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Coronavirus-Update Corona-Symptom oder Kita-Erkältung? Virologin erklärt, was Eltern bei einer Schnupfennase tun können

Sandra Ciesek im Coronavirus-Update
Sandra Ciesek ist Leiterin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt
© Universitätsklinikum Frankfurt
In der neuen Folge des Coronavirus-Updates schildert die Virologin Sandra Ciesek, wie sich eine Corona-Infektion bei Kindern bemerkbar machen könnte – und wie sie über die Grippe-Impfung denkt. 

Die Virologin und Medizinerin Sandra Ciesek hat ihr Debüt im Corona-Podcast des NDR gegeben. Ciesek und der Berliner Virologe Christian Drosten werden sich in dem wöchentlich erscheinenden Format fortan abwechseln – mit unterschiedlichem Fokus. Während Drosten in erster Linie Einblick in aktuelle Forschungsthemen rund um das Coronavirus gibt, informiert Ciesek auch über klinische Aspekte und möchte verstärkt auf Zuschauerfragen eingehen. In der aktuellen Folge berichtete sie über die Unterschiede zwischen asymptomatischen und präsymptomatischen Corona-Patienten – und wie sich eine Infektion bei Kindern bemerkbar machen könnte. Auch mit einem Missverständnis aus der vergangenen Woche räumte sie auf.

In der zurückliegenden Folge hatte Christian Drosten vorgeschlagen, alle Personen eines Corona-Clusters für fünf Tage in Quarantäne zu schicken und im Anschluss freizutesten – eine Art Notfallplan, um das Infektionsgeschehen in Cluster-Situationen schnell eindämmen zu können.

Doch in der anschließenden öffentlichen Diskussion wurden Begriffe wie Isolation und Quarantäne miteinander verwechselt. "Das muss man schon möglichst trennen", so Ciesek. "Isolation sind die Infizierten", sagte die Virologin. "Quarantäne sind die Kontaktpersonen." Um eine Verwechslung zu vermeiden, wählte Drosten für seinen Vorschlag daher auch den Begriff der "Abklingzeit". Dennoch kam es zur Verwirrung. Dass alle Menschen nur noch fünf Tage in Quarantäne müssten, das habe er "wirklich nicht gemeint", so Ciesek. Drosten hatte die Begrifflichkeiten bereits vor einigen Tagen auf seinem Twitter-Account präzisiert.

Ähnlich kompliziert ist es bei asymptomatischen beziehungsweise präsymptomatischen Verläufen mit dem Coronavirus. Ein präsymptomatischer Verlauf bedeute, dass die Person noch keine Symptome habe und erst später welche entwickle, so Ciesek. Wer einen asymptomatischen Verlauf hat, zeigt dagegen zu keinem Zeitpunkt Symptome. Man könne deshalb erst im Nachhinein sagen, ob eine Person wirklich asymptomatisch gewesen sei, so Ciesek. Sie verwies auch auf Unterschiede in der Wahrnehmung von Beschwerden, die die Einteilung zwischen symptomatischen und asymptomatischen Verläufen erschweren.

Symptome sind oft subjektiv

Während Fieber ein "objektives", da messbares Symptom sei, seien andere Symptome wie der Geschmacksverlust subjektiv. Zu den häufigsten Beschwerden würden Husten, gefolgt von Fieber, Schnupfen und Geruchs- und Geschmacksverlust zählen, so Ciesek. Die Medizinerin verwies auch darauf, dass die Symptome "sehr unspezifisch" sein könnten. So könnten Betroffene auch unter Ohrenschmerzen oder Müdigkeit leiden. Mitunter berichten sie über Übelkeit und Durchfall.

Grundsätzlich riet sie dazu, nicht bei jeder Befindlichkeitsstörung "vom schlimmsten Fall auszugehen". Auch das individuelle Risiko sollte berücksichtigt werden: Gab es Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person? Hatte man in den Tagen vor Beginn der Symptome Kontakt zu vielen Menschen oder war eher isoliert?

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Beim Thema Symptome verwies Ciesek auch auf Unterschiede zwischen Altersgruppen. "Im Schnitt sind Kinder nicht schwer erkrankt oder schwer betroffen von dieser Infektion", so die Medizinerin. Eine aktuelle Preprint-Studie aus Großbritannien würde auch zeigen, dass Kinder neben Fieber relativ häufig Beschwerden des Magen-Darm-Trakts entwickeln, darunter Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfall. Weitere Untersuchungen müssten nun aber zeigen, ob diese Symptome wirklich eine große Rolle spielen.

Ungewöhnlich seien die Beschwerden aber nicht. Auch bei der Influenza hätten Kinder oft auch gastrointestinale Symptome, weniger das klassische Beschwerdebild einer Grippe, so Ciesek.

Schnupfennase – ein Corona-Symptom?

Viele Eltern sind derzeit auch unsicher, ob Schnupfen auf eine Corona-Infektion bei Kinder hinweisen könnte. Wenn Schnupfen als alleiniges Symptom genannt werde, sei das eher selten, sagte Ciesek mit Blick auf Daten des Robert Koch-Instituts (RKI). Kleinkinder würden oft an Infekten der oberen Atemwege erkranken. Vor allem in der kalten Jahreszeit sei das "nichts Ungewöhnliches". Prinzipiell sei die Anzahl der Corona-Positiven in Deutschland im Moment "sehr niedrig". "Die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen der anderen 100 Viren haben, die zu Atemwegsinfektionen führen, ist, im Moment, wenn sie keinen Kontakt-, kein Risikoverhalten haben, sicherlich höher", so Ciesek. Sie könne die Unsicherheiten bei den Eltern aber sehr gut verstehen.

Werden neben dem Schnupfen weitere Beschwerden genannt, steigt dagegen die Wahrscheinlichkeit. Als Beispiele nannte Ciesek etwa Kopfschmerzen oder Bauchgrummeln. Gerade bei Kleinkindern wie Säuglingen könnten Symptome auch schnell übersehen werden, warnte die Virologin. Zeige ihre Tochter Schnupfensymptome, beobachte sie diese für einen Tag und schaue, "wo es hingeht". Die Frage, wie mit Schnupfensymptomen in der Praxis umgegangen werden soll, sei grundsätzlich schwer zu beantworten. "Das ist wirklich nicht einfach."

Allein auf Basis von Symptomen wie Husten und Fieber könne ein Mediziner nicht nach einzelnen Erregern unterscheiden, sagte Ciesek. Klarheit bringe nur eine Laboruntersuchung. Hoffnungsvoll blickt sie daher Richtung Herbst. Dann soll eine Methode namens Multiplex-PCR zur Verfügung stehen. Ein einzelner Abstrich könne damit parallel auf verschiedene Erreger hin untersucht werden, so Ciesek. Im Labor kann dann beispielsweise unterschieden werden, ob ein Patient an Grippe oder Covid-19 erkrankt ist. 

Grundsätzlich befürwortet sie auch den Vorschlag, alle Kinder gegen Grippe impfen zu lassen. Das sei "sicher eine gute Idee" – allerdings nur, wenn der Impfstoff dafür reicht. "Das ist ganz wichtig, dass man jetzt genaue Kriterien festlegt, damit die Dosen möglichst sinnvoll verteilt werden."

Hier können Sie die Folge nachhören.

ikr

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