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Potenziell tödlicher Parasit: Ratten-Lungenwurm auf Mallorca entdeckt: Forscher warnen vor Gerichten mit Schnecken

Forscher auf Mallorca haben in zwei Igeln den auch für Menschen gefährlichen Ratten-Lungenwurm entdeckt. Der Parasit kann eine lebensbedrohliche Hirnhautentzündung auslösen, weshalb gerade Liebhaber von Schnecken-Gerichten vorsichtig sein sollten. 

Ratten-Lungenwurm - Mallorca - Igel

Schnecken gelten in manchen Ländern als Delikatesse – dem Ratten-Lungenwurm dienen die Weichtiere als Zwischenwirt (Symbolbild)

Picture Alliance

Gut zwei Wochen dauert es noch, bis in den ersten Bundesländern die Herbstferien starten. Während sich in Deutschland langsam aber sicher schmuddeliges Wetter breitmacht, wird so manche Familie die Auszeit nutzen, um noch einmal in wärmere und sonnigere Gefilde zu entfliehen. Ein beliebtes Reiseziel dürfte auch in diesem Jahr wieder Mallorca sein.

Dort haben Forscher der in Palma de Mallorca ansässigen Balearen-Universität eine Entdeckung gemacht, die Liebhaber der traditionellen Vorspeise "Caracoles", einem Schneckengericht, aufhorchen lassen sollte. Demnach konnten die Wissenschaftler in zwei auf der Insel entdeckten Igeln, bekannterweise Schnecken-Liebhaber, den extrem seltenen Ratten-Lungenwurm (Angiostrongylus cantonensis) nachweisen, der auch für den Menschen gefährlich, schlimmstenfalls gar tödlich sein kann. Entsprechend warnten die Biologen nun auf einer Pressekonferenz vor dem Verzehr roher oder nicht vollständig gekochter Schnecken, wie unter anderem die "Mallorca Zeitung" berichtet. Zudem empfahlen sie, beim Fangen der Tiere Handschuhe zu tragen und auch Gemüse und Obst vor dem Essen gründlich zu waschen.

Ratten-Lungenwurm-Infektion kann schlimmstenfalls tödlich sein

So kann eine Infektion mit dem Parasiten, der über kontaminierte Nahrung oder Zwischenwirte wie beispielsweise Schnecken in den menschlichen Körper gelangt, eine eosinophile Meningoenzephalitis, also eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute, auslösen. Diese wiederum kann starke Kopfschmerzen und neurologische Ausfälle verursachen und für den Erkrankten im Koma oder gar mit dem Tod enden – gerade bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Die Entdeckung der mallorquinischen Forscher sorgte nun für Aufsehen, weil der ursprünglich im Pazifik-Raum und Südostasien verbreitete Parasit den Angaben zufolge zuvor nur ein einziges Mal in Europa, konkret im Jahr 2016 bei einem Patienten in Frankreich, nachgewiesen werden konnte. Weil die beiden untersuchten Igel aus geografisch isolierten Regionen stammen, befürchten die Wissenschaftler, dass sich der Ratten-Lungenwurm auf der Baleareninsel bereits aktiv überträgt und weiterverbreitet, wie sie in der Fachzeitschrift "Eurosurveillance" schreiben. 

Die Forscher gehen im Diskussionsteil ihrer Studie noch einen Schritt weiter: Indem Mallorca über See und Luft eng mit dem europäischen Festland verbunden sei, es allein 2018 rund 16,5 Millionen Touristen nach Mallorca verschlagen habe und zudem Ratten und Schnecken weit verbreitet seien, könne eine weitere Ausbreitung gefördert werden, schlussfolgern sie. Panik schüren wollen die Wissenschaftler aber nicht. So betonen sie, dass eine Gefahr einer Infektion beim Menschen gering ist.

Schnecken sind Zwischenwirt des Ratten-Lungenwurms

Der Ratten-Lungenwurm heißt so, weil er – genauer gesagt die erwachsenen Weibchen – in der rechten Herzkammer und den Lungenarterien von Ratten, dem Hauptwirt, leben und dort ihre Eier freisetzen. Die in der Folge geschlüpften Larven gelangen von dort in den Magen-Darm-Trakt des Wirts und werden mit dem Kot ausgeschieden. 

Frisst nun ein Zwischenwirt wie die Schnecke diese Ausscheidungen, gelangen die Larven in das Weichtier, das wiederum auf der Nahrungsliste von Vögeln oder Säugetieren wie dem Igel steht. In einer späten Entwicklungsstufe suchen die Larven erneut das Gehirn und Lungenarterien auf, zudem können sie die Hirnhäute oder das Zentralnervensystem befallen und die obengenannten Erkrankungen auslösen. Der Hauptwirt, die Ratte, infiziert sich demnach, indem sie einen Zwischenwirt frisst. 

Quellen: Fachzeitschrift "Eurosurveillance" / Pressemitteilung Universitat de les Illes Baleares"Mallorca Zeitung"

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