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Paul-Ehrlich-Institut Neue Daten: So gut erkennen Schnelltests Omikron – und so finden Sie zuverlässige Tests

Antigen-Schnelltests Coronavirus Omikron PEI
Erkennen Antigenschnelltests die Omikron-Variante des Coronavirus? Dieser Frage ist das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) nachgegangen
© Rosendo Serrano Valera / Getty Images
Corona-Schnelltests sind praktisch, vor allem in Zeiten hoher Infektionszahlen. Das Paul-Ehrlich-Institut hat untersucht, ob die Tests auch bei Omikron verlässlich anschlagen. Das Ergebnis ist beruhigend. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten aber dennoch einmal nachsehen, welchen Test sie verwenden.

Zwei pinke Striche – mehr braucht es in diesen Tagen nicht, um eine schlechte Nachricht zu überbringen. Im Moment lauert das Coronavirus gefühlt überall: in Kitas, Schulen, Großraumbüros. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat am Donnerstag erstmals seit Beginn der Pandemie mehr als 300.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Auch die Inzidenz ist hoch, über 1700. 

Antigenschnelltests sind wichtige Helfer in diesen Zeiten. Doch zuletzt prangte über ihnen ein großes Fragezeichen. Unklar war, wie gut sie bei der Omikron-Variante des Coronavirus anschlagen. Einzelne Berichte, unter anderem von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA, hatten den Verdacht genährt, die Alltagshelfer könnten Probleme beim Erkennen von Infektionen mit eben jener weit verbreiteten Variante haben. Doch belastbare Daten gab es zu der Frage kaum. Die Verunsicherung war groß.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat nun die bereits seit längerem erwarteten Ergebnisse eigener Laboruntersuchungen vorgestellt. Sie sind beruhigend: Die Expertinnen und Experten des Instituts fanden auf Basis einer Stichprobe "keinen Hinweis" auf eine verringerte Messgenauigkeit von Antigenschnelltests gegenüber Omikron, wie sie in einem Pressevortrag am Donnerstag erklärten. Ein solches Ergebnis hatte das Institut zwar bereits vermutet, wie aus einer Mitteilung von Ende Dezember 2021 hervorgeht. Die aktuelle Untersuchung untermauert diese Einschätzung aber noch einmal. 

Konkret bedeutet das: Ob nun eine Infektion mit der Ursprungsvariante, Delta oder Omikron vorliegt, dürfte laut PEI bei den meisten Tests keinen großen Unterschied machen. Schnelltests, die bei früheren Varianten anschlagen, tun das demnach in vergleichbarer Weise auch bei Omikron. Das gilt ebenso für die Omikron-Variante BA.2, die aktuell in Deutschland auf dem Vormarsch ist. Die untersuchte Messgenauigkeit bezieht sich auf die Sensitivität der Tests. Je sensitiver ein Test ist, desto genauer zeigt er infizierte Personen korrekt als positiv an (und desto weniger liefert er falsch-negative Ergebnisse).

Genau hinblicken sollten Verbraucherinnen und Verbraucher dennoch. Denn die Ergebnisse lassen sich laut PEI zwar auf die meisten, womöglich aber nicht auf alle Schnelltests übertragen.

Viele Schnelltests weisen das Virus über Bereiche nach, die bei Omikron nicht mutiert sind

Die Ergebnisse des PEI beziehen sich auf eine Stichprobe von 20 Schnelltests, die bereits vorab hinsichtlich ihrer grundsätzlichen Sensitivität positiv bewertet wurden. Die aktuellen Ergebnisse sind laut PEI auf all jene Tests übertragbar, die – ähnlich wie die Tests in der Stichprobe – auf Regionen des Virus abzielen, die bei Omikron im Vergleich zu früheren Varianten nicht mutiert sind. Das dürfte bei den meisten Tests der Fall sein. Der Haken ist nur: Nicht für alle Tests liegen genaue Erkenntnisse darüber vor, an welche Bereiche des Virus die Antikörper der Tests binden. Dazu wurden weitere Informationen von Seiten der Hersteller angefragt.

428 Antworten kamen zusammen. 385 Tests zielen auf Bereiche des Virus ab, die keine Mutation aufweisen. Sie können damit laut PEI Omikron ebenso gut wie frühere Varianten erkennen. Bei 43 Tests, also gut zehn Prozent, bleibt ein Fragezeichen, weil entweder keine genauen Herstellerangaben vorliegen oder aber, weil die Tests auf Regionen des Virus abzielen, die bei Omikron mutiert sind. Hier müssen die Hersteller die Sensitivität noch einmal gesondert nachweisen oder detailliertere Informationen vorlegen.

So finden Verbraucherinnen und Verbraucher geeignete Tests

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) führt zwei Listen mit Schnelltests – eine für Profi-Tests, eine für Selbsttests. Beide Listen wurden am Donnerstag um eine Spalte ergänzt ("Omikron-Erkennung entsprechend der Bridging-Prüfung des PEI"). Ein "Ja" in der Spalte bedeutet, dass der Test laut Einschätzung des PEI Omikron gleich gut erkennt. 

Wichtig zu wissen: Verbraucherinnen und Verbraucher sollten nicht nur auf die Omikron-Spalte achten, sondern grundsätzlich auch auf den Punkt "Evaluierung PEI". Ein "Ja" bedeutet hier, dass der Test nachweislich Mindestkriterien in Hinblick auf die Sensitivität erfüllt und sich beispielsweise nicht nur auf Herstellerangaben berufen wird.

Doch auch Schnelltests, die alle Kriterien erfüllen, bieten keine hundertprozentige Sicherheit – das ist hinlänglich bekannt. Schnelltests sind weniger genau als PCR-Tests und schlagen nur bei einer hohen Viruslast an. Vor allem in einem frühen Stadium der Erkrankung können sie schwächeln und eine Infektion "übersehen". Experten raten daher insbesondere bei Symptomen dazu, sich nicht auf ein einzelnes Testergebnis zu verlassen, sondern mindestens einen weiteren Test, beispielsweise am Folgetag, zu machen.

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