Seuchen-Ausbreitung Wie Viren reisen


Mit dem internationalen Flugverkehr sind auch die Wege für die Übertragung ansteckender Krankheiten kürzer geworden.

Internationaler Flugverkehr verbreitet Erreger weltweit

Mit dem internationalen Flugverkehr sind auch die Wege für die Übertragung ansteckender Krankheiten kürzer geworden. Die gefährliche Lungenkrankheit (SARS) kann sich auf diese Weise vergleichsweise schnell global verbreiten. Begünstigend wirkt sich dabei neben der steigenden Zahl der Flüge und Passagiere nach Expertenmeinung auch die Konzentration des Luftverkehrs auf wenige große Knotenpunkte, so genannte "Hubs" aus. SARS war bereits im November vergangenen Jahres in der chinesischen Provinz Guangdong ausgebrochen. Bis zum Samstagabend zählte die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf 2416 Fälle und 89 Tote.

"Die Verbreitung des SARS-Virus aus Guangdong, über Hanoi und Hongkong in weitere Teile Asiens, nach Europa und Nordamerika zeigt deutlich die hohe Geschwindigkeit, mit der sich das Virus über den Flugverkehr fortbewegt", sagt Professor Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin.

Neben den asiatischen Ländern China, Taiwan, Singapur und Vietnam sind bisher vor allem Kanada und die USA von der lebensgefährlichen Lungenkrankheit betroffen. Auf Grund der engen wirtschaftlichen und persönlichen Beziehungen ist auch das Streckennetz zwischen Südostasien und Nordamerika besonders eng: Doch mit der hohen Zahl an Passagieren steigt auch die Gefahr, dass Viren wie der SARS-Erreger den Sprung über die Kontinente schaffen.

Erleichtert wird das durch das "hub and spokes"-Prinzip (Nabe und Speichen), das sich seit den achtziger Jahren im internationalen Flugverkehr entwickelt hat. "Wie bei einem Rad laufen die Verbindungen an zentralen Knotenpunkten zusammen", sagt Michael Lamberty, Sprecher der Lufthansa in Frankfurt.

"Die globalen Flugverbindungen bilden ein so genanntes skalenfreies Netzwerk", erläutert Stefan Bornholdt, theoretischer Physiker an der Universität Leipzig. Diese Systeme, bei denen an wenigen Punkten eine Vielzahl von Verbindungen zusammenlaufen, seien anfälliger für die Verbreitung von Viren als gleichmäßig verteilte Netze.

"Dadurch kann die epidemische Schwelle eines Virus’ sinken", sagt Bornholdt. Weil durch nur wenige Flüge große Entfernungen überbrückt werden und Verkehrsknotenpunkte viele Verbreitungswege bieten, könnten sich auch Viren mit relativ geringem Ansteckungspotential schnell ausbreiten. Auch dem SARS-Virus erleichterten diese Eigenschaften des Flugverkehrs zusätzlich die Verbreitung.

Zentrale Bedeutung bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten kommt im Zeitalter des globalen Flugverkehrs deshalb den Knotenpunkten zu, an denen die Verkehrsströme zusammenfließen. Dazu gehören in Asien auch die Flughäfen in Hongkong und Singapur. Entscheidend sei, an solchen neuralgischen Punkten, frühzeitig aufmerksam zu werden, wenn Infektionen sich auszubreiten drohen. Mit Hilfe eines dichten Netzwerkes der Weltgesundheitsorganisation WHO könne dann eine weite Verbreitung von Krankheiten verhindert werden, so RKI-Präsident Kurth.

Katharina Klink


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