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Die Babybrei-Kochschule: Ein Mann, ein Brei

Ob Karottenbrei, Banane-Haferflocke oder Apfel-Birne: Lars Bülhoff ist Experte in Sachen Babynahrung. Seit zwei Jahren zeigt er Eltern, wie man richtig guten Brei kocht.

Die klumpig-gelbe Masse aus dem Gläschen schmeckt nach nicht besonders viel. Sie riecht nicht einmal nach dem, wonach sie laut Etikett schmecken sollte: Banane und Haferflocken. Die Teilnehmer nehmen je einen Löffel und probieren den Industriebrei. "Es riecht sogar leicht säuerlich", sagt eine der anwesenden Frauen. "Als wären nicht nur Banane und Haferflocke darin enthalten." Lars Bülhoff lächelt wissend, diese Reaktion erlebt er offenbar nicht zum ersten Mal. Der 33-Jährige hat Ökotrophologie studiert und in der Lebensmittelindustrie gearbeitet. Seit zwei Jahren leitet er den Kurs "Beikost-Buddys".

Dieses Mal sind drei Frauen und ein Mann erschienen. Der Kurs findet in Hamburg-Altona statt, in der Krippe "Mien Lüttjenwel". Die jungen Mütter und der Vater sind noch unsicher und wissen nicht, was sie dem Baby wann geben können, was gesund ist und was nicht. Wann ist der ideale Zeitpunkt, um Brei zuzufüttern? Welche Obst- und Gemüsesorten eignen sich am Anfang, mit welchen sollte man noch warten und warum? Ab wann darf das Kind Vollmilch bekommen? Und wie sieht es mit Fisch und Fleisch aus? Wie viel darf es davon essen und wie oft? Viele neue Fragen entstehen plötzlich bei etwas so Selbstverständlichem wie dem Essen.

Wenn das Internet meint, es besser zu wissen

Freunde und das Internet liefern viele, aber sehr unterschiedliche Informationen. Das verwirrt viele frischgebackene Eltern. "Wir wollten einfach eine fundierte, aktuelle Meinung eines Fachmannes hören", sagt eine Teilnehmerin und schaukelt ihr kleines Mädchen auf dem Arm hin und her. Bülhoff hat hier eine Lücke erkannt. Denn viele junge Mütter möchten ihren Babys selbstgekochten Brei geben - wissen aber oft nicht, wie sie ihn kochen sollen, worauf sie achten müssen. "Auch die Väter wollen sich einbringen", erzählt Bülhoff im Gespräch mit stern Genuss. "Wenn das Kind nach ein paar Monaten nicht mehr ausschließlich gestillt wird, freuen sie sich, dass sie ihr Baby auch endlich füttern können."

Schritt für Schritt erklärt Bülhoff den Teilnehmern in einem Theorieblock alles Wichtige über vollwertige, frische Babykost: Rapsöl ist wichtig für die Entwicklung des Gehirns, Fleisch und Fisch kann man zweimal pro Woche geben, Wasser ist das beste Getränk. Jede Woche können zwei neue Zutaten hinzukommen und Honig, Salz sowie Gebratenes sind für Säuglinge ungeeignet. Er spricht konzentriert, die Eltern hören aufmerksam zu, dabei herrscht eine lockere Atmosphäre im Kindergarten.

Ein kinderloser Mann und seine Kochschule

Ein junger Mann, 33-jährig, schult junge Eltern darin, Babybrei richtig zu kochen. Bülhoff ist souverän, strahlt Ruhe aus und beantwortet jede noch so spezielle Frage. Er kennt sich gut aus, hat viele Seminare besucht und setzt sich regelmäßig mit aktuellen Studien auseinander. "Gerade schwappt ein Trend aus England zu uns herüber, das sogenannte 'baby-led weaning'. Die Kinder bekommen keinen Brei, sondern gedünstetes Gemüse, das sie selbst in den Mund nehmen sollen", erklärt Bülhoff. Er konnte aufgrund Mangels nicht genügend Studien darüber lesen und will dazu nicht viel sagen, außer: "Die Küche sieht danach wild aus und in der Windel findet man die Gemüsestückchen zum großen Teil halbverdaut wieder."

Genau solche Spezial-Informationen sind es, die seine Seminare von üblichen Hebammen-Krankenhaus-Kursen zum Thema Babynahrung unterscheiden. Die Lebensmittelindustrie überschwemmt junge Eltern regelrecht mit Informationen zu gesunder Ernährung, wobei Gläschenkost als besonders sicher beworben wird. Die Kontrollen bei Babynahrung sind auch besonders streng. Dennoch kommt es vor, dass Tester Schadstoffe in Babybreien finden. Erst vor rund einem Jahr ergab eine Untersuchung im Auftrag des NDR-Magazins "Markt", dass Karottensäfte und -Babygläschen namhafter Hersteller gesundheitsschädliches Benzol enthielten. Das ZDF-Magazin "Wiso" fand ebenfalls vor rund einem Jahr gentechnisch verändertes Gemüse in Bio-Babynahrung. Und die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert aktuell, dass Babynahrung oft zu viel Zucker enthalte.

Im Bülhoffs Seminar zeigte später ein einfacher Geschmackstest, wie groß der Unterschied zwischen selbst gemachten und industriell gefertigten Breien ist.

Der Trend geht zurück zum Selberkochen

Für Lars Bülhoffs mobile Küche bietet der Krippenraum genügend Platz. Zwei Kochfelder und eine große Arbeitsplatte laden ein zum gemeinsamen Schnippeln und Kochen. Erst bereiten die jungen Eltern einen warmen Karotten-Kartoffel-Brei zu (Rezept unten): Sie schälen eine Kartoffel und eine Möhre, schneiden sie klein und geben beides ins kochende Wasser. Das Industriegläschen erwärmen sie parallel dazu im Wasserbad auf der anderen Kochplatte. Die Zubereitung beider Breisorten dauert gleich lang.

Der kleine Johann schaut schon gebannt auf den Teller. Mit seinen sechs Monaten darf er als Einziger den Brei kosten - die anderen Babys sind noch zu jung. Säuglinge können ihren ersten Brei zwischen dem vierten und siebten Monat bekommen. "Den richtigen Zeitpunkt findet Ihr zusammen mit Eurem Baby heraus", sagt Bülhoff. Ein Säugling zeigt oft entsprechend Interesse. Bei Johanns erstem Löffel verzieht der Kleine das Gesicht, doch dann scheint es ihm zu schmecken und er verputzt die ganze Portion.

Auch die Eltern probieren nun die Breie. Die Reaktion ist eindeutig: Der selbst gekochte schmeckt besser, "intensiver und echter als der gekaufte", sagt Johanns Mama und wiegt den Kleinen im Arm, der jetzt satt und zufrieden ist.

Gemüse-Kartoffelbrei-Rezept

- 50 g Kartoffeln

- 100 g Gemüse (Möhren, Pastinaken, Brokkoli, Spinat, Fenchel, Kürbis)

- 100 ml Wasser

- 1 EL Rapsöl

Geschälte Kartoffeln in dünne Scheiben schneiden und mit Wasser bedeckt aufsetzen. Grob geschnittenes Gemüse zufügen und 8 Minuten bedeckt garen lassen. Alles pürieren, das Öl unterrühren und den Brei auf einem Pastateller abkühlen lassen. Fertig.

Von Linda Gondorf