Ein zweitägiger Warnstreik in Nordrhein-Westfalens Nahverkehr hat begonnen. Die Einschränkungen sind massiv, wie betroffene Verkehrsunternehmen vermeldeten. Aus Bielefeld hieß es, es seien nur wenige Busse unterwegs und es führen gar keine Stadtbahnen. Die Kölner Verkehrs-Betriebe strichen alle Fahrten ihrer Busse und der Stadtbahn, Subunternehmer sollen dort zumindest "vereinzelte Fahrten" ermöglichen, wie die KVB schrieb.
Die Düsseldorfer Rheinbahn plante ein "Not-Netz" mit Bussen, schränkte aber ein: "Ob und in welchem Umfang die Fahrten tatsächlich stattfinden können, hängt jedoch von der aktuellen Streiksituation ab."
Aus Dortmund hieß es, der Nahverkehr stehe weitgehend still. Die Bonner Stadtwerke teilten mit, dass Busse und Bahnen an beiden Streiktagen im Depot blieben. Die Bogestra aus Bochum und Gelsenkirchen teilte mit, am Freitag und Samstag würden in ihrem Betriebsgebiet keine Nahverkehrsfahrten mehr durchgeführt, auch von Subunternehmern nicht.
In anderen Städten sah es für Fahrgäste besser aus, das in Moers und Wesel tätige Unternehmen Niag berichtete von eher moderaten Einschränkungen. S-Bahnen und Regionalzüge sind nicht betroffen, da die von der Deutschen Bahn und anderen Bahnunternehmen betrieben werden, die nicht Teil der laufenden Tarifverhandlungen sind.
Verdi bewertet die Streikmaßnahmen als notwendig, um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. "Die Beschäftigte sind entschlossen und stehen zusammen, sie wollen ein vernünftiges Angebot der Arbeitgeber bekommen", sagte der Branchenkoordinator von Verdi NRW, Lukas Frew. "Dafür setzen sie ein Ausrufezeichen." Die Arbeitsplätze in der Branche müssten attraktiver gemacht werden, damit sich junge Leute für diese Berufe entscheiden und der Personalmangel gelindert werden kann. Es geht um Bus- und Straßenbahn-Fahrer sowie um Beschäftigte in den Werkstätten und Leitstellen sowie in der Verwaltung.
In den frühen Morgenstunden kamen viele Beschäftigte zu den Betriebshöfen ihrer Unternehmen, um sich dort bei Verdi in Streiklisten einzutragen und ihr Streikgeld zu bekommen. Mancherorts hielten Verdi-Vertreter kurze Reden. Zentrale Kundgebungen waren nicht geplant.
Gewerkschafter Frew rechnete mit einer ähnlich hohen Beteiligung wie bei dem ersten Warnstreik im laufenden Tarifkonflikt am 2. Februar. Damals hatten nach Angaben von Verdi circa 12.000 von gut 30.000 Beschäftigten ihre Arbeit niedergelegt. Erneut werden mehr als 30 kommunale Verkehrsunternehmen bestreikt, die den größten Teil von NRW abdecken. Die Arbeitsniederlegungen sollen erst am frühen Sonntagmorgen enden. Nachtbusse, die am Sonntag planmäßig um kurz nach Mitternacht fahren sollen, dürften noch ausfallen, da sie der am Samstag begonnenen Spätschicht zugerechnet werden.
Lange Liste an betroffenen Städten
Die Liste der Städte, die von den Arbeitsniederlegungen betroffen sind, ist lang. Unter ihnen sind Bonn, Köln, Düsseldorf, Essen, Münster, Krefeld, Herne, Gelsenkirchen, Bochum, Castrop-Rauxel, Moers, Wesel, Gütersloh und Bielefeld. Zu den wenigen Ausnahmen gehören Aachen und Paderborn, deren Kommunalbetriebe nicht unter den aktuell verhandelten Tarifvertrag fallen.
Wuppertal fällt zwar darunter, gestreikt wird dort aber trotzdem nicht: Man möchte dort die dortigen Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen der Schwebebahn nicht beeinträchtigen, daher drückt Verdi gewissermaßen ein Auge zu.
Arbeitgeber und Gewerkschaft noch weit auseinander
Bei der ersten Verhandlungsrunde waren die Positionen von Verdi und von den Arbeitgebern noch weit voneinander entfernt. Verdi fordert, die Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich um zwei Stunden auf 37 Stunden zu reduzieren. Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll von zehn auf mindestens elf Stunden erhöht werden, und der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll von 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen. Dieser Verbesserungen sollen dazu führen, dass der Beruf attraktiver wird und der Fachkräftemangel abnimmt. Außerdem pocht die Gewerkschaft auf deutlich mehr Investitionen in Infrastruktur und Personal.
Aus Sicht der Arbeitgeber sind Verdis Forderungen unbezahlbar und überzogen. Der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen (KAV) weist darauf hin, dass die Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr erst im vergangenen Jahr Entgeltsteigerungen von 5,8 Prozent bekommen hätten.
"Würde man den Forderungen der Gewerkschaft nachkommen, wäre der Leistungsauftrag der Nahverkehrsunternehmen für die Bürgerinnen und Bürger im Ergebnis nachhaltig gefährdet", sagt KAV-Hauptgeschäftsführer Bernhard Langenbrinck. Die Tarifverhandlungen sollen am kommenden Montag fortgesetzt werden.