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NDR "Markt"-Check: So ungesund ist Essen auf Rädern

Viele ältere Menschen lassen sich Essen auf Rädern nach Hause liefern. Günstig ist das nicht unbedingt, aber bequem. Doch die Qualität der Menüs lässt oft zu wünschen übrig, wie ein Test zeigt.

Von Lea Wolz

Essen auf Rädern (Symbolbild) ist der NDR Sendung "Markt" zufolge oft mangelhaft.

Zu wenig Gemüse, zu viel Fleisch und zu viele sättigende Beilagen wie Nudeln oder Kartoffeln: Essen auf Rädern (Symbolbild) ist der NDR Sendung "Markt" zufolge oft mangelhaft.

Im Alter verändert sich vieles - auch der Geschmack. Mit den Jahren nimmt die Zahl der Geschmacksknospen im Mund ab. Der Bedarf an Kalorien ist ebenfalls nicht mehr derselbe, ältere Menschen brauchen weniger. Nährstoffe sollten allerdings im Essen genauso viele enthalten sein wie in jungen Jahren. Davon benötigt der Körper ebenso viel wie früher.

Wer sich selbst die Mahlzeiten nicht mehr zubereiten kann oder will, ist darauf angewiesen, dass er Essen erhält, das diesen Kriterien entspricht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)  hat daher Vorgaben für Essen auf Rädern erarbeitet. Die gelieferten Mahlzeiten sollen demnach aus magerem Fleisch, Seefisch, Milch- und Getreideprodukten, frischem Gemüse, Obst ohne Zuckerzusatz und gesunden Fetten und Ölen bestehen. Die Warmhaltezeit sollte möglichst gering gehalten werden, damit Vitamine nicht zerfallen. Auch der Gehalt an Nährstoffen, den ein gesundes Menü für ältere Menschen enthalten sollte, ist festgesetzt.

Die Realität hinkt diesen Vorgaben allerdings oft hinterher, wie ein Test des NDR-Magazins "Markt" zeigt. Die Verbraucherjournalisten haben dafür das Angebot von fünf bekannten Anbietern unter die Lupe genommen und Stichproben im Labor analysieren lassen.

Untersucht wurden die folgenden fünf Gerichte:

  • Kabeljaufilet mit Kartoffeln und Gemüse von den Johannitern für 8,39 Euro
  • Lammkeulenbraten mit Bohnen und Rosmarinkartoffeln von Landhausküche für 8,99 Euro
  • Matjes in Sauerrahm mit Speckbohnen und Kartoffeln von Hamburger Küche für 8,90 Euro
  • Grünkohlplatte mit Wurst, Kasseler, Bratkartoffeln und Zwiebeln von Hanse Menüdienst für 9,40 Euro
  • Rostbratwurst mit Rotkohl und Kartoffelbrei von Meyer Menü für 6,90 Euro

Die Tester wählten dabei jeweils das teuerste Essen im Angebot des jeweiligen Anbieters. Obwohl Senioren dafür tief in die Tasche greifen mussten, seien alle Stichproben gemessen an den DGE-Empfehlungen auffällig gewesen, schreibt "Markt". Vitamin C etwa war in keinem der Gerichte mehr enthalten. "Wer Essen auf Rädern bestellt, sollte sich klar machen, dass die Mahlzeiten lange - manchmal sogar schon viele Stunden - warm gehalten wurden, und sich damit viele Vitamine vermindern oder sogar ganz auflösen", sagte der Ernährungsmediziner Matthias Riedl im Interview mit dem NDR-Magazin "Markt". Ein Problem, das auch von Schulessen bekannt ist.

Die DGE rät zudem zu einem sparsamen Umgang mit Salz. In vier von fünf der getesteten Gerichte war davon dennoch verhältnismäßig viel enthalten. Wobei wohl einschränkend gesagt werden muss, dass das bei Matjes nicht wirklich verwundert. Bei dem Kabeljau-Gericht der Johanniter bemängelt "Markt" den geringen Kalziumgehalt – er entspricht weniger als einem Drittel der von der DGE empfohlenen Menge. Das Rostbratwurstgericht von Meyer Menü versagte bei dem Magnesiumvorgaben, nur etwa die Hälfte des Bedarfs wird damit gedeckt. "Beide Mineralien sind für unsere Knochengesundheit wichtig", sagt Riedl.

Auf Grundlage einer einzelnen Speise Rückschlüsse auf die Nährstoffversorgung zu ziehen, sehe man als nicht realistisch an, kritisierten die Johanniter gegenüber "Markt". Meyer Menü habe keine Stellungnahme abgegeben, schreibt das Magazin.

Allerdings zeigen auch Tests von Verbraucherzentralen immer wieder, dass es beim Angebot von Essen auf Rädern durchaus noch Verbesserungsbedarf gibt. 2013 untersuchten diese deutschlandweit 30 warme Mittagessen. Das bittere Fazit: Bei rund 90 Prozent der Angebote war die Gemüseportion zu klein. Dafür gab es zu viel Fleisch und zu viele Nudeln. Frisches Gemüse, Salat und Frischobst waren zu selten Bestandteil der Menüs. Ein weiteres Manko: Die Soße war oft zu kalorienreich.

Die komplette Sendung von "Markt" ist am Montag, 4. April, um 20.15 Uhr im NDR Fernsehen zu sehen


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