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Armenspeisung Vom Mafiosi zum Wohltäter: Wie Al Capone zu seiner Suppenküche kam

Al Capones Suppenküche
Mit seiner Suppenküche eroberte Al Capone die Herzen der Chicagoer - der Hunger war groß, die Warteschlangen lang.
© Photo 12 / Picture Alliance
Vor rund acht Jahrzehnten regierte in Chicago ein Mann: Al Capone. Schmuggel, Glücksspiel und Prostitution waren sein Geschäft. Für andere war er eine Art Robin Hood, denn er gab auch den Armen zu essen.

Al Capone gehört zu den berühmtesten Gangsterbossen der US-Geschichte. Sein Geld machte der Mafiosi in den 20er-Jahren unter anderem mit Prostitution, Glücksspiel und Alkohol-Schmuggel. Er gilt als einer der großen Nutznießer der Prohibitionszeit. Über ein riesiges Netzwerk soll er Tausende Speakeasy-Bars und Bordelle im Mittleren Westen mit Alkohol beliefert haben. Bestechung, Erpressung und Mord gehörten zu seinem Alltagsgeschäft.

Innerhalb kürzester Zeit scheffelte er so viele Dollar, dass er zum illustren Kreis der reichsten Männer des Landes gezählt wurde. Aber er hatte nicht nur ein dickes Portemonnaie, sondern auch viel Einfluss. "Mir gehört die Polizei", soll der Unterweltsboss einmal gesagt haben.

1929 gipfelte sein kriminelles Tun im Valentin-Massaker, bei dem sieben Rivalen in seinem Auftrag ermordet wurden. Bekannt ist "Al" aber  auch für etwas anderes: Armenspeisung. Mitten in der Wirtschaftskrise eröffnete er eine Suppenküche und sorgte dafür, dass die Chicagoer etwas in die Mägen bekamen. 

Al Capone im Deckmantel eines Robin Hood

Das normale Volk hatte kaum Berührungspunkte mit den Machenschaften der Banden in der Stadt. Was die Unterwelt trieb, lag fern der Lebensrealität der Otto-Normal-Bürger. Viele hatten beim Börsenkrach ihren Job verloren und nagten am Hungertuch, sie benötigten dringend Hilfe. Der perfekte Nährboden für Capone, um bei den Menschen gut Wetter zu machen.

Inmitten der "Great Depression", der schweren Wirtschaftskrise, eröffnete er eine Suppenküche und überraschte damit viele. Die Zeitungen überschlugen sich, konnten nicht glauben, dass sich hinter dem Wohltäter der umstrittene Gangsterboss verbergen sollte. Die "Chicago Evening Post" berichtete davon, dass Capone "mit der Hilfe einiger Freunde" etwa 1100 Menschen täglich verköstigen wolle. 

Die "New York Times" schätzte allerdings, dass beinahe dreimal so viele Menschen täglich in die Suppenküche zum Essen kamen und Capone 2100 Dollar wöchentlich ausgab. "Capone, der die Liste der Staatsfeinde der Verbrechenskommission anführt, verwendet einen Teil seines großen Einkommens aus Alkohol und Gaunereien für die Ernährung von täglich etwa 3000 hungrigen Männern in einer Suppenküche in der South State Street 935", berichtete das Blatt. Eingeladen war jeder, ein Nachschlag wurde nicht verwehrt. 

Armenspeisung als Marketingstrategie

Jeden Tag sollen in der Suppenküche 350 Brote, Hunderte Brötchen, 50 Pfund Zucker und 30 Pfund Kaffee ausgegeben worden sein im Wert von etwa 300 Dollar. Für Capone ein Taschengeld. Schließlich machten des Gangsters wichtigste Spielhallen laut Fred Ries, Capones Buchhalter, zu dieser Zeit monatlich allein 25.000 Dollar. Dennoch: Aus eigener Tasche hat Capone die Suppenküche wohl nicht betrieben. Vermutet wird, dass er die verkochten Güter stattdessen - seinem Stil getreu - schlicht von Unternehmen erpresste. 

Capones Marketingstrategie ging auf. Viele feierten "Scarface" als einen Mann, der dort einsprang, wo der Staat versagte - als Unterstützer der kleinen Leute. Al Capone erarbeitete sich einen Ruf als eine Art Robin Hood. Die Rückendeckung der Bevölkerung wuchs. 

Der Mafaboss Al Capone (rechts), auch als "Scarface" bekannt
Der Mafaboss Al Capone (rechts), auch als "Scarface" bekannt
© Uncredited/ Ap / / DPA

Die "Daily Independant" malte sich mit Erschecken aus, was passieren könnte, würde der Mafiosi für das Bürgermeisteramt kandidieren und befürchtete, dass Capone eine gewaltige Wählerschaft haben würde. Es sei durchaus denkbar, schrieb das Blatt, dass er gewählt werden würde, wenn er sein soziales Engagement weiter ausbaue.

Dazu kam es nicht. 1932 landete der berüchtigte Gangsterboss wegen Steuerhinterziehung hinter schwedischen Gardinen. Sieben Jahre saß er ein. Als er entlassen wurde, war die große Karriere vorüber.1947 starb Alphonse Capone in Florida mit 48 Jahren, wohl von einer Syphilis-Erkrankung körperlich und geistig geschwächt, an einer Lungenentzündung. 

Quellen: New York TimesHistory, FBI

tpo

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