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Pandemie Alles zurück auf Frühjahr 2020? Hier werden die Corona-Maßnahmen (wieder) verschärft


Die WHO macht keine Hoffnung: Die Corona-Pandmie werde noch sehr lange andauern, heißt es bei der Organisation. In vielen Ländern kommt das Virus bereits zurück, weshalb die Maßnahmen (wieder) verschärft werden. Ein Überblick.

Die allermeisten Menschen dürften mittlerweile Corona-ausgelaugt sein, doch die Weltgesundheitsorganisation warnt unverdrossen: Ein Ende der Pandemie sei noch lange nicht in Sicht. Das WHO-Notstandkomitee erwarte, dass sie "sicher sehr lang" andauern werde. Fast überall steigen die Infektionszahlen. In Deutschland ist die Zunahme moderat, in anderen Staaten oder Regionen jedoch nicht. In Australien etwa oder auch im Norden Englands. Vielerorts werden die Corona-Schutzmaßnahmen daher verschärft oder wieder verschärft.

Masken in Melbourne
Masken in Melbourne: Australien erlebt derzeit eine zweite Corona-Welle
© William West / AFP

Rückkehr des Corona-Lockdowns? Eine Übersicht

  • Polen hat so viele neue Corona-Fälle registriert wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Zuletzt waren es 658 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. Die Regierung in Warschau erwägt deshalb schärfere Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung des Virus. Geprüft werde zum Beispiel erneut eine Quarantäne für Reisende aus einigen Ländern mit hohem Infektionsgeschehen. Im Land gilt eine Maskenpflicht in Bus und Bahn sowie in öffentlichen Gebäuden.
  • Belgien hat wegen des starken Anstiegs bei den Infektionsfällen touristische Reisen in mehrere EU-Regionen verboten. "Nicht unbedingt notwendige Reisen" in die spanischen Regionen Navarra, Aragon, Barcelona und Lleida in Katalonien seien nicht mehr erlaubt. Auch Gebiete in Bulgarien, Rumänien, Großbritannien, Frankreich und der Schweiz stehen auf einer "roten Liste". Wer von dort nach Belgien zurückkehrt, muss in Quarantäne. In der Provinz Antwerpen, wo es die meisten bestätigten Corona-Fälle gibt, gelten eine besonders strenge Maskenpflicht, eine nächtliche Ausgangssperre und ein nächtliches Verkaufsverbot für Alkohol.
  • Mit einem "Corona-Ampel"-Modell will Tschechien einen Überblick über die Lage in den einzelnen Landesteilen geben und regional differenzierte Gegenmaßnahmen ermöglichen, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Aktuell gelten die Alarmstufen Rot und Gelb jedoch in keinem einzigen Verwaltungsbezirk. Der Großteil des Landes ist weiß markiert, was "kein oder ein vernachlässigbares Risiko" bedeutet. Neun Bezirke sind grün, darunter die Hauptstadt Prag sowie Ostrava (Mährisch-Ostrau) und Brünn (Brno). Das bedeutet: sporadische Neuinfektionen. Die durch Experten vorgenommene Einschätzung soll wöchentlich aktualisiert werden. Damit verbunden sind abgestufte Empfehlungen etwa zur Einführung einer Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr, wie sie im Osten des Landes und in der Prager U-Bahn gilt. 
  • Die Philippinen verschärfen wegen steigender Corona-Zahlen die Ausgangssperre. Die Regelung gelte ab Dienstag für die Hauptstadt Manila und vier angrenzende Provinzen, erklärte Präsident Rodrigo Duterte. Die Menschen dürfen ihre Häuser in den kommenden zwei Wochen demnach nur noch für notwendige Einkäufe und Sport verlassen. Der öffentliche Verkehr und alle Inlandsflüge werden eingestellt. Auch die meisten Geschäfte müssen schließen, und Restaurants dürfen nur noch Essen zum Mitnehmen anbieten. Mehr als 27 Millionen Menschen - etwa ein Viertel der Bevölkerung - sind von der Maßnahme betroffen. Seit der Lockerung der vorhergehenden Ausgangssperre Anfang Juni hat sich die Zahl der Infektionen verfünffacht.
