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Seltener Scotch Ardbeg verkauft ein einziges Whiskyfass für 19 Millionen Euro – und stellt damit sogar Macallan in den Schatten

Ardbeg verkauft Whiskyfass für Rekordpreis
19 Millionen Euro für ein Whiskyfass: Ardbeg hat einen Deal abgeschlossen, der die Branche staunen lässt.
© Matthias Haupt
Die Preise für seltene Whiskys sind in den letzten Jahren so dermaßen in die Höhe geschnellt, dass Otto-Normal-Trinker nur erblassen können. Wieder sind es die Schotten, die jetzt mit einem Mega-Deal die Branche in Staunen versetzen.

Die einen träumen von einem Porsche Spyder, andere von einem Fass Whisky. Lassen Sie es sich gesagt sein, der 550 RS ist eine Legende. Der Porsche war nicht nur äußerst erfolgreich auf der Rennstrecke, mit einem solchen Modell trat Hollywood-Beau James Dean einst seine letzte Fahrt an. Nur noch wenige gut erhaltene Stücke gibt es, der Preis ist entsprechend knackig und geht schon mal über die fünf Millionen. Tja. Das ist allerdings nichts im Vergleich zu dem Preis, der nun für ein einziges Fass Whisky aus dem Ärmel gezaubert wurde. Die Rarität aus dem Hause Ardbeg wurde für sage und schreibe 16 Millionen Pfund verscherbelt. Umgerechnet nahezu 19 Millionen Euro. Oder vier Porsche Spyder. Mit dem Verkauf stellt Ardbeg alle bisherigen Fass-Rekorde in den Schatten.

Bisher war es in erster Linie die schottische Brennerei Macallan, die mit immer neuen Rekorden bei den Investoren für Schnappatmung sorgte. Für keine Flasche Whisky wurde bisher mehr Kohle hingeblättert als für einen Macallan 1926. Der 60-jährige Scotch wechselte für knapp 1,7 Millionen den Besitzer. Das sind beinahe Peanuts im Vergleich zu den Verkaufsnachrichten, die nun ebenfalls aus Schottland die Runde machen. Demnach hat die Destille ein Fass aus dem Jahr 1975 an einen privaten Sammler veräußert. Die Besonderheit: Es handelt sich dabei laut Ardbeg um den ältesten Scotch der Brennerei, der je auf den Markt gekommen ist. Und könne zudem auch noch mindestens ein Jahrzehnt lang nicht "nachgebaut" werden.

Der älteste Scotch von Ardbeg

Die Whiskybrennerei Ardbeg gibt es bereits seit 1815. Also rund 150 Jahre länger als das Fass alt ist. Dass es sich dabei dennoch um den ältesten erhaltenen Scotch handelt, liegt an den Existenznöten, welche das Unternehmen in den 70ern und 80ern durchlebte. Um zu überleben, verkaufte die Brennerei in den 70ern so gut wie alle Bestände, schloss 1981 dann ihre Pforten, um ein paar Jahre später einen Neustart zu wagen. 1996 schloss die Destille wieder und wurde ein Jahr später von Glenmorangie gekauft. Seither läuft's bei Ardbeg. "Noch vor 25 Jahren stand Ardbeg am Rande des Aussterbens, doch heute ist er einer der begehrtesten Whiskys der Welt", so CEO Thomas Moradpour in der Verkaufsankündigung.

Nur noch wenige Fässer des als Cask No.3 bekannten Whiskys aus dieser Zeit gibt es noch. Es handele sich um einen außergewöhnlichen Geschmack aus Ardbegs Vergangenheit, zitiert das Magazin "Food and Wine" Bill Lumsden, der in der Destille für die Kreationen zuständig ist. "Seine Aromen sind nussig, kräuterig und rauchig, während seine Geschmacksnoten von Teer, Espresso und Minze eine erstaunliche Finesse für einen Whisky dieses Alters aufweisen", sagte er. Der anonyme Sammler selbst wird in diesen Geschmack aber vorerst nicht kommen. Es ist vorgesehen, dass das Fass für die kommenden fünf Jahre in der Brennerei bleibt. Geplant sei laut Ardbeg, dass binnen dieser Zeit jährlich je 88 Flaschen abgefüllt werden. Am Ende soll so eine Sammlung aus 440 Flaschen mit 46, 47, 48, 49 und 50 Jahre altem Scotch zusammenkommen.

440 Flaschen für die Whisky-Sammlung

Da ein Fass 440 Flaschen Scotch enthält, liegt der Verkaufspreis pro Flasche bei rund 43.000 Euro, also weit unter dem Preis, der für den Macallan 1926 bezahlt wurde. Doch für ein Fass wurde bisher noch nicht mehr bezahlt – zumindest soweit bekannt. Denn Privatkäufe müssen nicht offengelegt werden. Es ist also durchaus möglich, dass im stillen Kämmerlein schon größere Deals abgeschlossen wurden. Dennoch sagte ein Ardbeg-Sprecher zu "Food and Wine", dass das Unternehmen davon ausgehe, dass es sich um einen Rekord für den Verkauf eines einzelnen Single Malt-Fasses handele. "Es ist sicherlich das teuerste, das wir je verkauft haben, und – obwohl wir keinen Zugang zu Informationen über private Verkäufe von Wettbewerbern haben – deuten die öffentlich zugänglichen Informationen darauf hin, dass es sich um einen Rekord in der Kategorie handelt."

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tpo

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