Marode Infrastruktur
Bonner Nordbrücke hat für Schnieder „absolute Priorität“

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (Mitte) hat sich vor Ort ein Bild von der Sperrung der Nordbrücke gemacht. Foto: Benjam
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (Mitte) hat sich vor Ort ein Bild von der Sperrung der Nordbrücke gemacht. Foto
© Benjamin Westhoff/dpa

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Die vielbefahrene Bonner Nordbrücke ist dicht, für den regionalen Autoverkehr eine erhebliche Belastung. Ob sie noch einmal freigegeben werden kann, ist weiter unklar.

Die Verbesserung der Verkehrslage nach der Sperrung der vielbefahrenen Bonner Nordbrücke hat für Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder nach eigenen Worten „absolute Priorität“. Grund seien die „dramatischen Auswirkungen“, sagte der CDU-Politiker bei einem Besuch vor Ort. „Die Bedeutung der Brücke ist enorm für Bonn und für die umliegende Region. Die prägende Ost-West-Verbindung - etwa 100.000 Fahrzeuge am Tag, aber auch den Rad- und Fußverkehr wollen wir nicht unterschlagen, auch der ist wichtig.“

Auch der Chef der Autobahn GmbH des Bundes, Michael Güntner, versicherte, es gebe für die Autobahn GmbH derzeit kein wichtigeres Projekt als die Bonner Nordbrücke. „Wir werden alles tun, hier die Probleme schnellstmöglich zu lösen“, sagte er. Zurzeit ist aber unklar, ob die Brücke noch einmal geöffnet werden kann. 

Dirk Brandenburger, technischer Geschäftsführer der Autobahn GmbH, sagte, derzeit liefen technische Untersuchungen. „Es müssen dann erneute statische Berechnungen durchgeführt werden, um zu einer ingenieurtechnisch belastbaren Aussage zu kommen, um dann entscheiden zu können: Kann das Bauwerk noch in irgendeiner Art und Weise mit technischen Möglichkeiten nochmal ertüchtigt werden oder kommen wir in eine Situation, wo das Bauwerk dauerhaft gesperrt bleiben muss? Darüber möchte ich heute nicht spekulieren.“ In ein paar Tagen werde man möglicherweise Genaueres wissen.

Wie es mit der Brücke weitergeht, ist derzeit nicht bekannt

Auch NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) sagte, Spekulationen über die Zukunft der Brücke würden sich derzeit verbieten. Es müsse jetzt abgewartet werden, in welchem Zustand sich das Bauwerk befinde. Er sei sehr froh darüber, dass Schnieder so schnell angereist sei, um mit seinem Besuch auch deutlich zu machen, dass es hier nicht um irgendein Bauwerk gehe, „sondern dass das oberste Priorität in der Bundesregierung hat“. Das zeige, dass die Brücke ganz oben auf der Agenda stehe.

„Sicherheit hat immer oberste Priorität“, sagte Schnieder. „Jetzt geht es darum, dass wir möglichst schnell diese Brücke wieder befahrbar machen.“ Der Bund werde mit aller Kraft dafür eintreten, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. Der Chef der NRW-Staatskanzlei, Nathanael Liminski (CDU), sagte, es werde jetzt parteiübergreifend angepackt. „Wir müssen jetzt erst einmal dafür sorgen, dass die Belastung so gering wie möglich gehalten wird.“

Die vielbefahrene Autobahnbrücke über den Rhein war am Mittwoch wegen neu entdeckter Schäden bis auf weiteres für den Verkehr gesperrt worden. Unter anderem waren Risse im Beton und Korrosionsschäden im Betonstahl festgestellt worden. Die Brücke ist Teil der Autobahn 565 und die wichtigste Ost-West-Verbindung für die Region. Über sie rollte bis zur Sperrung deutlich mehr Verkehr als über die lange gesperrte Rahmede-Talbrücke der Sauerland-Linie A45.

Handwerkskammer: Müssen schneller planen und bauen

Die regionale Wirtschaft drängt deshalb zur Eile. „Es ist vollkommen unakzeptabel, wenn so eine wichtige Schlagader erst nach 12 bis 15 Jahren wieder neu gebaut wird“, warnte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg, Hubertus Hille, im „Morgenecho“ von WDR 5. 

Solche Zeiträume seien bisher Standard gewesen für Brückenneubauten. „Das geht so nicht.“ Das Bundesverkehrsministerium und die Autobahn GmbH müssten dafür sorgen, dass die wichtigste Ost-West-Verbindung für diesen Raum in vier bis fünf Jahren wieder vollständig stehe, forderte er.

Auch der Präsident der Handwerkskammer zu Köln, Thomas Radermacher, betonte bei RTL/ntv: „So lange kann man die Region hier nicht ins Verkehrschaos stellen. Also müssen wir viel, viel schneller planen und bauen.“ Dass das möglich sei, habe der Neubau der Rahmede-Talbrücke bewiesen. Nach bisherigen Planungen sollte der Neubau der zuvor schon durch zahlreiche Schäden aufgefallenen Nordbrücke frühestens in den 2030er Jahren beginnen. 

„Keine Maus darf mehr über diese Brücke“ 

Die am Mittwochnachmittag vollzogene Komplettsperrung betreffe nicht nur Unternehmen, sondern habe enorme Auswirkungen auf viele Bürger, unterstrich Hille. Die Nordbrücke sei ja nun nicht nur für Autos und Lkw gesperrt, sondern sogar für Fußgänger und für Fahrradfahrer. „Keine Maus darf mehr über diese Brücke.“ 

Der Bonner Oberbürgermeister Guido Deús (CDU) sagte, derzeit würden Maßnahmen geprüft, um Bürger und Wirtschaft kurzfristig zu entlasten. Dazu gehörten möglichst großzügige Homeoffice-Regelungen in Stadtverwaltung und regionaler Wirtschaft, kurzfristig einzurichtende Park-and-Ride-Flächen und die Verstärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs. Das große Thema sei aber ein zügiger Neubau. „Wir wissen, in Deutschland sieht es wie folgt aus: Wir haben über Jahrzehnte - egal, wer Verantwortung getragen hat - Sanierungsstau entstehen lassen. Egal wo: auf den Straßen, bei der Deutschen Bahn, in unseren Schulen, in unseren Kitas, auf unseren Sportplätzen.“

dpa