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Babelsberg: Hollywood steht vor dem Tor

Matt Damon, Kevin Spacey, Charlize Theron und bald Tom Cruise: US-Filmstars entdecken die deutsche Hauptstadt als Drehort. Berlin bietet noch unverbrauchte Straßen und Architektur aus allen Epochen - und das legendäre Studio Babelsberg gleich um die Ecke.

Berlin, drei Uhr nachts. Matt Damon hat gerade sein Appartement in Mitte verlassen und sich auf den Weg zur Arbeit gemacht. Vorbei am berühmten Berliner Ensemble, wo einst Bertolt Brecht wirkte, den Schiffbauerdamm runter bis zum Bahnhof Friedrichstraße. Zu dieser frühen Stunde fährt normalerweise noch kein Zug. Doch an Gleis 6 stehen heute Nacht auffallend gut gekleidete Passanten, eine S-Bahn wartet auf die Abfahrt.

Damon spricht kurz mit einem dick eingepackten Mann und klopft sich die Kälte aus der Jacke. Dann rast er los, im Neonlicht die Treppe einer Fußgängerbrücke hoch, inzwischen verfolgt von einem Schwarm Polizisten, und duckt sich in die bereitstehende S-Bahn. Das macht er nicht nur einmal, sondern drei-, viermal. Hier stimmt etwas nicht. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man über den Bahnsteig verteilte Kamerateams, schwarz gekleidet, die auf Englisch in ihre Funkgeräte murmeln. Englisch mit schwerem deutschen Akzent.

Nur 100 Meter entfernt sitzt in dieser Nacht eine Gruppe Filmjournalisten aus Italien, Frankreich, Mexiko und Australien im warmen Bistro bei Eisbein und Flammkuchen. Sie lassen sich von den deutschen Kollegen mehrmals das Wort "S-Bahn-Brücke" buchstabieren und hören der Produzenten-Legende Frank Marshall ("Indiana Jones", "Zurück in die Zukunft") beim Schwärmen zu: "Berlin ist aufregend und neu und cool und jung und hip und alles." Anerkennendes Gelächter.

Die gut gelaunten Pressekollegen sind eigens eingeflogen worden, um über die Dreharbeiten des furiosen Spionage-thrillers "Die Bourne Verschwörung" zu berichten, Fortsetzung des weltweit erfolgreichen Blockbusters "Die Bourne Identität". Die Hollywood-Großproduktion um den CIA-Agenten Jason Bourne (Matt Damon), der sein Gedächtnis verloren hat, entsteht fast komplett in Berlin, zudem sind rund 80 Prozent der Drehcrew Deutsche.

Eine Sensation?

Die lang ersehnte internationale Anerkennung für die deutsche Kinobranche? Oh ja! "Die Bourne Verschwörung" ist ein weiterer Höhepunkt in der rasanten Karriere des Drehorts Berlin. Sie begann 2000 mit dem Weltkriegsepos "Duell - Enemy at the Gates" mit Jude Law und Ed Harris. Es folgte das Justizdrama "Taking Sides - Der Fall Furtwängler" mit Harvey Keitel, danach Roman Polanskis mehrfach Oscar-gekrönter "Pianist" mit Adrien Brody.

Im Sommer 2003 wurde für mehrere Tage der gesamte Gendarmenmarkt gesperrt, damit Jackie Chan für das 100-Millionen-Dollar-Abenteuer "In 80 Tagen um die Welt" (Filmstart: 23. 12.) dort eine Bruchlandung inszenieren konnte. Und während die "Bourne"-Leute den Bahnhof Friedrichstraße, Ku'damm und Alexanderplatz nutzten, ließ Oscar-Preisträger Kevin Spacey Kulissen im Berliner Zentrum herrichten für "Beyond the Sea", die Lebensgeschichte des US-Hitsängers Bobby Darin ("Splish Splash"). Spacey: "Ich könnte nicht begeisterter sein von diesem Drehort."

