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"Rach undercover": "Ich habe noch nie ein Restaurant online bewertet"

Als "Rach undercover" begibt sich der TV-Koch auf große Tour durch Restaurants. Sein Fokus: Online-Bewertungen im Internet. Fallen diese schlecht aus, testet Christian Rach das Restaurant - im Tarnmantel.

Ein Interview von Denise Wachter

Christian Rach undercover

Für Christian Rach sind Online-Kritiken auf Bewertungsportalen ein schwieriges Thema

Schon zum zweiten Mal gibt Christian Rach in seiner neuen Sendung "Rach undercover" den Wallraff unter den Restaurantkritikern. Er möchte in einer vierteiligen Doku herausfinden, was an miesen Bewertungen im Internet dran ist. Ist das Essen wirklich so schlecht? Oder wollen sogenannte "Trolle" dem Restaurant nur schaden? Der stern hat mit dem TV-Koch darüber gesprochen.

Herr Rach, was möchten Sie mit Ihrer neuen Sendung bezwecken?

Leider haben die klassischen Restaurantführer noch kein adäquates Mittel auf die moderne Kommunikation gefunden. Einmal im Jahr gibt es zwar die Online-Ausgaben, mit denen man gut arbeiten kann. Aber der moderne Gast, der moderne User, möchte natürlich immer sofort Ergebnisse haben, das Aktuellste. Bewertungsportale im Internet werden bereits auf jede Branche angewendet. Egal ob es der Arzt, der Maler oder der Journalist ist.

Und auch bei Restaurants findet man eindeutige Urteile. Spannend wird es dann dort, wenn Restaurants 27-Mal "sehr gut" bewertet werden und 32-Mal "ungenügend". Was findet da statt? Warum ist die Wahrnehmung da so extrem? Und wenn ich mir die "Ungenügend"-Postings angucke, dann sind diese zu 85 Prozent anonym und mit unglaublich harten, drastischen Worten: "ekelhaft", "unsäglich", "nie wieder", "zum Kotzen". Warum macht man so etwas, und warum anonym? Wenn eine Kritik wirklich etwas bewirken soll, dann sollte diese weder anonym, noch mit obenstehenden Worten betitelt werden. Erst dann kann der Kritisierte mit der Kritik auch etwas anfangen.

Was für Auswirkungen können schlechte Kritiken für Restaurants haben?

Es kann natürlich sehr existenzgefährdend werden. Ich habe überhaupt nichts gegen schlechte Kritiken, aber die Wortwahl ist das entscheidende. Wenn nur 10 Prozent wegen drastischer Worte wie "Das ist der ekelhafteste Laden, in dem ich jemals war. Nicht hingehen!" das Restaurant nicht besuchen, dann ist der Laden pleite. Die Macht, die hinter solchen Online-Bewertungen steht, ist echt extrem. Und man muss zwischen den normalen Online-Kritikern und den "Trollen" unterscheiden. Die Trolle machen sich einen Spaß daraus oder wurden sogar beauftragt, Meinungen hochzuschießen. Dahinter steckt zum Großteil Boshaftigkeit - und das kann einem Restaurant das Genick brechen. 

Wie könnte man den Vorgang von Online-Bewertungen optimieren?

Wichtigtuerei kann man leider nicht verhindern. Das ist überall so. Wenn ich aber etwas anbiete und die Leistung ist wirklich kritikwürdig, dann wünsche ich mir auch eine Gegenleistung, beziehungsweise einen adäquaten Ersatz. Kritik ist wichtig, wenn diese nun auch etwas negatives behandelt, hat der Kritisierte die Chance etwas zu verändern. Aber anonym und nur mit drastischen Schlagworten ist es eigentlich schon eine Denunziation, und hat nichts mehr mit Kritik zu tun. 

Anonym kann man Draufhauen

Was würden Sie sich von den Usern wünschen?

Die User sollen kritisieren. Auch im Netz. Aber man sollte dann auch dem Kritisierten die Chance geben, auf die Beschwerde zu antworten. Und das geht bei anonymen Postings leider nicht. Besser wäre natürlich noch, die Kritik gleich im Laden zu äußern, und man sollte immer seine Wortwahl bedenken. Anonym kann man Draufhauen.

Wie können Restaurants auf schlechte Kritiken reagieren?

Ein kleiner gastronomischer Betrieb hat überhaupt nicht die Zeit und die Chance permanent die Online-Kritiken in den verschiedenen Portalen zu lesen, geschweige sich darum zu kümmern. Das ist ein unglaublicher Zeitaufwand. Einem Gastronom, der im Kreuzfeuer der Kritiken stand, habe ich den Tipp gegeben, kleine Karten auszulegen und die Gäste zu direktem Feedback aufzufordern. Es gibt Fehler, auch Fehler, die man direkt korrigieren muss. Man muss aber vor allem die Kommunikation zwischen Gast und Gastgeber stärken. Die ist abhandengekommen, die ist anonym geworden.

Wie machen Sie das, wenn Sie in einer fremden Stadt Essen gehen wollen, gucken Sie auch im Internet?

Ich bin natürlich gut vernetzt. Mich interessieren die professionellen Tipps. Für mich ist der Führer der Wahl der Michelin Guide. Vor allem auch, weil dieser eine große Sparte an nicht besternten Restaurants aufweist. Weil ich gar keine Lust habe, jeden Tag in besternte Läden zu gehen. Sondern mich interessiert auch das einfache, geradlinige Essen. Und beim Michelin Guide weiß ich, dass das Urteil von Fachleuten gefällt und geschrieben wurde.

Würden Sie sagen, man kann sich auf Online-Bewertungen nicht verlassen? 

Doch. Aber Sie müssen sich durch die verschiedenen Bewertungsportalen quer lesen. Eine große Anzahl an Bewertungen gibt einem eigentlich die größte Sicherheit, dass das Mittel der Bewertungen doch nah an der Realität ist. Trotzdem ist der professionelle Führer natürlich nach wie vor der sichere Weg. Es ist ein schwieriges Thema.  

Haben Sie schon einmal eine Online-Bewertung abgegeben?

Nein. Noch nie. Ich habe überhaupt nichts gegen Online-Bewertungen. Kritik gehört dazu. Sobald man irgendetwas öffentlich anbietet. Die Frage ist, wie misst man, wer etwas besser macht als der andere? Wenn ich weiß, wer etwas geschrieben hat, hilft es mir zumindest ein bisschen weiter.