HOME

Stern Logo Berlinale

Berlinale-Abschluss: Deutsche Schauspieler triumphieren

Es war ein großer Abend für den deutschen Film: Sandra Hüller und Moritz Bleibtreu sind zum Abschluss der Berlinale als beste Darsteller geehrt worden. Ein weiterer Silberner Bär ging an Jürgen Vogel. Der beste Film kommt aus Bosnien.

Von Carsten Heidböhmer

Keiner wusste vorher Bescheid: Zum ersten Mal wurden die Goldenen und Silbernen Bären der Berlinale im Fernsehen vergeben. 3Sat übertrug die von Heino Ferch moderierte Gala live aus dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz. Es wurde ein triumphaler Abend für den deutschen Film: Je ein Silberner Bär ging an Sandra Hüller, Moritz Bleibtreu und Jürgen Vogel.

Hüller erhielt die Auszeichnung als beste Darstellerin für ihre Rolle in Hans-Christian Schmids "Requiem". Auf intensive und berührende Weise verkörpert sie eine schwäbische Studentin, die in den 70er Jahren an den Folgen eines Exorzismus starb. Obwohl als Favoritin gehandelt, war die junge Theaterschauspielerin auf diesen Erfolg nicht vorbereitet. "Der ist ganz schön schwer", waren ihre ersten Worte, nachdem sie ihren Bären in Empfang genommen hatte.

Dank an die Mutter

Auch Moritz Bleibtreu war völlig überwältigt und rang sichtlich berührt mit den Worten. Die Jury zeichnete ihn für seine Darbietung des sexgestörten Bruno in Oskar Roehlers Houellebecq-Verfilmung "Elementarteilchen" als besten Darsteller aus. Als Bleibtreu seine Worte wiederfand, dankte er seiner Mutter, der Schauspielerin Monica Bleibtreu, von der er alles gelernt habe.

Der Silberne Bär für die künstlerische Gesamtleistung ging an Jürgen Vogel, der in dem Vergewaltiger-Drama "Der freie Wille" nicht nur die Hauptrolle spielte, sondern auch am Drehbuch beteiligt war und den Film produzierte. Vogel reichte den Dank weiter an Regisseur Matthias Glasner und Filmpartnerin Sabine Timoteo.

Goldener Bär für bosnischen Film

Der Hauptpreis ging in diesem Jahr an einen bosnischen Film. "Grbavica" erhielt etwas überraschend den Goldenen Bären als bester Film. Angesichts der derzeitigen Weltlage hatten viele Michael Winterbottoms "The Road to Guantanamo" auf der Rechnung. Mit "Grbavica" wurde auch ein politischer Film ausgezeichnet, der die Geschichte einer Mutter und ihrer Tochter im vom Krieg gezeichneten Sarajevo erzählt. Regisseurin Jasmila Zbanic erinnerte in ihrer Dankesrede daran, dass sich der Kriegsverbrecher Radovan Karacic noch immer auf freiem Fuß befindet.

Ganz leer ging "The Road to Guantanamo" dann aber doch nicht aus. Michael Winterbottom und Mat Whitecross wurden für ihren Film über drei zu Unrecht in das US-Gefangenenlager Guantanamo verschleppte Männer mit dem Regiepreis bedacht.

Geteilter Preis

Den großen Preis der Jury teilten sich zwei Filme: Ein Bär ging an den dänischen Wettbewerbsbeitrag "En Soap" von Regisseurin Pernille Fischer Christensen, die Mühe hatte, vor Rührung die Fassung zu bewahren. Den anderen Jury-Preis erhielt die iranische Produktion "Offside", die von einer Gruppe von Mädchen erzählt, die illegal das entscheidende WM-Qualifikationsspiel des Iran besuchen wollen.

Weitere Preise gingen an den chinesischen Film "Isabella" für die beste Filmmusik, den Alfred Bauer Preis für Innovation in der Filmtechnik holte sich der spanischen Beitrag "El Custodio" über das Leben eines Leibwächters.

Für ein wenig Unterhaltung zwischendurch sorgte Nina Hagen, die in gewohnt schriller Aufmachung bekannte Schlager aus vergangenen Zeiten sang. Mit dem Abschlussabend der Berlinale 2006 könnte eine neue große Zeit für den deutschen Film anbrechen. An den Schauspielern zumindest soll es nicht scheitern.