Derzeit ist Charlize Theron

(Oscar für "Monster") in der Stadt, um in dem Science-Fiction-Spektakel "Aeon Flux" zu kämpfen. Nächsten Sommer dann der vorläufige Höhepunkt: Tom Cruise will für "Mission: Impossible III" an die Spree kommen. Cruise: "Berlin ist für mich ein wundervoller Ort."

Warum die Amerikaner zurzeit so gern "Ich bin ein Berliner" rufen, hat verschiedene Gründe. So gilt die Metropole als Ort mit unverbrauchtem Schauwert. "Die Architektur von Berlin ist vielerorts erst zehn Jahre alt. Es gibt so viele großartige optische Möglichkeiten", sagt Produzent Marshall.

Zudem bieten Berlin und seine brandenburgische Umgebung genug Locations, an denen sich mühelos andere Städte oder Landstriche imitieren lassen. Die Tanzsäle des Café Keese und des Palais unterm Funkturm liegen in Spaceys "Beyond the Sea" in Las Vegas. Die Schlösser Sanssouci und der Schlossgarten Charlottenburg verwandelten sich für "In 80 Tagen" in einen türkischen Palast respektive die Pariser Tuilerien. Stalingrad oder Warschau ahmten die Filmemacher für "Duell" und den "Pianisten" in den ehemaligen russischen Backsteinkasernen der Kleinstadt Jüterbog nach, 50 Kilometer südlich der Hauptstadt. Und um sich die Karl-Marx-Allee als Straße in Moskau vorzustellen ("Bourne"), bedarf es nicht viel Fantasie.

Neben den Vorzügen als Drehort lockt die Amerikaner noch ein historischer Zaubername in die Hauptstadt: Babelsberg. Knapp 45 S-Bahn-Minuten vom Berliner Zentrum entfernt steht bei Potsdam das legendäre Filmstudio. 1912 von Guido Seeber gegründet, einem Berliner Erfinder und Kameramann, wuchs das Areal in den 20er Jahren zum Zentrum der europäischen Filmindustrie. Friedrich Wilhelm Murnau inszenierte "Faust", Fritz Lang "Metropolis", Marlene Dietrich, nach der heute die größte Studiohalle benannt ist, gab den "Blauen Engel". Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Filmfirma Defa das Gelände, Babelsberg wurde zum Hauptproduzenten von Spiel- und Fernsehfilmen der DDR. Nach der Wende schlitterte Babelsberg in die Krise, Aufträge blieben aus, ein Großteil der 2300 Beschäftigten musste entlassen werden.

Als 1992 ein französisches Unternehmen, das seinen Umsatz mit Wasserwerken und Immobilien machte, das Studio von der Treuhand übernahm und den "Blechtrommel"-Regisseur Volker Schlöndorff zum Geschäftsführer ernannte, keimte Hoffnung. Babelsberg sollte zum europäischen Filmzentrum werden. Die alten Defa-Holzbaracken wichen modernen Gebäuden, die gesamte Kanalisation wurde erneuert, 70 Kilometer Kabel wurden verlegt.

Im September 2004 kauften zwei deutsche Investoren den Franzosen das Studiogelände ab. Babelsberg besteht heute aus 16 Studiohallen, einem komplett ausgestatteten TV-Studio mit angeschlossenen Garderoben (auch der RTL-Seriendauerbrenner "Gute Zeiten - Schlechte Zeiten" entsteht auf dem Gelände), Produktionsräumen, einem Kopierwerk, Tonmisch-Ateliers und einer Synchronabteilung. Außerdem wurde 1998 die Außenkulisse "Berliner Straße" errichtet. 26 Hausfassaden, die bereits für Ost-Berlin, Warschau und den New Yorker Stadtteil Chinatown herhalten mussten.

Gerade die Produktionsdesigner, neudeutsch "Art Department", und der immense Fundus profitieren von alten Defa-Zeiten. Hier arbeiten spezialisierte Handwerker in der dritten Generation: Stuckateure, Schreiner, Kunstmaler, Schlosser, Schneider. Da früher Arbeit noch billig war, wurden alle Requisiten selbst angefertigt und ordentlich archiviert. Von Möbeln, Rüstungen und Waffen über Bärte, Perücken und Militärabzeichen bis hin zu 250.000 Kostümen: ein Traum für jeden Ausstatter.

