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Fragen und Antworten

SARS-CoV-2: Darf man nun nicht mehr nach Italien fahren? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus

Das Coronavirus verbreitet sich immer weiter. Doch wie sehr muss man sich fürchten? Und welche Sicherheitsmaßnahmen sind sinnvoll? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Coronavirus: Italienerin schildert Lage in Turin

Das Coronavirus hat mit dem Ausbruch in Italien endgültig auch in Europa Fuß gefasst und breitet sich auch in Deutschland weiter aus. Welche Risiken nun drohen, welche Maßnahmen sinnvoll sind und was weiter passieren könnte, erfahren Sie in dieser FAQ.

Wie ist der Ausbruch des neuen Coronavirus in Italien zu beurteilen?

Die rasch ansteigenden Fallzahlen haben dazu geführt, dass Italien bereits den vierten Rang in der Liste der betroffenen Länder einnimmt – wobei es sich in einem Fall gar nicht um ein Land handelt, sondern um das Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess“, das vor Japan festmachte. An Bord gab es fast 700 bestätigte Fälle, ein Fünftel der Menschen an Bord. Platz eins nimmt mit weitem Abstand China ein, gefolgt von Südkorea.

Sind Reisen nach Italien riskant?

Das Auswärtige Amt aktualisiert ständig seine Reise-Informationen für alle Länder auf dieser Seite. Falls und solange es gelingt, den Ausbruch in den betroffenen Regionen Italiens einzudämmen, gibt es keine Reisewarnung für das gesamte Land. Die Lage ist jedoch, so das Ministerium, "sehr dynamisch“. Prinzipiell kann beispielsweise eine Unterbrechung des Zug- und Flugverkehrs nicht ausgeschlossen werden.

Prof. Dr. med. Johannes Knobloch

Ist die echte Grippe (Influenza) nicht mindestens ebenso gefährlich wie das neue Virus?

Für Risikogruppen (etwa Senioren und chronisch Kranke) durchaus – wesentlicher Unterschied ist jedoch, dass es einen Impfstoff gegen Grippeviren gibt, der jährlich an die aktuell kursierenden Viren angepasst wird. So kann die Gefahr – auch einer Überforderung des Gesundheitswesens – weltweit viel besser unter Kontrolle gebracht werden.

Ist es jetzt noch sinnvoll, sich gegen die Grippe (Influenza) impfen zu lassen? Schützt das auch vor dem neuen Coronavirus?

Es ist durchaus noch sinnvoll, sich gegen die saisonale Influenza impfen zu lassen, da das Infektionsgeschehen in vollem Gang ist. In Deutschland begann die aktuelle Welle Mitte Januar und ist seitdem noch nicht abgeklungen. Insgesamt sind in dieser Saison (seit Oktober vergangenen Jahres) rund 80.000 Fälle labortechnisch bestätigt worden. Eine Impfung kann darum noch schützen, auch wenn es etwa zwei Wochen dauert, bis sich die entsprechenden Antikörper entwickelt haben. Allerdings hilft das nicht gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2, da dieser Erreger und Influenza-Viren sich voneinander unterscheiden. Deshalb muss gegen das Coronavirus ein eigener Impfstoff entwickelt werden.

Mit Italien ist erstmals ein europäisches Land stark von SARS-CoV-2 betroffen

Mit Italien ist erstmals ein europäisches Land stark von SARS-CoV-2 betroffen

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Welche Ansteckungswege des neuen Coronavirus gibt es?

Die Entwicklung der Fallzahlen hat eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung zweifelsfrei bestätigt. Ähnlich wie bei anderen Infektionskrankheiten erfolgt sie durch Körpersekrete, etwa beim Husten oder Niesen, wahrscheinlich auch über Flächen, wenn man sich etwa mit einer kontaminierten Hand in das Gesicht fasst. Die Inkubationszeit beträgt wenige bis 14 Tage, und noch ist unklar, wie stark das Virus durch Infizierte verbreitet wird, die keine Symptome haben.

Ganz generell werden deshalb die Vorbeugemaßnahmen wie in jeder Grippesaison empfohlen, insbesondere die gründliche Handwäsche und das strikte Vermeiden, "offen in die Gegend zu niesen“ – man tut das allenfalls in die Armbeuge. Geklärt wird zur Zeit, ob eine Übertragung auch über Toiletten möglich ist, da auch hier der Virusnachweis gelang, ebenso über Klima- und Lüftungsanlagen ohne sichere Filtersysteme.

