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63. Filmfestival von Cannes: Ridley Scotts "Robin Hood" eröffnet das Rennen um die Goldene Palme

In einem Monat beginnt das berühmteste Filmfestival der Welt - mit weniger Filmen als im vergangenen Jahr und einem Boykott der Pressekonferenz. Mit dabei sind Filme von Ridley Scott, Woody Allen und Oliver Stone. Ein deutscher Beitrag ist bisher nicht in Sicht.

Das 63. Filmfestival von Cannes zeigt in diesem Jahr voraussichtlich keinen deutschen Film im Wettbewerb um die Goldene Palme. Hollywood geht bislang nur mit einem Film ins Rennen. Am Donnerstag gab das Festival die vorläufige offizielle Auswahl in Paris bekannt, die aber in den nächsten Wochen noch um einige wenige Filme erweitert werden soll. Von den 16 Produktionen, die bereits zum Wettbewerb eingeladen sind, kommen die meisten aus nichteuropäischen Ländern.

Zudem sind viele Werke von bekannten Cannes-Veteranen wie Abbas Kiarostami (Iran), Takeshi Kitano (Japan), Mike Leigh (Großbritannien) und Alejandro Gonzàlez Inàrritu (Mexiko) dabei. Die Hollywoodproduktion "Robin Hood" von Ridley Scott wird das Festival am 12. Mai eröffnen. Das Historienspektakel mit Russell Crowe und Cate Blanchett läuft außer Konkurrenz. Ebenfall außer Konkurrenz werden die Filme "You will meet a tall dark stranger" von Woody Allen, "Tamara Drewe" von Stephen Frears sowie "Wall Street - Money never sleeps" von Oliver Stone gezeigt.

Die noch nicht vollständige Liste der Wettbewerbsfilme wurde bereits veröffentlicht, damit die Medien zwischen der Pressekonferenz und der Eröffnung des Festivals mehr Zeit zur Berichterstattung haben, wie der künstlerische Leiter Thierry Frémaux erklärte.

Frankreich geht mit drei Filmen mit den meisten Beiträgen in den Wettbewerb. Neben Mathieu Amalrics "Tournée", Xavier Beauvois’ "Des hommes et des dieux" ist auch Filmemacher Bertrand Tavernier mit "La Princesse de Montpensier" vertreten. Tavernier hat sich in Deutschland vor allem mit dem Streifen "Der Lockvogel" einen Namen gemacht, für den er 1995 bei den Filmfestspielen in Berlin mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde.

Erstmals sind die Ukraine und der Tschad dabei

Der Brite Mike Leigh, der für seine Sozialdramen bekannt ist, zeigt "Another Day". Aus Amerika ist dieses Jahr bisher nur Doug Liman mit "Fair Game" vertreten. Der Film mit Sean Penn in der Hauptrolle handelt von der Geheimagentin Valerie Plame. Zu den Ländern, die erstmals im Rennen um die Goldenen Palme vertreten sind, gehören die Ukraine mit Sergei Loznitsa "You, my joy" sowie der Tschad (Afrika) mit Mahamat-Saleh Haroun "Un homme qui crie".

In der Reihe "Un certain regard" der offiziellen Auswahl zeigt der deutsche Regisseur Christoph Hochhäusler "Unter Dir die Stadt". Der 37-Jährige war im Jahr 2005 schon einmal mit "Falscher Bekenner" nach Cannes geladen. Ebenfalls zu sehen ist der Beitrag "Film socialisme" Jean-Luc Godard, dem Mitbegründer der "Nouvelle Vague". Einen Dokumentarfilm über den deutschen Künstler Anselm Kiefer stellt Sophie Fiennes vor, die Schwester der Filmstars Ralph und Joseph Fiennes. Der Film "Over your cities grass will grow" wird in der Reihe der Sonderprojektionen gezeigt.

Jury-Präsident ist Tim Burton

Präsident der diesjährigen Jury, zu denen auch die Schauspieler Benicio Del Toro und Kate Beckinsale gehören, ist der US-Filmemacher Tim Burton. Erstmals seit mehreren Jahren ist die Zahl der eingereichten Langfilme von 1670 im Jahr 2009 auf 1665 zurückgegangen. Diese Abnahme sei auf die Wirtschafts- und Finanzkrise zurückzuführen, die das Festival erstmals zu spüren bekomme, erklärte Frémaux.

Aus Protest gegen Beschränkungen bei der Video-Berichterstattung boykottierten große Nachrichtenagenturen die Pressekonferenz am Donnerstag. Hintergrund ist der Exklusiv-Vertrag der Festival-Organisatoren mit dem französischen Bezahlsender Canal+ und der France-Télécom-Tochter Orange, der vorsieht, dass andere Anbieter in diesem Jahr nur zwei Minuten Videomaterial täglich verbreiten dürfen. Einzelne Filmsequenzen vom roten Teppich oder von den Pressekonferenzen dürften nicht länger als 30 Sekunden werden. Die Veranstalter des Filmfestes versprachen, sich um eine Lösung zu bemühen. Die renommierten Preise des Festivals werden am 23. Mai vergeben.

DPA / DPA