Steinmeier warnt vor Verantwortungslosigkeit wegen Corona
  • Nach einem Corona-Ausbruch auf einem Hurtigruten-Schiff hat die norwegische Reederei alle Expeditions-Seereisen vorerst wieder eingestellt. Neben dem betroffenen Schiff "Roald Amundsen" bleiben auch die "Fridtjof Nansen" und die "Spitzbergen" nach dem Ende ihrer derzeitigen Fahrten im Hafen, wie das Unternehmen mitteilte. Hurtigruten war einer der ersten Anbieter, die wieder ihre Reisen aufgenommen hatten.
  • Luxemburg: Das Auswärtige Amt warnt wegen der hohen Infektionszahlen aktuell vor "nicht notwendigen, insbesondere touristischen Reisen" in das Großherzogtum. An den Grenzen zum gibt es jedoch keine Kontrollen und keine Einreisebeschränkungen. Maskenpflicht gibt es unter anderem im öffentlichen Nahverkehr. In Geschäften und öffentlichen Einrichtungen muss zudem ein Mindestabstand von zwei Metern eingehalten werden. In manchen Bereichen gelten unter Umständen noch strengere Bestimmungen.
  • Melbourne, Australien: In der zweitgrößten Stadt des Kontinents haben die Behörden den Lockdown weiter verschärft. Die meisten Geschäfte, Pubs und Hotels müssen ab Mittwoch geschlossen bleiben. Nur Geschäfte für Lebensmittel, Supermärkte, Apotheken, Postämter und Tankstellen dürfen weiter öffnen. Die Bürger seien dazu aufgerufen, unbedingt im Homeoffice zu arbeiten - Ausnahmen gebe es nur für Arbeitnehmer, bei denen dies nicht möglich sei, sagte der Premierminister des Bundesstaates Victoria, Daniel Andrews. Die Maßnahmen sollen für mindestens sechs Wochen gelten. In der Millionenmetropole im Südosten, grassiert seit Wochen eine zweite Corona-Welle.
  • Frankreich: Im Kampf gegen das Coronavirus gilt in weiteren französischen Gemeinden jetzt eine Maskenpflicht im Freien. In 69 zusätzlichen Gemeinden des Départements Mayenne müssen die Schutzmasken auch auf der Straße getragen werden; zuvor galt die Maskenpflicht dort beispielsweise bereits in der Département-Hauptstadt Laval. Die Präfektur habe vorab rund 650.000 Stoffmasken an Bewohner des Départements verteilt. In der Küstenmetropole Nizza muss Medienberichten zufolge jetzt auf bei Touristen beliebten Plätzen eine Maske im Freien getragen werden. Die Präfektur von Lille kündigte eine Maskenpflicht etwa in der Fußgängerzone an. Auch auf Parkplätzen an Einkaufszentren oder in Parks ist die Maske verpflichtend.
  • In Großbritannien verschlechtert sich die Coronavirus-Lage teilweise. Die Behörden im Großraum Manchester riefen einen "schwerwiegenden Vorfall" aus, da die Zahl der Infizierten in mehreren Gegenden gestiegen war. Dort dürfen sich Mitglieder verschiedener Haushalte nicht mehr in Innenräumen und Privatgärten treffen. Auch der gemeinsame Besuch von Pubs und Restaurants ist tabu.  Premier Boris Johnson hatte schon zuvor in ganz England weitere Lockerungsmaßnahmen in der Corona-Krise für mindestens 14 Tage gestoppt. Gesundheitsminister Matt Hancock führt die verstärkte Ausbreitung des Virus auf das Nichteinhalten der Abstandsregeln zurück und führt zudem zwei neue Arten von Schnelltests ein.
nik DPA AFP

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