Schützen Atemmasken vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus?

Sinnvoll ist der Gebrauch von Atemmasken vor allem für Erkrankte. Denn die können das Virus durch Niesen oder Husten in ihre Umgebung abgeben. Zudem können Atemmasken Pflegepersonal schützen, das den ansonsten empfohlenen Mindestabstand von einem Meter unterschreiten muss, um seine Aufgaben erfüllen zu können. Bei allen anderen rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Gebrauch der Schutzmasken ab. Der wichtigste Grund: Es gibt keinen Hinweis darauf, dass SARS-CoV-2 durch die Luft übertragen werden kann, außer eben, wenn ein Infizierter ungeschützt hustet oder niest. Ein weiterer Grund: Der Vorrat an solchen Masken ist nicht beliebig groß und sollte darum für die reserviert bleiben, bei denen ihr Einsatz tatsächlich hilft.

Wie wasche ich meine Hände richtig?

Um krank machende Erreger los zu werden, braucht man keine teure Seife. Viel wichtiger ist, wie man seine Hände wäscht. Egal ob einen Euro oder zehn – am Ende wirken in fast allen Seifen nur die zwei auf der Verpackung angegebenen Hauptbestandteile "Cocamidopropyl betaine" und "Sodium Laureth Sulfate". Sie sorgen dafür, dass die fiesen Mikroben am Ende durch den Abfluss gespült werden. Wenn es um die Wirkung gegen Erreger geht, ist es absolut egal, wie gut die Seife nach Lavendel duftet oder die Haut fettet. Spezialseifen mit antimikrobieller Wirkung sind nicht notwendig; viel mehr kommt es auf die Technik an. Einer Untersuchung zufolge scheitern 97 Prozent der Amerikaner daran, ihre Hände vor einer Mahlzeit ordentlich zu reinigen: Eine Zahl, die unter Deutschen ähnlich hoch sein soll.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat deswegen nun eine simple, schrittweise Anleitung zum Händewaschen heraus gegeben.

  1.  Hände unter fließendem Wasser befeuchten. Die Temperatur ist dabei völlig egal.
  2. Seife nehmen und die Hände gründlich damit einreiben. Achtung: die ganzen Hände. Auch die Fingerspitzen und Nägel, sowie die Zwischenräume. Das wird nämlich am häufigsten vergessen.
  3. Reiben Sie die Seife für mindestens 20 Sekunden ein. Wie man weiß, dass die Zeit um ist? Ganz einfach: Singen Sie zwei Mal leise Happy Birthday. Eine Methode, die auch viele Ärzte anwenden.
  4. Waschen Sie die Hände gründlich ab und trocknen Sie sie mit einem frischen und sauberen Tuch. Fertig. 

Wie wird das Virus übertragen?

Normalerweise verbreitet sich das Virus über Tröpfchen, zum Beispiel, wenn man angehustet wird. Oder man fasst eine Oberfläche wie eine Türklinke an, auf der sich das Virus befindet  und berührt anschließend den eigenen Mund, die Nase oder die Augen. Wie lange das neuartige Virus auf Oberflächen überlebt, ist zwar noch ungeklärt, eine Auswertung von Daten anderer Coronaviren zeigte nun jedoch, dass sich die Viren bei Raumtemperatur bis zu neun Tage lang auf Oberflächen halten und infektiös bleiben können. Im Schnitt überleben sie zwischen vier und fünf Tagen, wobei Kälte und eine hohe Luftfeuchtigkeit die Lebensdauer noch erhöhen. Die Experten nehmen an, dass die Ergebnisse auch auf das aktuelle Coronavirus übertragbar sind. "Es wurden unterschiedliche Coronaviren untersucht, und die Ergebnisse waren alle ähnlich“, sagt Eike Steinmann von der Ruhr-Universität Bochum. 

Für Aufsehen sorgte die Erkenntnis, dass sich das Virus auch in Stuhlproben finden lässt. Ob es sich so jedoch auch verbreiten kann, lässt sich bislang noch nicht sagen. Das gleiche gilt für Übertragung durch Klimaanlagen.  

Besteht eine Ansteckungsgefahr durch Pakete, besonders dann wenn sie aus dem Hauptverbreitungsgebiet China stammen?

