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Mutiger Mediziner: Er ist 98 Jahre alt: Frankreichs ältester Arzt lässt seine Patienten nicht im Stich - trotz Coronagefahr

"Sie wären nicht in der Lage, allein zurechtzukommen": Der französische Arzt Christian Chenay behandelt seine Patienten auch in der Coronakrise weiter, obwohl er sich wegen seines hohen Alters damit selbst in Gefahr bringt.

Dr. Christian Chenay ist der älteste praktizierende Arzt Frankreichs. Er wird im Juni 99 Jahre alt. Seit fast 70 Jahren kümmert sich der Mediziner im Département Val-de-Marne bei Paris um seine Patienten - und auch das Coronavirus kann ihn von den Menschen, die ihn brauchen, nicht fernhalten.

Chenay führt für seine Patienten, von denen er einige seit Jahrzehnten behandelt, Sprechstunden via Telefon und Internet durch, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Und mittlerweile - nach einer kurzen Quarantänezeit, weil bei ihm Covid-19-Symptome aufgetreten waren - mache er sogar wieder wöchentliche Hausbesuche in einem Altersheim für Missionare.

"Alle haben wirklich Angst"

Chenay benutzt beim Gehen einen Stock, braucht aber laut Reuters bei seiner Arbeit nicht einmal eine Brille. Doch obwohl der Arzt selbst keine gesundheitlichen Probleme habe, wisse er, wie gefährlich das Coronavirus für ältere Menschen ist und damit auch für ihn selbst.

"Alle haben wirklich Angst. Ich bin sehr vorsichtig", erzählte Chenay dem britischen Nachrichtensender BBC. "Meine Frau hat Angst, dass ich das Virus nach Hause bringen könnte, und sie hat Recht."

Doch trotz des Risikos will sich der 98-Jährige weiter um seine Patienten kümmern. "Ich kann sie inmitten dieser Virusepidemie nicht einfach im Stich lassen. Sie wären nicht in der Lage, allein zurechtzukommen", sagte Chenay der BBC.

Die Bewohner des Altenheims kenne er, seit ihrer Zeit in der Priesterausbildung. "Sie gingen nach Amerika, Afrika und Indien. Jetzt sind sie alt und arm." Bislang hätten sie großes Glück gehabt, denn noch sei keiner von ihnen an Covid-19 erkrankt, berichtete der Arzt. "Wenn jemand das Virus bekäme, wäre das eine Katastrophe. Wir wollen nicht, dass 20 unserer 60 Patienten sterben."

Chenay stammt Reuters zufolge ursprünglich aus dem westfranzösischen Angers und arbeitete als Schweißer, bevor er Arzt wurde. Sein Sohn, der ebenfalls Arzt sei, habe sich bereits zur Ruhe gesetzt, aber er selbst wolle weitermachen. "Ich bin fast 99 Jahre alt. Ich sollte meine Aktivität aus vielen Gründen reduzieren. Ich arbeite langsamer als früher, ich muss mich schonen."

Nur die persönlichen Sprechstunden in seiner Praxis in Chevilly-Larue, einem Vorort von Paris, musste Chenay einstellen, nachdem zwei Patienten aggressiv wurden und ihn aufforderten, seinen kleinen Vorrat an Gesichtsmasken abzugeben, wie Reuters berichtet. "Hätte ich meine Praxis offen gehalten, wäre sie ein Laboratorium für das Virus gewesen", sagte Chenay. "Ein Infektionsherd."

Quellen: ReutersBBC

mad

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