Toter Motorradfahrer
"Ungebremst reingefahren" - Zeugen schildern Raser-Unfall

Vor dem Landgericht in Neuruppin steht ein 35-Jähriger wegen des Verdachts des illegalen Fahrzeugrennens mit Todesfolge vor Geri
Vor dem Landgericht in Neuruppin steht ein 35-Jähriger wegen des Verdachts des illegalen Fahrzeugrennens mit Todesfolge vor Gericht. (Archivbild) Foto
© Carsten Koall/dpa
Im Berliner Speckgürtel kommt es zu einem schweren Unfall. Ein Auto knallt an einer Baustelle mit hoher Geschwindigkeit in eine Gruppe Motorradfahrer. Ein Mensch stirbt. Der Angeklagte zeigt nun Reue.

Nach einem tödlichen Unfall auf der A10 bei der Gemeinde Mühlenbecker Land (Landkreis Oberhavel) hat der Angeklagte bei den Opfern und deren Hinterblieben um Entschuldigung gebeten. Er habe den "Menschen erheblich geschadet" und könne "den Verlust nie wieder gut machen". "Es ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht daran gedacht habe, welchen Kummer ich angerichtet habe", sagte er vor Gericht.

Dem 35-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, im August 2022 auf der A10 bei der Gemeinde Mühlenbecker Land (Landkreis Oberhavel) mit mehr als 190 Stundenkilometern und stark alkoholisiert einen Unfall verursacht zu haben. Dabei starb ein 39-jähriger Motorradfahrer. Ein 81 Jahre alter Autofahrer sowie der damals 31-Jährige wurden leicht verletzt. Die Polizei stellte bei dem Angeklagten vor Ort einen Atemalkoholwert von 2,7 Promille fest.

"Will der nicht langsam mal bremsen?"

Ein Augenzeuge schilderte zum Prozessauftakt, wie der Angeklagte mit seinem Auto wegen einer Einengung auf der Autobahn von der rechten auf die mittlere Spur wechselte und dabei in zwei Motorradfahrer reinfuhr. "Will der nicht langsam mal bremsen?", habe er gedacht. "Ich habe keine Bremslichter gesehen." Dann sei das Auto "ungebremst reingefahren", schilderte er vor Gericht. 

An der Unfallstelle waren laut Staatsanwaltschaft wegen einer Baustelle 80 Kilometer pro Stunde zugelassen, der Angeklagte soll jedoch seinen Wagen mit einer Geschwindigkeit von fast 200 Stundenkilometern geführt haben. Er habe eine möglichst hohe Geschwindigkeit erreichen wollen, sagte der Staatsanwalt. Die Behörde wirft dem Angeklagten ein illegales Kraftfahrzeugrennen mit Todesfolge vor.

Getöteter wurde durch die Luft geschleudert

Der Angeklagte sei mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit auf die Baustelle zugefahren, berichteten auch andere Zeugen. Kurz darauf sei es zu dem Unfall gekommen. "Ich habe bloß den Toten durch die Luft schleudern sehen", berichtete einer der Zeugen.

Angeklagter: Nur ein Glas Wein getrunken

Es sei ein unübersichtlicher Unfallort gewesen, berichteten die hinzugerufenen Polizisten vor dem Landgericht. Überall hätten Trümmerteile umhergelegen. Den Angeklagten hätten sie im Krankenwagen angesprochen und zum Unfall befragt. Er sei augenscheinlich unversehrt gewesen, habe aber wahrnehmbar nach Alkohol gerochen, sagte einer der Polizisten. "Er sagte, er habe ein Glas Wein am Morgen getrunken."

Ansonsten habe der Angeklagte recht gefasst gewirkt. "Die Kommunikation war gut", beschrieb der Polizeibeamte. Deswegen habe ihn auch der später festgestellte Atemalkoholwert sehr überrascht. "Ich hatte nicht das Gefühl, dass er komplett neben der Spur stand." Bei dem Prozess sind insgesamt zwei Verhandlungstermine anberaumt. Der nächste Termin soll am 19. März stattfinden.

dpa