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TV-Kritik

Trödel-Show "Hallo Schatz": Langweilig, männlich, altbacken - warum die neue Show von Oliver Petzokat ein Flop ist

Die ARD will ihren Nachmittag retten. Eine neue Trödel-Show mit Oliver Petzokat soll auf der "Bares für Rares"-Erfolgswelle schwimmen und für gute Quoten sorgen. Doch der Auftakt war so langatmig und männlich wie TV-Shows der 70er Jahre.

"Hallo Schatz" mit Oliver Petzokat und Victoria Beyer läuft um 16.10 Uhr in der ARD

"Hallo Schatz" mit Oliver Petzokat und Victoria Beyer läuft um 16.10 Uhr in der ARD

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Huch, wir brauchen aber auch noch eine Frau. Den Machern der neuen ARD-Nachmittagsshow "Hallo Schatz“ scheint erst sehr spät aufgefallen zu sein, dass ihre Auftaktfolge eine reine Männerangelegenheit ist. Der Moderator: männlich. Die Restauratoren: alles Männer. Die Kaufinteressenten: natürlich Männer (einer bringt seine Tochter mit). Und auch der Verkäufer ist - Sie ahnen es bereits – ein Mann, dessen Frau am Anfang immerhin "Hallo" sagen darf. So ist die als Kunsthistorikerin eingeführte Co-Moderatorin Victoria die einzige Frau der Show – doch mehr als eine Statistenrolle ist für sie nicht drin. Sie darf Sätze sagen wie "2000 Euro ist eine ganz schöne Stange Geld" und als Praktikantin eine Handkreissäge bedienen. "Ist doch gerade geworden", sagt sie - so als könne man das bei einer Frau kaum für möglich halten. Ganz schön peinlich für Fernsehen im Jahr 2019. Doch das ist nicht das Schlimmste an der neuen Trödelshow.

"Hallo Schatz“ soll das Nachmittagsprogramm im Ersten retten. Die Zeiten, in denen die Talkshow „Fliege“ auf dem 16.10-Uhr-Sendeplatz ein Millionenpublikum begeisterte, sind lange vorbei. Stattdessen gab es lange Zeit Zoodokus mit niedlichen Tieren. Jetzt hat die ARD den Trödel für sich entdeckt. Fünf Jahre nachdem im ZDF zum ersten Mal „Bares für Rares“ lief, kontert der Sender mit seinem eigenen Format. Dabei soll es um Up-Cycling gehen, das heißt um das Restaurieren von alten Dingen, die dann wieder teuer verkauft werden können.

Oliver Petzokat ist der einzige Lichtblick

Moderiert wird die Show von Oliver Petzokat. Der einstige „GZSZ“-Liebling der 90er Jahre und spätere Sänger ("Flugzeuge im Bauch“) ist ein Glücksgriff für die Show. Sympathisch und glaubwürdig führt er durch die Sendung, auch wenn seine „Emil und die Detektive“-Mütze etwas zu bemüht nach Trödelshow aussieht. Der 40-Jährige will von einem "Bares für Rares"-Abklatsch nichts wissen, trotzdem folgt die Show dem Konzept der Konkurrenz.

Verkäufer bringen Trödel zu Petzokat, den sie los werden wollen. In der ersten Folge am Dienstagnachmittag einen Flipper aus den 70er Jahren und ein altes Bett. Der Moderator sucht für die Objekte dann Restauratoren oder Umgestalter. Die Arbeitsleistung muss er allerdings vorab bezahlen. Am Ende ist es seine Aufgabe, die flott gemachten Schätzchen gewinnbringend zu verkaufen. Der Erlös kommt dem Verkäufer zugute.

Spannung kommt bei "Hallo Schatz" erst nach eine halbe Stunde auf

Doch Spannung vermag dabei erst nach 30 Minuten aufzukommen, als Kaufinteressenten sich gegenseitig für den Flipper überbieten. Bis dahin ist die Show gähnend langweilig. Zu langatmig und vorhersehbar sind die Erzählstränge, zu flach die Protagonisten. Während bei „Bares für Rares“ jedem Objekt und Verkäufer nur zirka sieben Minuten Sendezeit zuteil werden, bleibt es bei "Hallo Schatz" bei zwei Objekten. 40 Minuten Sendezeit über Flipper und Bett - eine Aufgabe, die grandios scheitert.

Es bräuchte schon eine komplette Überholung des Konzeptes, um diese Show noch zum Erfolg zu führen. Morgen soll aus einer alten Landkarte aus einer saarländischen Grundschule und einem restaurierungsbedürftigen Drogerieschrank ein "Paravent für Katzen" gemacht werden. Vielleicht dürfen neben den Katzen dieses Mal auch ein paar Frauen in die Show.

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