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Schädliche Chemikalien: Diese Regenjacken kommen ohne Gift aus

Die meisten Regenjacken dünsten toxische Chemikalien aus. Dabei gibt es wetterfeste Kleidung ohne schädliche Substanzen. Worauf man achten muss.

Regenjacke ohne Gift - geht das? Ja, einige Unternehmen haben reagiert.

Regenjacke ohne Gift - geht das? Ja, einige Unternehmen haben reagiert.

Regen, und zwar ohne Regenjacke. Das liegt daran, dass ich die Greenpeace-Studie "Chemie für Gipfelstürmer" gelesen habe. Deren Ergebnis kann man ungefähr so zusammenfassen: Entweder bleibe ich trocken, in einem Kleidungsstück, das giftige Chemikalien ausdünstet, oder ich werde nass. Fünfzehn Outdoorjacken hat Greenpeace getestet. Und in allen Rückstände von Schadstoffen festgestellt, sogar in jenen Produkten, die laut Hersteller frei davon sein sollten.

Das Zeug klebt auf den Jacken, weil es ihnen perfekte Eigenschaften verleiht: Atmungsaktiv und Schmutz abweisend sollen sie sein und Dauerregen aushalten. Super, aber auch supergiftig.

Es geht  vor  allem um per- und polyfluorierte Chemikalien, kurz PFCs, die extrem langlebig sind. Laut Greenpeace hat man sie weltweit in der Umwelt, im Trinkwasser, in Tieren und in der Muttermilch nachgewiesen. Einige von ihnen stehen auf der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe, andere sind gar nicht reguliert. Als gesundheitsschädlich gelten sie alle: Sie können das Immunsystem schwächen, die Fruchtbarkeit reduzieren und Krebs auslösen.

Haben die Hersteller reagiert?

Die Tests von Greenpeace sind schon ein paar Monate her und haben einige Schlagzeilen verursacht. Haben die Hersteller inzwischen reagiert? "Kann ich sicher sein, dass keine PFCs mehr enthalten sind, wenn ich mir eine neue Jacke kaufe?", frage ich den Kundenservice der Firma Adidas, deren Jacke neben jenen von Jack Wolfskin, The North Face und Salewa im Test besonders belastet war. "Was verwenden Sie jetzt für die Imprägnierung?"

Statt einer Antwort bekomme ich nur eine Klarstellung: "Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese getesteten Werte in diesem Produkt alle gesetzlichen Vorgaben erfüllen und somit keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen verursachen." Aber die Hersteller verwenden Hunderte verschiedener Substanzen, die von den staatlichen Behörden nicht alle auf ökologische und gesundheitliche Auswirkungen untersucht werden können. Kritische Chemiker und Umweltorganisationen wie Greenpeace fordern deshalb, nach dem Vorsorgeprinzip auf bedenkliche Stoffe zu verzichten. Die Produzenten hingegen sprechen von Panikmache.

Aber plötzlich, kurz nach meinem Anruf, reagiert Adidas und erklärt, ab sofort in 90 Prozent seiner Produkte auf PFC zu verzichten, bis Ende 2017 sollen 99 Prozent frei davon sein. Also geht es doch: wasserfest ohne perfluorierte Chemikalien. Der schwäbische Hersteller Maier Sports bietet bereits Funktionsjacken ohne PFC an und verspricht, bis 2020 ganz ohne auszukommen. Auch Vaude hat PFC-freie Modelle im Programm. Das Kieler Unternehmen Pyua setzt bei seinen Climaloop-Textilien auf 100 Prozent Recyclingpolyester. Anscheinend müssen kleinere Firmen den Weltkonzernen erst vormachen, wie es auch ohne Gift geht. Und sonst sind Wachsjacken eine stilvolle Alternative - die Queen schwört schon immer drauf.

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