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Vogelgrippe: Todesvirus erreicht Ankara

In der türkischen Hauptstadt Ankara sind drei Menschen positiv auf das Vogelgrippevirus getestet worden. Medizinische Untersuchungen ergaben, dass es sich dabei um den tödlichen Virusstamm H5N1 handelt.

In der Türkei breiten sich die Vogelgrippe-Infektionen beim Menschen Richtung Westen aus. Inzwischen hat der gefährliche Virusstamm H5N1 die Metropole Ankara erreicht. Zwei Kinder und ein Erwachsener seien in der Hauptstadt positiv auf das Virus getestet worden, sagte der Gouverneur Ankaras der staatlichen Agentur Anatolien am Sonntag. Die Nachrichtenagentur berichtete von zwei weiteren Fällen in der Stadt Van im Osten des Landes. In der Region waren jüngst drei Kinder an dem H5N1-Virus gestorben. Es waren die ersten Todesfälle bei Menschen durch den gefährlichen Virusstamm außerhalb Chinas und Südostasiens. Während Verbraucherschutzminister Horst Seehofer der Türkei Soforthilfe der Bundesregierung im Kampf gegen die Seuche anbot, warnte Russland vor Reisen in das Mittelmeerland. Türkische Behördenvertreter teilten zudem mit, das Virus sei nun auch bei Vögeln im Norden des Landes aufgetreten.

Infektion durch Kontakt mit toten Wildvögeln

Die Agentur berief sich bei ihrem Bericht zudem auf einen führenden Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums. Er sagte, von 28 Personen seien fünf positiv auf den H5N1-Stamm getestet worden. CNN in der Türkei zufolge hatten die Kinder in Ankara Kontakt mit toten Wildvögeln. Die Hauptstadt liegt etwa 400 Kilometer von Istanbul und damit vom Tor nach Europa entfernt. Das Landwirtschaftsministerium hatte am Freitag mitgeteilt, die Vogelgrippe sei bei zwei Wildenten rund 100 Kilometer westlich von Ankara festgestellt worden. Der Fund deutet darauf hin, dass Zugvögel das Virus in der Türkei verbreiten. Experten hatten davor gewarnt. Die Tierseuche war das erste Mal im Oktober noch weiter westlich nahe dem Marmara-Meer entdeckt worden. Die Behörden erklärten das Gebiet jedoch im vergangenen Monat nach Quarantäne-Maßnahmen für vogelgrippefrei.

Zur Untersuchung der drei toten Kinder in der Region Van unterstützt eine Delegation der Weltgesundheitsorganisation WHO die türkischen Mediziner. Die Wissenschaftler wollen auch nach möglichen Anzeichen einer Übertragbarkeit des Virus von Mensch zu Mensch Ausschau halten. Die WHO fürchtet, das Vogelgrippe-Virus könne mutieren, dann leicht von Mensch zu Mensch übertragbar sein und eine weltweite Epidemie auslösen.

Warnung vor Panik

Seehofer schrieb in der "Bild am Sonntag", die Regierung werde sofort Virologen des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit entsenden, wenn die Türkei dies wünsche. Die Experten könnten dabei helfen, die Krankheit rechtzeitig zu erkennen und zu bekämpfen. Die Fälle in der Türkei zeigten, dass auch in Deutschland äußerste Vorsicht geboten sei. Zugleich warnte er vor Panik. Die Bundesregierung nehme die Vogelgrippe äußerst ernst und sei mit einem bundesweiten Krisenplan bestens vorbereitet.

Der Chef-Epidemiologe Russlands, Gennadi Onischtschenko, vor riet vor Reisen in die Türkei ab. Das Land ist ein beliebtes Touristenziel für Russen - Visa sind leichter zu bekommen als für Sonnenziele wie etwa Spanien oder Italien. Die russische Tourismusagentur erklärte indes, sie habe nicht vor, Reisewarnungen auszusprechen. "Gegenwärtig ist es nicht notwendig, dass russische Touristen auf Reisen in die Türkei verzichten", sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur Interfax.

Zwei Dörfer unter Quarantäne

Im Norden der Türkei wurde das Virus Behördenvertretern zufolge in toten Vögeln in zwei Dörfern an der Schwarzmeerküste entdeckt. Der Gouverneur der Region Zonguldak habe die beiden Dörfer unter Quarantäne gestellt, berichtete die Agentur Anatolien. Infektionen beim Menschen seien hier nicht aufgetreten. Fast 1.500 Geflügeltiere würden vorsorglich geschlachtet, kündigte der Gouverneur an.

Reuters/DPA / DPA / Reuters

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