HOME

Ritter Sport vs. Warentest: Was macht die Antwort im Schoko-Streit kompliziert?

Ist das Aroma natürlich oder künstlich? Um diese Frage dreht sich der Rechtsstreit zwischen "Ritter Sport" und Stiftung Warentest. Was simpel klingt, ist schwer zu beantworten.

Eine harte Nuss: Ist das Aroma in der Ritter-Sport künstlich oder nicht? Der Streit dürfte in die nächste Runde gehen.

Eine harte Nuss: Ist das Aroma in der Ritter-Sport künstlich oder nicht? Der Streit dürfte in die nächste Runde gehen.

Der Streit klingt banal - doch für die Stiftung Warentest geht es um ihren guten Ruf: Ist das Aroma, das Ritter-Sport für seine Nuss-Schokolade verwendet künstlich oder natürlich? Natürlich, sagt Ritter Sport. Stimmt nicht, meint Warentest: Die Bezeichnung "natürliches Aroma" in der Schokolade von Ritter Sport sei irreführend, weil sie den Aromastoff Piperonal enthalte. Dieser werde chemisch hergestellt. Im Gesamturteil gaben sie der Schokolade deshalb ein "Mangelhaft". Gegen diese Bewertung zog Ritter Sport vor Gericht.

Das Landgericht München gab dem Schoko-Hersteller nun Recht: Die Warentester dürfen nicht behaupten, dass die Nuss-Schokolade des Herstellers ein künstlich hergestelltes Aroma enthält. Eine entsprechende einstweilige Verfügung gegen die Stiftung Warentest weiter Bestand hat. Eine Schlappe für die Verbraucherorganisation. Warentest kündigte umgehend Berufung gegen die Entscheidung an. Doch warum ist die einfach klingende Frage eigentlich so schwer zu beantworten? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Was ist ein Aroma?

Steht allein "Aroma" oder "Aromastoff" auf der Verpackung, wurde dem Lebensmittel eine im Labor chemisch hergestellte Substanz zugefügt. Daneben gibt es den Zusatz "natürliches Aroma". Dies kann neben pflanzlichen auch aus tierischen oder mikrobiologischen Ausgangsprodukten entstehen. Es kann mithilfe von Bakterien, Pilzen oder Hefen aus natürlichen Grundstoffen hergestellt werden. Erdbeeraroma aus Pilzen, die auf Sägespänen wachsen, kann zum Beispiel Erdbeerjoghurt aufpeppen.

Worum geht es in dem Schokoladen-Streit?

Die Stiftung Warentest hat Ritter Sport eine Irreführung der Verbraucher vorgehalten und die Voll-Nuss-Schokolade mit "mangelhaft" bewertet. Aufhänger dafür war der Zusatz des Stoffs Piperonal zu der Schokolade. Piperonal gibt einen Vanille- und Mandelgeruch. Während Ritter diesen Aromastoff als natürlich ausgibt, geht Warentest von einem künstlichen Aroma aus.

Was ist Piperonal?

Piperonal ist ein vielfach eingesetzter Aroma- und Duftstoff, der in Parfüm und Kosmetika ebenso eingesetzt wird wie bei Waschmitteln, Tabakprodukten und Lebensmitteln. Dort wird er meist dazu eingesetzt, um den oft unterschiedlichen Geschmack von Vanilleschoten so zu beeinflussen, dass das Vanillearoma die gewünschte Note bekommt. Piperonal sorgt für blumige, süße, kokosnuss- und vanilleartige Noten.

Wie wird Piperonal gewonnen?

Der Aromastoff kann sowohl chemisch im Labor als auch natürlich gewonnen werden. Natürlich kommt Piperonal unter anderem in Blütenölen und in Pflanzen wie Pfeffer und Dill vor. Die Stiftung Warentest geht davon aus, dass das natürliche Aufkommen nicht für die Massenproduktion ausreicht. Dies bestreitet Ritter und verweist auf eine Garantieerklärung seines Subunternehmers, der den Stoff liefert. Im Labor lässt sich die Herkunft nicht klären.

Wer hat Recht?

Diese Frage hat auch das Landgericht München nicht geklärt. Es hat Ritter Sport vorerst nur Recht gegeben, weil der Test von Stiftung Warentest laut dem Gericht unfair war. In der nun von Warentest angekündigten nächsten Runde des Rechtsstreits soll es auch um Inhalte gehen - also die Herkunft des Piperonal. Ritter argumentiert bislang, dass die Pflanze, aus der das natürliche Aroma gewonnen werde, nicht genannt werden dürfe. Der Piperonal-Zulieferer habe ein spezielles eigenes Verfahren entwickelt. Wenn er die Pflanze benenne, verliere er seinen Wettbewerbsvorteil.

Bestand für Verbraucher eine Gefahr?

Egal ob künstliches oder natürliches Piperonal - in beiden Herstellungsarten ist der Aromastoff für Verbraucher unbedenklich. Auch dies nannte das Landgericht als einen Grund, weshalb Ritter Recht bekam. In der EU prüft seit 2008 die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) nach strengen Kriterien, ob bei einem Aroma eine Gesundheitsgefährdung ausgeschlossen werden kann. Seit April 2013 gilt eine EU-weit gültige Positivliste, die jährlich aktualisiert werden soll.

Was gilt für Biolebensmittel?

Nach der EU-Verordnung für Biolebensmittel dürfen für Bioprodukte nur "natürliche Aromastoffe" oder "Aromaextrakte" eingesetzt werden. Manche Biohersteller verzichten auch auf natürliche Aromen und verwenden lediglich Aromaextrakte.

Ralf Isermann, DPA / DPA

Wissenscommunity