HOME

Ehec-Erreger: Zwei spanische Firmen unter Verdacht

Während deutsche Bauern ihren Salat unterpflügen, sind in Spanien offenbar erste Betriebe wegen konkreter Verdachtsfälle gesperrt worden. Die Spanier dementieren.

Die Ehec-Spur nach Spanien wird heißer: Spanische Behörden haben nach Auskunft der EU-Kommission vorübergehend zwei Betriebe in Almeria und Malaga geschlossen. Sie sollen für die Verbreitung der mit den gefährlichen Ehec-Bakterien befallenen Gurken in Deutschland verantwortlich sein, teilte die Kommission am Freitagabend in Brüssel mit. Boden-, Wasser und Produktproben seien genommen worden. Die Untersuchungen dauerten an. Die spanischen Behörden haben Informationen der EU-Kommission dementiert. Die Produktion in den beiden Betrieben sei in keiner Weise gestoppt worden.

Zudem werde eine weitere mögliche Quelle - Gurken aus den Niederlanden oder aus Dänemark – untersucht, hieß es. Eine Lieferung spanischer Gurken sei aus Deutschland nach Dänemark gegangen, teilte die Kommission mit. Dänemark habe die Gurken bereits vom Markt genommen. Die dänischen Behörden hätten der EU-Kommission zudem versichert, dass keine Gurken aus dieser Lieferung in andere Länder weiter verkauft worden seien.

In Deutschland sorgen die Ehec-Bakterien bei den Bürgern zunehmend für Verunsicherung und bei den den Bauern für Existenzängste. Verbraucher machen beim Einkauf einen Bogen um Stände mit Salat, Tomaten und Gurken. Vor allem im Norden Deutschlands bleiben die Landwirte auf ihrer frischen Ware sitzen. "Die Bauern trifft es enorm hart, wenn die Verbraucher für einige Tage auf das frische Gemüse verzichten", sagte Johannes Funke vom Bauernverband in Berlin.

Es wird geschreddert, untergepflügt, weggeschmissen

In Niedersachsen waren Bauern bereits gezwungen, das geerntete Gemüse wegzuschmeißen. Andere ließen das Gemüse auf den Feldern und pflügten es unter, sagte Axel Boese von der Fachgruppe Gemüsebau Norddeutschland. Er fordert ein klares Statement von der Politik: "Es muss gesagt werden, dass deutsches Gemüse keimfrei ist." Allein in Niedersachsen hätten fünf Großabnehmer im Einzelhandel ihre Gemüsebestellungen storniert.

Deutliche Absatzeinbrüche meldeten auch Bauern in Nordrhein-Westfalen. Die Erzeugergenossenschaft Landgard mit rund 700 Gemüsebetrieben am Niederrhein berichtete, der Absatz von Salat sei um 70 Prozent eingebrochen. Bei Tomaten und Gurken lagen die Rückgänge bei 25 Prozent. "Insgesamt lässt sich auch bei anderen Gemüseprodukten ein Rückgang von zehn Prozent feststellen", erklärte Landgard, die zu den bundesweit größten der Branche zählt.

Gurken-Frage entfacht Streit mit Spanien

Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) telefonierte am Freitag mit ihrer spanischen Amtskollegin, beide Behörden vereinbarten eine enge Zusammenarbeit bei der Fahndung nach dem Erreger. Zuvor hatte die Theorie des Produzenten Pepino Bio Frunet, die Gurken seien erst in Deutschland bei einem Sturz von Gurkenpaletten im Hamburger Großmarkt kontaminiert worden, für Verärgerung gesorgt. Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) wies die Vorwürfe zurück: "Dass die belasteten Gurken von einer einzigen Palette stammten, die durch ein Umkippen verseucht wurde, können wir aufgrund der Probenentnahme an unterschiedlichen Stellen ausschließen."

Unterdessen kündigte Spanien in der Sache eine Beschwerde bei der Europäischen Union an. Das Madrider Agrarministerium teilte mit, Deutschland habe gegen die EU-Regeln verstoßen. Staatssekretär Josep Puxeu sagte, die deutschen Behörden hätten zuerst die Presse unterrichtet und nicht - wie vorgeschrieben - die Instanzen der EU.

Auch eine weitere Behauptung zur Herkunft des Erregers könnte zu internationaler Verärgerung führen: Nach Informationen der "Bild"-Zeitung stammt eine verunreinigte Gurke aus den Niederlanden. Die holländischen Behörden dementierten den Bericht umgehend. "Wir haben bislang keinerlei derartigen Erkenntnisse", sagte Marian Bestelink, die Sprecherin der zuständigen Behörde für Warenprüfung (VWA). Berichte über eine in Hamburg entdeckte infizierte Gurke aus Holland beruhten "vermutlich auf einem Missverständnis", sagte Bestelink.

Zahl der Todesfälle steigt

Die nachgewiesenen Ehec-Infektionen stiegen weiter rasant - auch in europäischen Nachbarländern wie Dänemark und Schweden. In Deutschland waren am Freitag insgesamt rund 1000 bestätigte und Verdachtsfälle registriert. Normalerweise werden im gesamten Jahr etwa 900 Infektionen mit den Bakterien gemeldet.

mad/fw/pen/DPA/AFP / DPA

Wissenscommunity