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Versteigerung Wein aus dem All: Auktionshaus will eine Million Dollar für die Flasche

Eine Flasche des Pétrus-Rotweins
Philippe Darriet, Präsident des I.S.V.V. Weininstitut der Universität von Bordeaux, zeigt eine der Flaschen, die mehr als ein Jahr lang auf der Raumstation ISS reiften.
© Christophe Ena/ / Picture Alliance
Mehr als ein Jahr lang reisten zwölf Flaschen Pétrus an Bord der Raumstation ISS durchs All. Jetzt wird eine davon vom Auktionshaus Christie's versteigert. Der Schätzwert des Weins ist galaktisch.

Im November 2019 wurden 12 prestigeträchtige Flaschen Pétrus-Wein zur Internationalen Raumstation ISS geschickt. Nicht etwa, um den Astronauten an Bord einen vorweihnachtlichen Schwips zu beschweren. Nein, der Wein war auf ganz eigener Mission. Wissenschaftler wollten herausfinden, ob der Rotwein im All anders reift als auf der Erde. Dafür kreisten die Flaschen mehr als 400 Tage lang um die Erde. Insgesamt legten sie 300 Millionen Kilometer in der Schwerelosigkeit zurück, bevor sie im Januar zurückkehrten. Jetzt wird eine Flasche davon vom Auktionshaus Christie's versteigert. Eine Million Dollar soll das weitgereiste Stück einbringen.

Pétrus-Weine gehören ohnehin zu den teuersten der Welt. Nur etwa 30.000 Flaschen werden jährlich produziert. Der Ausflug in den Weltraum soll nun den Preis noch einmal ordentlich nach oben jazzen. Ein Argument dafür: der besondere Geschmack. Denn genau den hatte das Unternehmen "Space Cargo Unlimited" im Sinn, als sie die Flaschen des französischen Weins Pétrus 2000 auf Reisen schickte - aber nicht nur. 

Lebensmittel aus dem Weltraum?

Im Rahmen des privat finanzierten Weltraumforschungsprogramms "WISE" wollte man unter anderem erkunden, welche Auswirkungen die Zeit in der Schwerelosigkeit auf den Rotwein, gekeltert aus Merlot-Trauben, hat. Das Programm zielt darauf ab, Möglichkeiten zu finden, wie Nicolas Gaume, der Mitbegründer und CEO des Unternehmens in einer Erklärung darstellte, "die Landwirtschaft und die Lebensmittel zu erfinden, die wir auf der Erde für morgen brauchen".

Hatte der Aufenthalt im All einen Effekt? Nachdem Wissenschaftler die Flaschen analysiert hatten, kam eine Gruppe ausgesuchter Weinverkoster in den Genuss. Bei einem Tasting am Weininstitut der Universität von Bordeaux wurden die Weine, die auf der Erde reiften, mit den Weltraumrückkehrern verglichen. Und tatsächlich: Die Experten schmeckten deutliche Unterschiede.

"Es ist schwer für mich zu sagen, ob er besser oder schlechter schmeckte. Aber definitiv anders", sagte Jane Anson, Autorin von "Inside Bordeaux" der "BBC". Ob die Schwerelosigkeit oder die Reise selbst für die geschmackliche Veränderung verantwortlich war, wagte sie nicht zu sagen. Doch die Aromatik sei "blumiger und rauchiger" gewesen. Dabei handle es sich um Aromen, die Pétrus klassischerweise durch den Reifeprozess entwickle. 

Versteigerung: Wein aus dem All: Auktionshaus will eine Million Dollar für die Flasche

Pétrus-Weine sind bekannt dafür, gut zu altern. Es gebe nicht viele Weine, die 60, 70 Jahre alt werden können, Pétrus aber schon, erklärte Anson. Schon allein deswegen sei die Weinwahl für dieses Projekt eine gute gewesen, dazu kommt das Renommee der Marke. Drei von zwölf Flaschen wurden für die Verkostung geöffnet, acht werden für Forschungszwecke zurückbehalten.

Eine einzige Flasche wird nun verkauft, dazu eine reguläre Flasche des 2000er-Jahrgangs. Diese kosten in der Regel mehrere Tausend Euro. "So dass der glückliche Käufer in der Lage sein wird, die beiden zu vergleichen", so Tim Triptree, Weinexperte des Auktionshauses. Christie's rechnet mit einem Erlös von einer Million Dollar, also etwa 830.000 Euro. Das wäre Rekord. Noch nie wurde mehr für eine Flasche Wein bezahlt. Der Erlös aus der Auktion soll in weitere Weltraumexperimente des Unternehmens fließen. 

tpo

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