Vogelgrippe Vorerst Entwarnung in Hamburg


Der Verdacht auf einen Fall der lebensgefährlichen Vogelgrippe bei einer Patientin in Hamburg ist nahezu ausgeräumt. "Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein menschliches Influenza und keine Vogelgrippe", sagte eine Sprecherin des Bernhard-Nocht-Instituts.

Die im Hamburger Tropeninstitut mit Grippe- Symptomen behandelte Frau leidet nicht an der Vogelgrippe. "Es handelt sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um einen menschlichen Influenza-Virus. Es ist keine Vogelgrippe", sagte eine Sprecherin des Bernhard-Nocht-Instituts am Dienstag nach einer Molekular-Untersuchung des Virus. Um absolut sicher zu gehen, werden Proben aber noch an die nationalen Influenza-Referenzzentren in Hannover und Berlin gesendet.

Die Hamburger Feuerwehr hatte die Frau unbekannter Nationalität zusammen mit einer Kontaktperson am Montag in das Tropeninstitut gebracht. Am Montagabend hatte das Institut mitgeteilt, die aus Thailand zurückgekehrte Urlauberin habe kein Fieber mehr. Allerdings werde die virologische Untersuchung fortgesetzt, um den Verdacht völlig zu entkräften. Experten hatten es als unwahrscheinlich bezeichnet, dass die junge Frau an Vogelgrippe erkrankt ist. Die Touristin war am Samstag aus Thailand zurückgekehrt und am Montagmittag mit unspezifischen Symptomen wie Übelkeit, Schwindel und Fiebergefühl in das Tropeninstitut eingeliefert worden.

Trotz weiterer Todesfälle durch die Vogelgrippe ist die Ansteckungsgefahr für Menschen nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht gestiegen. Die Gefahr einer Übertragung von Mensch zu Mensch sei weiter sehr gering, sagte der Chef der Leiter des WHO-Grippeprogramms, Klaus Stöhr, in Genf. "Wir wollen das nicht herunterspielen, aber unsere Besorgnis ist nicht gewachsen." Das habe sich auch nach dem Bekanntwerden von zwei Fällen bei Schwestern in Vietnam nicht geändert, bei denen sich zunächst ein direkter Kontakt mit infiziertem Geflügel nicht habe nachweisen lassen. Stöhr betonte, dass sich das die Vogelgrippe auslösende Virus H5N1 nach Erkenntnissen der WHO nicht genetisch verändert habe.

Virus in Indonesien

Unterdessen ist der Erreger nun auch in Indonesien nachgewiesen worden. Bislang sei allerdings noch kein Fall einer Infektion von Menschen im Land bekannt, teilten die Gesundheitsbehörden am Dienstag in Jakarta mit. Indonesien hatte vor rund einer Woche eingeräumt, ebenfalls von der Vogelgrippe betroffen zu sein. Die Geflügelindustrie des Landes schätzt, dass der Tierseuche bislang mehr als 15 Millionen Stück Federvieh zum Opfer vielen.

In Asien wurden nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) bislang mehr als 45 Millionen Hühner geschlachtet, China nicht eingerechnet. Die Seuche grassiert inzwischen in zehn asiatischen Ländern und ist nach Angaben eines FAO-Sprechers noch lange nicht unter Kontrolle. In Vietnam, dem am stärksten betroffenen Land, starb nach Angaben der Tropenklinik in Ho-Chi-Minh-Stadt ein 18-Jähriger, der am Donnerstag mit verdächtigen Symptomen eingeliefert worden war. Tests hätten bestätigt, dass er mit dem Erreger H5N1 infiziert war. Die Weltgesundheitsorganisation bestätigte den Fall zunächst nicht. Es wäre das neunte Todesopfer in Vietnam.

Experte mahnt zu Vorsicht bei Asienreisen

Angesichts der Erkrankungen in Asien mahnte das Robert-Koch-Institut zu erhöhter Aufmerksamkeit bei Reisen in die Region. Es gebe aber noch keine offizielle Reisewarnung, betonte Institutspräsident Reinhard Kurth im ZDF. Touristen sollten nicht in Geflügelfarmen gehen und sich auf Bauernmärkten von lebendem Geflügel fern halten, riet er.

Bei der aktuellen Vogelgrippe in Asien handelt es sich nach Kurths Worten um die größte Tierseuche in der Geschichte. Er warf einigen asiatischen Regierungen vor, nichts aus den Erfahrungen mit der Lungenseuche Sars gelernt zu haben.


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