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Pandemie Lambda-Variante in Europa – das ist über die Mutante bekannt

Peru Lambda Coronavirus: Eine Frau wird geimpft
Mitarbeiter vom peruanischen Gesundheitswesen impfen eine Frau gegen das Coronavirus
© Denis Mayhua / DPA
Die Corona-Variante Lambda verbreitete sich zuletzt in Lateinamerika. Jüngst gab es auch immer wieder Fälle in Europa. Viele Fragen zu der Variante sind allerdings noch offen.

Alpha, Beta, Gamma oder Delta: Weltweit zirkulieren verschiedene Varianten des ursprünglichen Coronavirus. Die, die sich durchsetzen können, haben meist einen oder mehrere Fitnessvorteile. Die derzeit in Deutschland vorherrschende Mutante Delta vereint wahrscheinlich zwei Merkmale, die ihr Vorteile verschaffen: Das Virus gilt einerseits als ansteckender und gleichzeitig scheinen aktuelle Impfstoffe weniger gut vor einer Infektion mit der Mutante zu schützen.

Derzeit gibt es auch viele Berichte über eine Variante, die sich zunächst in Südamerika verbreitet hat. Sie trägt den Namen Lambda oder C.37. Woher das neuerliche Interesse für Lambda stammt, ist nicht ganz klar. Vermutlich spielt ein vermuteter Ausbruch in der spanischen Region Kantabrien eine Rolle. Dort steht Lambda im Verdacht für einen Ausbruch mit rund 80 Infektionen verantwortlich zu sein, berichten spanische Medien. Auch in Großbritannien und Deutschland wurde die Variante bereits nachgewiesen, wenn auch vereinzelt. Was ist über die Mutante bekannt? 

In welchen Ländern hat sich Lambda bislang verbreitet?

Erstmals dokumentiert wurde die Variante in Peru im Dezember 2020. Berichten zufolge machte Lambda im April 2021 bereits 81 Prozent der Corona-Fälle in dem Land aus. Daten aus Genomsequenzierungen lassen vermuten, dass die Variante vor allem in Lateinamerika verbreitet ist, darunter Chile, Peru und Mexiko. Auch in den USA konnte die Variante bereits nachgewiesen werden. Das Portal GISAID, das weltweit Daten zum Vorkommen von Sars-CoV-2-Varianten sammelt und auswertet, listet derzeit 649 nachgewiesene Lambda-Fälle in den USA.

Grundsätzlich ist es nicht unüblich, dass sich einzelne Virusvarianten auch über Ländergrenzen hinweg ausbreiten. Führen Varianten allerdings immer wieder zu Ausbrüchen oder besitzen sie Mutationen, die beispielsweise auf eine höhere Übertragbarkeit hinweisen, werden sie unter Beobachtung gestellt. Das ist seit kurzem bei Lambda der Fall.

Wie bewertet die Weltgesundheitsorganisation WHO die Variante?

Seit dem 15. Juni steht die Variante unter Beobachtung der WHO. Sie ist damit eine von insgesamt 13 "Variants of Interest" (VOI). 

Eine Variante wird zur VOI, wenn sie genetische Merkmale aufweist, die in Verbindung mit veränderten Viruseigenschaften gebracht werden. Gleichzeitig führen VOI zu zahlreichen Ansteckungen oder Clustern in verschiedenen Ländern oder weisen andere Besonderheiten auf, die auf ein aufkommendes Risiko für die globale öffentliche Gesundheit hindeuten.

Eine Einstufung als besorgniserregende Variante (Variant of Concern, "VOC") gibt es für Lambda derzeit nicht. Zur VOC wird eine Mutante, wenn sich ihre Eigenschaften gegenüber der Ursprungsvariante so verändert haben, dass sie beispielsweise ansteckender ist oder der Immunantwort besser entgehen kann. Dafür braucht es entsprechende Belege. Die WHO listet derzeit vier Varianten als VOC: Alpha, Beta, Gamma und Delta. 

Welche Mutationen weist Lambda auf?

Die Variante weist sechs Veränderungen am Spike-Protein des Virus auf. Diese Veränderungen stehen immer unter besonderer Beobachtung, da das Virus das Protein nutzt, um an menschliche Zellen anzudocken. Gleichzeitig richtet sich die durch Impfstoffe ausgelöste Immunantwort primär gegen das Spike-Protein. Verändert sich das Protein, wirken Antikörper möglicherweise weniger gut gegen das Virus oder aber das Virus kann noch besser an menschliche Zellen andocken. Es ist jedoch auch denkbar, dass Mutationen keinerlei Vorteile für das Virus bedeuten.

Auch andere VOI und VOC weisen mehrere Veränderungen am Spike-Protein auf. Es handelt sich damit also um kein Alleinstellungsmerkmal der Lambda-Variante. 

Welche Informationen gibt es vom RKI zur Lambda-Variante?

Das Robert Koch-Institut (RKI) listet derzeit 103 bestätigte Lambda-Fälle für das gesamte Jahr 2021. Der Anteil der Variante erreichte seinen vorläufigen Höhepunkt in der 22. Kalenderwoche mit 0,4 Prozent. Danach sank der Anteil der Variante wieder ab und lag zuletzt wieder bei null Prozent (KW 25). 

Zum Vergleich: Im selben Zeitraum entwickelte sich Delta in Deutschland zur dominierenden Variante. Lag der Anteil an Delta in der 22. Kalenderwoche noch bei 7,8 Prozent aller untersuchten Proben, ist er mittlerweile auf 59,4 Prozent angestiegen (KW 25). 

Auch Spanien (55), Frankreich (14) und Italien (11) haben laut GISAID bereits Lambda-Fälle. Das Portal listet zudem sieben Fälle in Großbritannien. Die Zahlen liegen damit insgesamt aber auf einem niedrigen Niveau.

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Wie gefährlich ist Lambda?

Diese Frage ist aktuell kaum zu beantworten. Zwar gibt es Hinweise, dass die Variante aufgrund ihrer Mutationen infektiöser sein könnte oder der Immunantwort des Körpers besser entgehen könnte, erwiesen ist das letztlich aber nicht. Sollten entsprechende Daten vorliegen, würde Lambda von der WHO zunächst als besorgniserregende Variante eingestuft werden. 

In Deutschland konnte sich Lambda trotz einzelner Nachweise in den letzten Wochen bislang nicht durchsetzen. Das Augenmerk ruht hierzulande vielmehr auf der Delta-Variante des Virus. Experten vermuten, dass Delta die Fallzahlen in den kommenden Wochen Richtung Herbst erneut nach oben treiben könnte.

Eine hohe Impfquote von mindestens 85 Prozent könnte eine mögliche vierte Welle im Herbst nach Einschätzung des RKI aber eindämmen.

Quellen: Robert Koch-Institut (RKI) / Ärzteblatt / WHO


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