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Britische Studie: Das große Dilemma mit Fischstäbchen

Wenn schon Fisch, dann bitte als Fischstäbchen: Rund 60.000 Tonnen davon landen jährlich auf unseren Tellern. Eine Untersuchung aus Großbritannien sagt jetzt, dass Fischstäbchen auch besonders nachhaltig seien. Aber so ganz stimmt das nicht.

Fischstäbchen

Fischstäbchen sind beliebt - aber wie nachhaltig sind sie?

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Sie schmecken nach Kindheit, die kleinen, kantigen Stückchen aus paniertem Fisch. Seit den 1960er Jahren hält der Siegeszug der Fischstäbchen an. Im Schnitt essen wir jährlich 23 Stück von ihnen. Allein in Deutschland verbrutzeln wir knapp 60.000 Tonnen davon im Jahr. Und drei von vier Briten haben Fisch das erste Mal in ihrem Leben in Stäbchenform genossen.

Doch auch an Fischstäbchen geht das Problem Überfischung der Weltmeere nicht spurlos vorbei. Die britische gemeinnützige Organisation Marine Conservation Society (MCS), die sich dem Schutz der Meere verschrieben hat, hat sich Fisch aus dem Supermarkt genauer angesehen. Und kommt zu dem Ergebnis: Fischstäbchen zählen zu den nachhaltigsten Möglichkeiten, Fisch zu essen. Rund 85 Prozent des Fisches für die Stäbchen würden aus nachhaltiger Quelle stammen. Erstaunlicherweise waren vor allem die günstigen Discounterprodukte besser als teure Ware aus dem gehobenen Segment.

Aber wie kommt es dazu? Die MCS-Experten bemängeln vor allem die Deklaration. Verbraucher hätten kaum eine Chance, nachvollziehen zu können, wo genau der Fisch für die Fischstäbchen herkommt. Nur 19 Prozent der untersuchten Fischstäbchen-Sorten waren ausreichend beschrieben. "Die Verbraucher wissen möglicherweise nicht, dass die Mehrheit der Fische für Fischstäbchen bei Markenprodukten und Hausmarken tatsächlich aus nachhaltigen Quellen stammen", sagt Rajina Gurung, die für MCS einen Ratgeber zum Fischkonsum geschrieben hat. Allerdings hatten 23 Prozent der untersuchten Fischstäbchen-Verpackungen keinerlei Infos über Nachhaltigkeit der Fangmethode oder des Fanggebietes. 40 Prozent der Verpackungen hatten kein glaubwürdiges Öko-Label oder zu wenig Informationen.

MSC-Siegel: Verbraucherhilfe oder Täuschung

Das klingt nach reichlich Verbraucher-Verwirrung. Und das ist kein britisches Problem, sondern gilt auch für Deutschland. Hier werden Fisch und Meeresfrüchte, die nachhaltig gefischt werden, mit dem MSC-Siegel ausgezeichnet. Das "Marine Stewardship Council" wurde 1997 gemeinsam von der Umweltorganisation World Wildlife Fund (WWF) und dem Lebensmittelkonzern Unilever ins Leben gerufen. Das Siegel sollte helfen, Überfischung einzudämmen und Fischbestände zu schützen - in dem Verbraucher beim Einkauf auf das Siegel achten konnten. Nach Kontrolle eines Fangbetriebs darf er fünf Jahre lang das Siegel auf seine Produkte kleben. Weitere Kontrollen sind weiterhin möglich. 

Greenpeace hält nicht viel davon. "Es gibt kein Gütesiegel, das wir für absolut vertrauenswürdig und umfassend halten", sagt Sandra Schöttner, Meeresbiologin von Greenpeace, zur "Welt". Für Fischstäbchen wird meist Alaska-Seelachs genutzt. Hier prangern Umweltschützer nicht die Überfischung an, sondern die Fangmethode. Teilweise würde mit Grundschleppnetzen bis auf den Meeresgrund alles abgenagt, was dort schwimmt. Und bei Greenpeace zählen auch weitreichendere Auswirkungen in ihre jährliche Empfehlung mit ein. So ist der Alaska-Seelachs wichtiges Beutetier der Seelöwen. Wenn im großen Stil alles weggefischt wird, finden diese Tiere kaum noch Beute. 

Also ist alles schlecht? Finger weg vom Fisch? "Greenpeace wird nie sagen: Esst keinen Fisch. Das muss jeder für sich entscheiden", sagt Schöttner weiter. Die Umweltverbände trommeln dafür, Fisch als Delikatesse und nicht als alltägliches Lebensmittel zu werten. Das würde die Lage des weltweiten Fischbestands schon deutlich entschärfen.

Doch ein Blick in den aktuellen Fisch-Einkaufsratgeber vom WWF ist ernüchternd. Kaum ein Wasserlebewesen kann mit ruhigen Gewissen aufgetischt werden. Dorade? Besser nicht. Pangasius? Lieber nicht. Rotbarsch? Ganz schlechte Idee! Und so bleiben nur zwei Fischarten, bei denen die Umweltschützer keine Bauchschmerzen bekommen: Wels und Karpfen. Aber die gibt es eben nicht als rechteckigen Block im Backteig. 

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Das ultimative Rezept für Fischstäbchen