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Klage gegen Pharmakonzern: Männer bekamen Brüste, nachdem sie Medikament einnahmen

Das Medikament Risperdal sollte gegen Angstzustände helfen, doch bei tausenden Männern in den USA hatte es eine schreckliche Nebenwirkung: Ihnen wuchsen Brüste. Nun verklagen sie den Pharmariesen Johnson & Johnson.

Das Medikament Risperdal steht im Verdacht, bei Männern Brüste wachsen zu lassen

Das Medikament Risperdal steht im Verdacht, bei Männern Brüste wachsen zu lassen

Die Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel von Arzneimitteln sollte man am besten gar nicht erst lesen, heißt es oft. Denn die zum Teil recht langen Auflistungen der Risiken verunsichern viele. Wirklich eintreten tun die Schreckensszenarien nur in den seltensten Fällen - zum Glück. Doch was, wenn Nebenwirkungen, die auftreten können, gar nicht im Beipackzettel erwähnt werden?

In den USA haben tausende Männer über Jahre ein Medikament eingenommen, von dem sie nicht wussten, welch fatale Folgen es für sie haben kann: Ihnen wuchsen Brüste. Wie "CNN" berichtet, haben 13.000 Männer Klage gegen den Pharmakonzern Johnson & Johnson eingereicht - weil sie durch das Medikament Risperdal entstellt worden seien, wie der Anwalt der Geschädigten sagte.

"Hatte größere Brüste als die Mädchen in der Schule"

Eddie Bible ist eines der Opfer, das mit seiner Leidensgeschichte nun an die Öffentlichkeit gegangen ist. Im späten Kindesalter begann der heute 26-Jährige, Risperdal einzunehmen, um seine Angstzustände und eine bipolare Störung zu behandeln.

Als er 13 war, bemerkte er Veränderungen an seinem Körper: ihm wuchsen Brüste. Mediziner nennen das Gynäkomastie. "Ich hatte größere Brüste als die Mädchen in meiner Schule", sagte Bible zu "CNN". 

Dass es eine Folge des Arzneimittels sein könnte, daran habe er zunächst nicht gedacht. Das Brustwachstum schob er stattdessen auf seine Gewichtszunahme. Bible litt enorm unter seinem Körper, er zog sich zurück, ging nicht mehr aus dem Haus.

Gynäkomastie wurde nicht als Nebenwirkung erwähnt

"Hätte ich von den Nebenwirkungen gewusst, hätte ich es nie eingenommen", sagte er. Doch auf dem Beipackzettel wurde nichts dergleichen erwähnt. Bible und die anderen Opfer werfen Johnson & Johnson vor, die Information bewusst vorenthalten zu haben, um den Verkauf zu steigern.

Erst seit dem Jahr 2006 - Risperdal war da schon mehr als ein Jahrzehnt auf dem Markt - wird Gynäkomastie im Beipackzettel des Medikaments als mögliche Nebenwirkung erwähnt. "Wenn ich zurückschaue, fühle ich mich als Teil eines Experiments", klagt Bible. Er hat sich die Brüste mittlerweile operativ entfernen lassen, zurückgeblieben sind zwei Narben. Doch nicht alle Opfer könnten sich solch einen Eingriff leisten und müssten weiterhin damit leben, heißt es in dem Bericht.

Der Pharmariese will von den Vorwürfen nichts wissen. "Risperdal ist ein sicheres und effektives Medikament, das bereits Millionen Menschen geholfen hat, ein besseres Leben zu führen", hieß es in einer Mitteilung an "CNN".

Der Anwalt der Geschädigten fordert Schadensersatz von Johnson & Johnson - und dass der Konzern seinen Fehler einsieht. "Das ist ein Unternehmen, das Menschen helfen soll, stattdessen hat es viele verletzt."

kis

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