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Umsatzrückgang wegen Darmkeim-Epidemie Handel fordert Ehec-Entschädigung


Die Salatbauern haben bereits eine Entschädigung von der EU in Aussicht gestellt bekommen. Nun meldet auch der Handel Wünsche an. Denn bis zu einem Drittel weniger Gurken, Tomaten und Salat gingen auf Grund der Ehec-Warnungen über die Ladentheke.

Der Handel hat das Krisenmanagement der Politik bei der Ehec-Epidemie kritisiert und Entschädigungen für Einnahmeausfälle gefordert. Nach Angaben des Handelsverbands Deutschland (HDE) gab es in den betroffenen Sortimenten - also bei Gurken, Tomaten oder Salat - zum Teil Umsatzrückgänge bis zu einem Drittel. "Ich habe bei der Verbraucherministerin deutlich gemacht, dass der Handel auch gerne über Kompensationen sprechen möchte, wenn es Hilfen für Erzeuger gibt", sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser dem "Weser-Kurier".

"Es gibt auch bei Händlern und Wochenmärkten große Verluste. Aber dem Handel will die Regierung keine Kompensation aus der Agrarkasse zubilligen", sagte der HDE-Chef mit Verweis auf die 210 Millionen Euro, die den Bauern als Entschädigung zugesagt wurden. "Da werden mit Geldpflästerchen neue Ungerechtigkeiten geschaffen. Dieses Krisenmanagement ist das beste Beispiel dafür, wie man es im Lebensmittelbereich im schlimmsten Fall nicht machen soll."

Vorschlag für ständigen Krisenstab

Der HDE-Chef forderte mehr Mitspracherecht des Handels. "Wir wollen gehört werden, wenn es darum geht, wie auf Probleme wie Ehec reagiert werden soll", sagte Sanktjohanser. Der Handel habe ein riesiges Netz an Instrumenten, mit denen sichergestellt werde, dass nur einwandfreie Lebensmittel auf den Markt kommen. "Wir sind nicht davor gefeit, dass demnächst wieder etwas passiert. Deshalb ist ein vernünftiges Krisenmanagement nötig. Eine Art ständiger Krisenstab aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und beteiligte Wirtschaft, der im Ernstfall sofort aktiviert werden kann", forderte der HDE-Präsident.

Unterdessen greifen die Kunden wieder zu Gurke und Co. Wie eine Umfrage der "Bild am Sonntag" am Wochenende ergab, essen 85 Prozent der Deutschen wieder Rohkost. Vor drei Wochen hatte 58 Prozent der Bundesbürger angegeben, auf rohe Gurken, ungekochte Tomaten und Salat zu verzichten.

Ehec-Keime im Erlenbach

Allerdings wurde der Ehec-Keim des Stamms O104:H4 am Freitag in einem kleinen Bach im Norden Frankfurts gefunden. Das hessische Umweltministerium verbot zwei an den Erlenbach grenzenden Höfen, ihre Produkte - Kartoffeln und Zuckerrüben - mit Wasser aus dem Erlenbach zu bewässern oder zu waschen. Auch die Besitzer von Kleingärten entlang des Bachlaufs wurden aufgefordert, "auf den Verzehr von Produkten zu verzichten, die sie mit dem Wasser aus dem Erlenbach gewässert haben".

Als mögliche Ursache kam schnell eine Kläranlage ins Spiel. Mit dem Abwasser kommen dort auch Fäkalien aus Toiletten an, die Ehec-Erkrankte benutzen. Und über die Kläranlage gelangen die Bakterien dann möglicherweise in den Bach. "Generell vermindern Kläranlangen die im Abwasser enthaltenen Keime, damit ist das Abwasser aber nicht hygienisch unbelastet", erläuterte das hessische Gesundheitsministerium und betonte: "Eine Verbindung des Baches zur öffentlichen Trinkwasserversorgung besteht nicht."

Ehec-Experten sind nicht überrascht von dieser Entdeckung: "Viele Menschen scheiden derzeit den Erreger aus", kommentierte Prof. Helge Karch vom Universitätsklinikum Münster (UKM). Über die Fäkalien von Ehec-Patienten könne das Bakterium in die Umwelt gelangen und sich dort einnisten. Der Erreger bilde eine Schleimschicht, in der er in freier Natur auch längere Zeiträume gut überstehe, sagte Karch.

Seit Ausbruch der Krankheitswelle sind in Deutschland mindestens 38 Menschen daran gestorben. Nach den jüngsten Zahlen des Robert Koch-Instituts sind bundesweit mehr als 2600 Ehec-Fälle bekannt sowie rund 800 mit dem schweren Verlauf des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS).

swd/DPA DPA

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