Projekt in Kaiserslautern
Politik und Wirtschaft hoffen noch auf Batteriezellfertigung

Rund um das Opel-Gelände in Kaiserslautern sitzen mehrere Hochschulen und Forschungseinrichtungen, echte Argumente für den Stand
Rund um das Opel-Gelände in Kaiserslautern sitzen mehrere Hochschulen und Forschungseinrichtungen, echte Argumente für den Standort, wie Befürworter des Werks betonen. (Archivfoto) Foto
© Oliver Dietze/dpa
Die Fabrik in Kaiserslautern könnte am Ende anders aussehen, als ursprünglich gedacht. Der Blick weitet sich, ein Stück weg von der Autobranche hin zu anderen Einsatzgebieten der Batterietechnik.

Trotz des wahrscheinlichen Rückzugs des Unternehmens ACC beim geplanten Batteriezellenwerk in Kaiserslautern glauben Politik und Wirtschaft in Rheinland-Pfalz weiter an ein solches Projekt. Sowohl Landesregierung als auch Wirtschaftsvertreter betonten die große Bedeutung einer solchen Fertigung und sprachen sich dafür aus, beim Blick auf mögliche andere Investoren auch jenseits der Automobilbranche zu schauen. 

"Es geht um Batteriezellen als Querschnittstechnologie", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD), der zu einem runden Tisch in die Staatskanzlei in Mainz geladen hatte. Mit dabei waren Vertreter aus der Landespolitik, von Gewerkschaften, Unternehmerverbänden und von dem Gemeinschaftsunternehmen Automotive Cell Company (ACC). 

Viel Fördergeld ist zugesagt

Hinter ACC stehen die Konzerne Stellantis, Mercedes-Benz und Total Energies. ACC wollte am Standort der Stellantis-Tochter Opel in Kaiserslautern das Batteriezellwerk bauen. Deutschland und Frankreich hatten Fördermittel in Höhe von 1,3 Milliarden Euro zugesagt, rund 2.000 Arbeitsplätze sollten entstehen. Allein das deutsche Werk sollte mit Steuergeld in Höhe von rund 437 Millionen Euro unterstützt werden. 

Anfang Februar hieß es dann in einer ACC-Stellungnahme, die bereits 2024 auf Eis gelegten Standorte in Deutschland und Italien rechneten sich nicht mehr. Hintergrund ist unter anderem die anhaltend schwache Nachfrage ⁠nach Elektroautos in Europa. 

Der Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Unternehmerverbände (LVU) Rheinland-Pfalz, Karsten Tacke, sagte nach dem runden Tisch in Mainz, wenn ACC glaube, dass sich das Projekt für Automotive derzeit nicht trage, müsse nach neuen Partnern Ausschau gehalten werden. Es gebe zahlreiche Verwendungszwecke für Batteriezellen auch außerhalb der Automobilbranche, etwa in der Rüstungsindustrie oder bei der Energiespeicherung. 

Schweitzer: Geht um Grundsatzentscheidung

Ähnlich klang das bei Schweitzer. Batteriezellen würden auch in kritischer Infrastruktur oder für Wehrtechnik benötigt, sagte der SPD-Politiker. "Wenn Sie sich anschauen, dass wir Drohnen haben, die uns in Deutschland schützen sollen, die auf chinesischer Technologie laufen, dann weiß man doch, was jetzt die Uhr geschlagen hat", betonte der Ministerpräsident. "Wenn wir jetzt den Zug verpassen, werden wir das in vielen Jahren in Deutschland bereuen." 

Es gehe um eine Grundsatzentscheidung für Deutschland, sagte Schweitzer weiter. Daher müsse die Bundesregierung zu einem runden Tisch auf Bundesebene einladen. Falls ein Unternehmen von Bord gehe, müsse die Bundesregierung sich auf den Weg machen und womöglich ein neues finden. 

Die Oberbürgermeisterin von Kaiserslautern, Beate Kimmel (SPD), nannte den Austausch in Mainz einen großen Gewinn. Von politischer Seite müsse klar adressiert werden, dass ACC ein großer Vertrauensvorschuss gegeben worden sei. Sie habe die Hoffnung auf das Batteriezellwerk noch nicht aufgegeben, sagte Kimmel und ergänzte: "Wir müssen aber auch einen Plan B andenken."

dpa

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