Der Mann, der die Amerikaner

für Berlin und Babelsberg erwärmt hat, heißt Henning Molfenter. Der gebürtige Stuttgarter, 37, seit kurzem Geschäftsführer des Kinobereichs von Babelsberg, war früher in den USA an Hollywood-Produktionen beteiligt und weiß, wie die dortige Filmindustrie tickt. Seit 2001 hat er die Auftraggeber fast aller US-Filme, die in Deutschland gedreht wurden, davon überzeugt, als Drehort Berlin zu nutzen und zudem den Komplett-Service von Babelsberg: die Logistik und Kulissen, die Handwerker und Techniker. "Die Bourne Verschwörung" ist sein bisher größter Erfolg - noch nie haben so viele Deutsche an einem US-Film mitgearbeitet. "Es heißt nicht länger: Ihr seid die Kasper, nagelt mal die Bretter zusammen", sagt Molfenter. "Wir machen seit 90 Jahren Filme, nun nehmen uns endlich auch die Amerikaner ernst."

Berlin kann zudem andere Metropolen wie Paris, London oder Rom preislich locker unterbieten. Gegen die Billiglohnkonkurrenz in Prag oder Budapest kommt man zwar nicht an, dafür helfen diverse Steuermodelle und regionale Fonds bei der Finanzierung der teuren Projekte. Und das Wichtigste für Molfenter: "Wir gelten als verlässlich. Wir haben inzwischen mehrere große Filme gemacht, und die Mundpropaganda setzt ein."

Der Produzent Jan Fantl, 50, dessen Vater bereits Regieassistent bei der alten Ufa war und der selbst auf Filmsets mit Theo Lingen und Heinz Erhardt groß wurde, hat Kevin Spacey nach Potsdam gelockt. Er erzählt: "Ich habe ihm auf einer Premierenparty bei der Berlinale 2003 gesagt, dass ich sein Drehbuch gern in Berlin realisieren würde. Da war er höflich, aber sehr unpersönlich. Das Gespräch hat zu nichts geführt." Wenig später besuchte Spacey dennoch Babelsberg. "Er mochte die Ateliers, ihm gefiel die Atmosphäre", berichtet Fantl. Molfenter ergänzt: "Produktionsbüros sind bei uns eben nicht in Containern untergebracht, sondern in denkmalgeschützten Räumen, wo schon Fritz Lang durchgelaufen ist." Babelsberg erhielt den Zuschlag für "Beyond the Seas".

Auch die Stars

müssen nicht mehr zu einem Berlin-Aufenthalt überredet werden. Die Stadt ist weltweit gefragt. Tom Cruise ("Ich will unbedingt einen Film mit Berlin als Kulisse drehen") hat sich für die "Mission: Impossible"-Dreharbeiten bereits eine Villa am Wannsee als Domizil erspäht. Matt Damon mag es etwas zentraler. Für seine drei Berliner Monate mietete er sich ein eigenes Appartement im Szene-Bezirk Mitte. "Besser als jedes Luxushotel", erklärt er. "Man hat seine eigene Küche und muss nicht jedes Mal 100 Dollar ausgeben für eine Flasche Wasser."

Viel Zeit für Sightseeing und Clubbesuche blieb ihm wegen des engen Drehplans nicht. Dafür bekam er Besuch von der Familie und von einem anderen Star, seinem Kumpel Ben Affleck. Damon: "Wir blieben zu Hause, haben Football im Fernsehen geschaut und Karten gespielt, klingt ziemlich langweilig, oder?"

Immerhin erlebt er im Film während seiner eiligen Flucht vor den Polizisten, was viele Berliner täglich mit ihrem Nahverkehr durchmachen müssen: Seine S-Bahn fährt aus irgendeinem Grund einfach nicht los. Wartet und wartet, während die Verfolger näher kommen. Also muss er notgedrungen über die Gleise fliehen und in die kalte Spree springen, wo zufällig gerade ein Lastkahn... Fortsetzung folgt, nicht nur in Berliner Kinos.

Matthias Schmidt / print
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(