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Golden Globes Kate Winslet auf Erfolgskurs


Zu den großen Gewinnern der diesjährigen Golden-Globe-Verleihung zählten Schauspielerin Kate Winslet sowie das Filmdrama "Slumdog Millionär" von Regisseur Danny Boyle. Der deutsche Film "Der Baader Meinhof Komplex" ging leer aus.
Von Frank Siering, Los Angeles

Für eine Nacht vergaß Hollywood, dass sich die Welt in einer wirtschaftlichen Rezession befindet. Die 66. Golden Globes im Beverly Hilton Hotel in Los Angeles feuerten ein Promi-Feuerwerk ab, das Tinseltown in dieser Fom schon lange nicht mehr gesehen hatte. Von Brad Pitt über Angelina Jolie, Dustin Hoffman, Renee Zellweger bis hin zu Steven Spielberg, Martin Scorsese, Johnny Depp und Tom Hanks war die Elite der Entertainment-Welt herangesaust, um es mal wieder richtig krachen zu lassen. Selbst die Wettergötter hatten mitgespielt an diesem sonnigen Nachmittag in Los Angeles. Knapp 25 Grad Celsius - und das Anfang Januar. Grund genug für die Damen der Filmwelt, die schulterlosen Designer-Fummel aus den Schränken zu kramen und den Herren das Taschentuch zum Abtupfen der Schweißperlen zu reichen.

Es war ein Abend der Comebacks und der Erinnerungen. Heath Ledger, seit Beginn der Award-Season in Hollywood auf Siegeszug für seine Rolle des Joker in im Batman-Film "The Dark Knight", ging auch bei den Golden Globes nicht leer aus. Wer den nach den Oscars wichtigsten Filmpreis erhält, darüber entscheiden alljährlich die 90 wählenden Mitglieder des Vereins der Hollywood-Auslandspresse. Der oftmals auch aufrgrund des hohen Durschnittsalters als "Renterband" bezeichnete Verein, erachtete die Performance des vor knapp einem Jahr an einer Überdosis verstorbenen Ausnahmeschauspielers als preiswürdig. "Batman"-Regisseur Chris Nolan nahm die Trophäe für Ledger entgegen. Das Publikum erhob sich geschlossen zum Applaus. Nolan erinnerte an Ledger: "Ein großartiger Schauspieler, ein großartiger Mensch. Wir werden ihn niemals vergessen." Fast vergessen war lange Zeit Mickey Rourke. Aber dann hat Rourke Alkohol und Drogen gegen Bibel und Gottesdienst-Besuche eingetauscht ­und sein Drama "The Wrestler" katapultierte den in die Jahre gekommenen Schauspieler zurück ins Filmgeschäft. Eine Rolle, die dem "9 1/2 Wochen"-Star wie auf den Leib geschnitten schien. Mit seiner Darstellung beeindruckte Rourke die Juroren diverser Filmfestivals und eben auch die Verantwortlichen der Golden Globes. Bester Schauspieler des Abends: Mickey Rourke. Bei seiner Dankesrede hielt Rourke ein Glas Mineralwasser in der Hand und trug ein amüsiertes Lächeln auf den Lippen. Wohlwissend, dass in einer Woche die Nominierungen für die Oscars bekanntgegeben werden.

Kein Preis für "Der Baader Meinhof Komplex"

Richtig freuen konnte sich auch Kate Winslet. Sie erhielt zwei Golden Globes. Einen für ihre Rolle in dem Film "Zeiten des Aufruhrs", einen weiteren für ihre Rolle in "Der Vorleser". Eine Rolle, die ihr auch bei den diesjährigen Oscars einen Favoritenplatz sichern sollte. In der Kategorie bester ausländischer Film gewann der animierte Dokumentarfilm "Waltz With Bashir" aus Israel, der unter Mitarbeit der deutschen Produzenten Gerhard Meixner und Roman Paul entstand. Der deutsche Film "Der Baader Meinhof Komplex" ging hingegen leer aus. Die Golden Globes ehrten in diesem Jahr ohnehin viele "Altgediente". Steven Spielberg bekam den Cecill DeMille Preis für hervorragende Leistungen in der Welt des Entertainments überreicht. "Ich werde langsam älter, da bekommt man solche Ehrungen zugesprochen", so Spielberg in seiner Dankesrede. Laura Dern durfte sich einen Goldenen Globe abholen und mit Tom Hanks war ein weiterer "alter Haudegen" und Liebling der Jury mit einem Preis bedacht worden. Selbst Rocklegende Bruce Springsteen muss auf seine alten Tage noch ein bisschen Platz in der Trophäensammlung machen. Er gewann für die Titelmusik in "The Wrestler".

Sinkendes Interesse der Öffentlichkeit, fallende Einschaltquoten und die langwierige Selbstbeweihräucherung, wie sie nur in Hollywood existiert, gaben in diesem Jahr auch Anlass dazu, das junge Publikum zurückzuerobern. So hatten die Veranstalter mit Miley Cyrys, den Jonas Brothers, Zac Efron und Vanessa Hudgens erstmals auch eine Klientel mit einer Einladung bedacht, die normalerweise draußen bleiben muss. Ob es gewirkt hat, bleibt abzuwarten. Parallel zur Übertragung der Preisverleihung auf NBC schoss der Sender Fox mit der zweistündigen Saison-Premiere von "24" gegen die Globes. Kiefer Sutherland, der in "24" die Rolle des Jack Bauer spielt, saß zwar bei der Verleihung der Golden Globes im International Ballroom des Beverly Hilton Hotels, aber klammheimlich feuerte er wohl doch seinen Arbeitgeber Fox an. Eine nette Überraschung gab es zum Schluss. Nicht die mit Marketing-Millionen gepushten Filme "Der seltsame Fall des Benjamin Button", "Frost Nixon" und "Glaubensfrage" mit jeweils fünf Nominierungen, sondern der eher kleine, aber sehr feine Film "Slumdog Millionär" gewann das Rennen um den besten Film. Ein Omen dafür, dass selbst in diesen Zeiten, da in Hollywood Erfolg oftmals programmiert ist, kleine Überraschungen möglich sind.


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