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"Maybrit Illner" Wortgefecht zwischen Lauterbach und Streeck in Talkshow: "Sie tragen zur Spaltung bei"

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (2. v.l.) diskutiert mit dem Virologen Hendrick Streeck (2. v.r.) bei "Maybrit Illner"
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (2. v.l.) diskutiert mit dem Virologen Hendrick Streeck (2. v.r.) bei "Maybrit Illner"
© Screenshot ZDF
"Zurück ins Leben – mehr Freiheit, weniger Vorsicht?" Zu dieser Frage diskutierten am Donnerstagabend die Gäste bei "Maybrit Illner". Mit von der Partie: Karl Lauterbach und Hendrick Streeck. Zwischen den beiden Experten entwickelte sich ein Wortgefecht.

Wann bekommen wir alle Freiheiten zurück? Und vor allem, wie? Zu dieser Frage diskutierte am Donnerstagabend die Runde bei "Maybrit Illner" im ZDF. Geladen waren NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), die Journalistinnen Christina Berndt und Anna Schneider sowie SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und Virologe Hendrick Streeck. Zwischen den beiden Letzteren entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, in dessen Verlauf Streeck Lauterbach Vorwürfe an den Kopf warf.

Schon kurz nach Beginn der Sendung waren sich die beiden bei Prozentzahlen uneinig. Streeck erklärte, dass die Impfstoffe vor einem schweren Krankheitsverlauf schützten, auch bei der Delta-Variante. Hinzu käme eine "sterile Immunität", also dass das Virus nicht mehr so leicht übertragen werden könne. Lauterbach nimmt Bezug auf Daten aus Israel, wonach der Schutz vor schweren Verläufen bei der Delta-Variante 93 Prozent betrage. "Das ist eigentlich ein bisschen eine Enttäuschung gewesen", so Lauterbach, denn es sei ein schlechterer Schutz da. 

Streeck zu Lauterbach: Sie tragen zu Spaltung der Gesellschaft bei

Lauterbach erklärt weiter, dass der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bisher bei 99 Prozent gelegen habe. Streeck wirft daraufhin direkt ein: "Das stimmt aber nicht." Die Studien hätten vorher Werte zwischen 94 und 96 Prozent errechnet. Lauterbach erklärt, dies habe sich auf einen symptomatischen Verlauf bezogen, also eine Covid-Erkrankung, die keine schweren Symptome haben muss. Vor Tod oder schweren Verläufen sei der Schutz höher gewesen.

Nach der ersten Hälfte der Sendung kommt es dann zu einem weiteren Wortgefecht zwischen Streeck und Lauterbach. Während einer Diskussion, wie man die Impfkampagne – besonders bei jüngeren Menschen – beschleunigen könne, fordert Lauterbach, dass man auch Kindern eine Impfung anbiete, damit diese sich vor schweren Krankheitsverläufen schützen könnten. 

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Als es dann um die Ständige Impfkommission (Stiko) zur Entscheidung der Kinder-Impfungen geht, verteidigt Streeck die Stiko. Dann greift er Lauterbach an. Streeck wirft dem SPD-Politiker vor, er trage zur Spaltung der Gesellschaft bei, die Stiko zu attackieren. "Ich finde es höchst unanständig, wie sie mir zum Beispiel in Interviews unterstellen, dass ich denn Lockdown überflüssig finde." Streeck habe mehrfach gesagt, dass er den Lockdown alternativlos finde. Lauterbach trage damit zur Spaltung bei, was einen "Wahlkampfstil" habe, der für eine Pandemie nicht angebracht sei.

Lauterbach: "Ich werde nie persönlich"

Lauterbach reagierte. Es sei ihm nicht um Streeck persönlich gegangen, sondern um die Stiko. Er habe auch diese auch nicht attackiert, sondern habe versucht wissenschaftlich herzuleiten, dass er bei der Empfehlung der Stiko zu Kinderimpfungen mit "dem Inhalt der Entscheidung nicht zufrieden" sei. Das sei keine "Majestätsbeleidigung". Die Stiko mache eine gute Arbeit. "Wo mir etwas bei der Stiko gefällt, da lobe ich das, und wo es mir nicht gefällt kritisiere ich das. So mache ich es auch mit Ihnen", sagte Lauterbach dann in Richtung Streeck. 

Lauterbach beschuldigt dann Streeck weiter: "Ich bin tatsächlich der Meinung, dass Sie den ein oder anderen Lockdown, den wir dringen benötigt hätten, entweder nicht gefordert haben, wo er hätte gefordert werden müssen, oder sogar abgelehnt haben." Dort wo Streeck aber recht gehabt habe, habe er ihm auch recht gegeben.

Am Ende wird Lauterbach dann aber versöhnlich. Er versuche nicht zu spalten, beschwichtigt der SPD-Politiker dann. "Ich werde nie persönlich." Er schätze Streecks Qualifikation und Arbeit. Unstimmigkeiten seien rein fachlich, wie etwa bei der Frage zum Lockdown im Winter. Und Streeck fügt am Ende hinzu, dass "der gemeinsame Austausch, der gemeinsame Diskurs eigentlich das wichtige in der Pandemie ist". Um richtig oder falsch gehe es nicht.  

rw

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