Noch gibt es keine sehr genauen Daten über die Eigenschaften des neuen Coronavirus. Auf dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse aber besteht für solche Sendungen keine besonders große Gefahr, denn es ist kein einziger derartiger Ansteckungsfall bekannt. Coronaviren wie SARS-CoV-2 überleben auf Oberflächen aus Holz, Metall, Papier, Glas oder Plastik allerdings bis zu neun Tagen, so eine neue Veröffentlichung zu dem Thema. Desinfektionsmaßnahmen sind vor allem da sinnvoll, wo Infizierte in der Nähe sind und das Virus verbreiten könnten, also etwa in Krankenhäusern. Zumindest Mittel auf Alkoholbasis wirken dann innerhalb von einer Minute. Sinnvoll ist generell eine gründliche Handhygiene.

Wie geht es mit der Impfstoffforschung voran? 

Weltweit forschen zahlreiche Institute und Unternehmen an einem Impfstoff. Viele davon werden von CEPI, der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations unterstützt. Dabei verfolgen die Forscher unterschiedliche Ansätze: Klassischerweise kommen bei einem Impfstoff abgeschwächte oder abgetötete Erreger zum Einsatz oder man arbeitet mit aufgereinigten Virusbestandteilen.

Mittlerweile versuchen Forscher jedoch, nicht mehr das Virus selbst einzusetzen, sondern seine genetische Information. Dabei wird zum Beispiel Erbgut in den Körper eingeschleust, das die Bildung von ungefährlichen Virusproteinen auslöst. In der Regel sind das Hüllproteine des Virus, die dann als Antigene eine Immunantwort auslösen.

In Deutschland arbeiten Wissenschaftler aus Marburg, München und Berlin unter Koordination des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) daran, einen Impfstoff gegen das MERS-Virus so abzuwandeln, dass er gegen Covid-19 schützt. Als Transporter für das Hüllprotein nutzen sie ein Virus, das Menschen nicht krank macht.

Zwar rechnen Experten damit, dass erste Tests in den nächsten Monaten anlaufen könnten. Im Tiermodell muss dann geprüft werden, ob der Wirkstoff vor einer Ansteckung schützen kann. Bis man jedoch weiß, ob ein Kandidat auch im Menschen wirksam und sicher ist, wird noch weit mehr als ein Jahr vergehen.

Wie genau sind die Fallzahlen, die täglich von nationalen und internationalen Behörden veröffentlicht werden?

Da sich zumindest in China offenbar viele Menschen mit SARS-CoV-2 angesteckt haben, ohne Symptome zu entwickeln, muss die Dunkelziffer hoch sein. Zudem hängt es von der Definition eines Falles ab, wie hoch die jeweiligen Infektionszahlen sind. Rechnet man nur die durch Labortests bestätigten Fälle ein, ist die Zahl natürlich niedriger als bei einer Einrechnung jener Fälle, die klinische Symptome einer COVID-19-Erkrankung zeigen, bei denen aber nicht auf das Virus getestet worden ist. Solche Tests können bei vielen Tausenden von Infektionen schlicht über die verfügbaren Kapazitäten gehen.

Und selbst bei der Zahl der auf das Virus zurückgehenden Todesfälle gibt es keine letzte Sicherheit. Denn oft liegen bei den schweren Verläufen von COVID-19 noch andere Erkrankungen vor, die ihren Teil zum fatalen Geschehen beitragen. So sollten die Zahlen als das gesehen werden, was sie sind: ein mehr oder minder genaues statistisches Maß, das den Verantwortlichen hilft, eine Situation einzuschätzen und darauf angemessen zu reagieren.

Was mache ich, wenn ich Erkältungssymptome bekomme?

Ob man sich mit dem Coronavirus infiziert hat, ist für Patienten nicht erkennbar: Typische Symptome wie Fieber, Husten, Schnupfen, Kurzatmigkeit oder Halsschmerz ähneln denen anderer Erkältungsleiden. Da das neue Virus als hoch ansteckend gilt, ist es wichtig, dass Sie sich nicht nur um sich und Ihre Familie kümmern, sondern auch andere schützen: Patienten mit Symptomen sollten nicht zur Arbeit gehen und keinesfalls einfach in eine Arzt- oder Kinderarztpraxis marschieren, sondern erst einmal dort anrufen. Auf dem Weg zum Arzt ist ein eng anliegender Mund- und Nasenschutz sinnvoll, um andere nicht zu gefährden. Rechnen Sie damit, dass man Sie in der Praxis von anderen Patienten trennt und eventuell einem Corona-Schnelltest unterzieht.

