwischen 1995 und 2009 schoss die Nachfrage nach Knoblauch in den USA in die Höhe, dadurch wurde auch mehr aus importiert. 2010 machte die chinesische Ware bereits 41 Prozent des konsumierten Knoblauchs in den USA aus. Ein Problem für heimische Knoblauchproduzenten. Denn Knoblauch in China kann viel günstiger produziert werden als in den USA, was das Risiko von Dumping birgt. Das bedeutet, ein Produkt unter Preis zu verkaufen, um damit die amerikanische Konkurrenz auszuschalten.

Aus diesem Grund installierte das US-Handelsunternehmen die Kontrollstelle "Fresh Garlic Producers Assocation" (kurz "FGPA"). Sie wurde ins Leben gerufen um die chinesischen Knoblauchexporteure zu kontrollieren und die Interessen der amerikanischen Produzenten zu vertreten. Verlangt ein chinesisches Unternehmen Dumpingpreise, muss es eine Steuer zahlen, die als Anti-Dumping-Zoll bekannt ist. Wie manipulierbar diese Zölle sind, wird im Lauf der Folge klar.

Vor allem ein Unternehmen sticht heraus: Chinas größter Knoblauchexporteur Harmoni International Spice mit Zweigstellen in China und Kalifornien, die sowohl im Import als auch Export tätig sind. Sie verkaufen monatlich Knoblauch im Wert von 100 Millionen . Der Grund für deren Erfolg ist besorgniserregend, findet der US-Anwalt Ted Hume: Harmoni International Spice ist das einzige chinesische Knoblauchunternehmen, das keine Anti-Dumping-Zölle zahlen musste. Alle anderen Knoblauchexporteure kamen nicht darum herum. Es herrschte kein fairer Wettbewerb.

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Kartell-ähnliche Zustände

Arbeitet der chinesische Knoblauchexporteur Harmoni wirklich im Alleingang? Nein, wie sich in der Doku herausstellt. Es herrschen sogar Kartell-ähnliche Zustände. Die "FGPA" sollte diesen Umstand eigentlich regeln. Es gibt nur ein Problem: Größtes Mitglied der "FGPA" ist Christopher Ranch, der größte Vertreiber von Harmoni-Knoblauch in den USA.

Eigentlich gilt Christopher Ranch als Vorzeigeunternehmen in den USA. In Wirklichkeit soll die "FGPA" aber genau für jenen Knoblauchvertreiber arbeiten - und schadet somit dem heimischen Markt, der aus kleinen Produzenten in Kalifornien besteht. Das sagt zumindest der US-Anwalt Ted Hume in der -Doku. In 12 Jahren habe die "FGPA" kein einziges Mal den chinesischen Exporteur Harmoni kontrolliert, dadurch war es Christopher Ranch erst möglich, chinesischen Knoblauch zu Niedrigstpreisen in den ganzen USA zu vertreiben. Eine klassische David-gegen-Goliath-Geschichte. Die Verlierer des schmutzigen Knoblauchgeschäfts sind die Kleinen. Die Bauern, die Produzenten, die nicht einmal das Kleingeld für dringend benötigte landwirtschaftliche Geräte haben.

"Sie haben die Kontrollen umgangen"

Welche chinesischen Exporteure übrigens auf Dumping-Preise kontrolliert werden, entscheiden Mitglieder der amerikanischen Knoblauchindustrie: "Laut Gesetz dürfen die Firmen entscheiden, wer kontrolliert wird", sagt Ted Hume in "Verdorben". Dem US-Anwalt zufolge verhinderte die "FGPA" die Überprüfung von Harmoni auf Dumping, weil ihr mächtigstes Mitglied einer der größten Abnehmer von Harmonis Knoblauch ist – Christopher Ranch. "Sie haben Millionen Dollar mit dem Knoblauch von Harmoni verdient, und kein einziges Mal einen Anti-Dumping-Zoll gezahlt. Das ist das Problem. Sie untergraben das System. Was sie tun, ist nicht illegal. Aber sie haben die Kontrollen umgangen. Ihre Zusammenarbeit mit der FGPA kommt einem Kartell gleich."

Diese Zusammenarbeit schadete nicht nur amerikanischen Knoblauchproduzenten, sondern auch chinesischen Exporteuren, die Anti-Dumping-Zölle zahlen mussten.

Bis vor kurzem gab es Knoblauch in Deutschland übrigens auch nur importiert. Vor allem aus Spanien, China, aber auch Ägypten. Der monatliche Verbrauch ist in Deutschland recht bescheiden. Rund 20.000 Tonnen pro Jahr konsumieren die Deutschen. Ein Verbrauch, den Deutschland wohl in Zukunft selbst decken kann. Zum einen, weil dem Verbraucher die regionale Herkunft wieder wichtiger wird, und die Supermärkte darauf reagieren. Bislang wächst Knoblauch in Deutschland auf 50 bis 60 Hektar, Tendenz steigend.

Die Dokumentation "Verdorben" ist am Freitag auf Netflix erschienen