Coronavirus: So schützen Sie sich vor der Lungenkrankheit

Wer sich gesund fühlt, aber Kontakt mit einem bestätigten Corona-Patienten hatte oder vor kurzem in einem Risikogebiet war (Chinas Provinzen Hubei oder Zhejiang, eine aktualisierte Liste finden Sie hier), sollte sofort sein Gesundheitsamt informieren und den Kontakt mit anderen Menschen meiden. Wer nach Rückkehr aus einer von Corona betroffenen Region wie Norditalien oder Südkorea Erkältungszeichen bekommt, sollte direkt seinen Arzt anrufen und auf die Reise hinweisen.

Wie finde ich das für mich zuständige Gesundheitsamt?

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat dafür eine Suchmaschine nach Postleitzahlen eingerichtet, die Sie hier finden. Ansonsten geben Kreis- und Stadtbehörden, in den Stadtstaaten die Bezirksämter, dazu Auskunft.

Covid-19 ist eine meldepflichtige Erkrankung. Was bedeutet das?

Das Infektionsschutzgesetz benennt bestimmte ansteckende Krankheiten als meldepflichtig, um ihre Ausbreitung verhindern zu können. Das neue Coronavirus wurde der Liste kürzlich hinzugefügt. Ärzte und Laboratorien melden nachgewiesene Infektionsfälle namentlich an das örtliche Gesundheitsamt, damit es Betroffene kontaktieren und eine Ausbreitung verhindern kann. Das Gesundheitsamt meldet ohne Namensnennung an das Land, und schließlich werden alle Daten vom Robert Koch-Institut in Berlin gesammelt, um einen nationalen Überblick zu erhalten und die Statistik zu pflegen.

Warum sind Kinder so selten betroffen?

Das Risiko, an einer Infektion mit Covid-19 zu sterben, hängt zu großen Teilen vom Alter ab. 60-Jährige erliegen dem Virus häufiger als 40-Jährige. Am stärksten gefährdet sind Menschen ab 80. Kinder werden unterdessen von den schweren Verläufen weitgehend verschont. Zwar können auch sie sich infizieren, allerdings entwickeln sie in der Regel sehr milde Verläufe. Warum, das ist noch weitgehend ungeklärt. Kinder sind jedoch in der Regel gesünder als ältere Menschen, ihre Atemwege sind weniger durch Gifte wie Zigarettenrauch geschädigt und ihre angeborene Immunabwehr ist aktiver.

Warum sterben überproportional viele Männer an der Infektion?  

Für Männer mittleren und höheren Alters scheint das neue Virus tatsächlich eine größere Bedrohung darzustellen als für Frauen. Als das chinesische Zentrum für Krankheitskontrolle und -verhütung am 17. Februar die bisher größte Analyse von Coronavirus-Fällen veröffentlichte, zeigte sich, dass die Sterberate bei Männern bei 2,8 Prozent lag, bei Frauen jedoch nur bei 1,7 Prozent. Dabei wurden sie in etwa gleich häufig infiziert. 

Auch bei den Ausbrüchen von SARS und MERS, die ebenfalls durch Coronaviren verursacht wurden, waren Männer übermäßig stark betroffen. Wissenschaftler glauben, dass dafür eine ganze Reihe von Faktoren verantwortlich sein könnten. Einige davon sind biologisch bedingt, andere hängen mit dem Lebensstil zusammen. Generell scheinen Frauen mit vielen Virusinfektionen der Atemwege besser zurecht zu kommen. Ein Grund dafür könnte das weibliche Geschlechtshormon Östrogen sein, dem man eine schützende Rolle zuschreibt.

Mindestens genauso wichtig könnte aber auch der Lebensstil sein. In China rauchen deutlich mehr Männer als Frauen. Fast jeder zweite Mann greift dort regelmäßig zur Zigarette. Außerdem gibt es unter chinesischen Männern höhere Raten von Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen als bei Frauen. Von vielen dieser Krankheiten weiß man, dass die das Risiko von Komplikationen nach einer Infektion mit dem Coronavirus erhöhen. Eine Rolle könnte auch spielen, dass Frauen in der Regel eher medizinische Hilfe in Anspruch nehmen als Männer.

Mitarbeit:Frank Ochmann/Nicole Heißmann/Nicole Simon/Alexandra Kraft/Anika Geisler/Christoph Koch

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